Als der damalige Student Daisuke Amaya im Jahre 1999 mit der Entwicklung eines eigenen Spiels begann, welches in mühevoller Kleinstarbeit und als Ein-Mann-Projekt über einen Zeitraum von fünf Jahren entstanden ist, hat er wohl kaum mit dem überwältigenden Erfolg gerechnet, den „Cave Story“ nach der Fertigstellung eingefahren hat. Nachdem der Titel für alle gängigen Betriebssysteme umgesetzt wurde und 2010 auch ohne spezielle Anpassungen als kommerzielle Portierung für WiiWare und DSiWare erschienen ist, kommt nun die grafisch deutlich aufpolierte Version für den Nintendo 3DS in die Läden. Ob sich der deutliche Aufpreis im Vergleich zu den anderen Ablegern lohnt und das Spielkonzept auch nach sieben Jahren noch begeistern kann, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Bild


Wo bin ich? Wer bin ich?


Ohne jegliche Erinnerungen wacht der namenlose Protagonist von „Cave Story 3D“ in einer dunklen Höhle auf und sieht sich, kaum setzt er einen Fuß vor den anderen, mit zahlreichen Gegnern konfrontiert. Glücklicherweise beherbergt dieser sonderbare Ort jedoch nicht nur Kreaturen, die dem Hauptcharakter an den Kragen wollen, sondern ebenfalls das kaninchenähnliche, humanoide und friedfertige Volk der Mimiga. Doch auch diese kleinen Gesellen haben schwerwiegende Probleme, werden sie doch von einem mysteriösen Wissenschaftler bedroht, der sie vom Angesicht der Höhle tilgen will. Wenig überraschend liegt es nun am Held ohne Erinnerungen, seine neuen Freunde vor der bevorstehenden Gefahr zu retten und während seines Abenteuers mehr über seine eigene Vergangenheit zu erfahren.

Metroid Story 3D


Bereits nach wenigen Spielminuten ist ersichtlich, von welcher Serie sich „Cave Story 3D“ inspirieren ließ. Die Parallelen zu „Metroid“ sind nur allzu offensichtlich und nicht von der Hand zu weisen. Wer nun aber denken mag, dass es sich hier ausschließlich um eine einfallslose Kopie handelt, irrt gewaltig. In bester Side-Scroller-Manier bewegt man sich springend und schießend in der frei begehbaren, nicht-linearen Spielwelt und nehmt dabei unzählige Gegner mit einer der insgesamt vier unterschiedlichen Waffen aufs Korn.

Die Durchschlagskraft der Projektile lässt sich mit den Erfahrungspunkten verbessern, die besiegte Widersacher in Form gelber Kristalle hinterlassen. Diese Upgrades sind allerdings keinesfalls langfristig. Steckt der Protagonist selbst einen Treffer ein, verliert er nicht nur einen Teil seiner obligatorischen Lebensenergie, sondern ebenfalls eine bestimmte Anzahl der Erfahrungspunkte der aktuell ausgerüsteten Waffe. Gerade in einen der vielen Bosskämpfe gilt es stets ein Auge auf die momentane Bleispritze zu werfen, da viele Gegner besonders anfällig gegen eine bestimmte Wumme sind. Sollte jedoch ausgerechnet diese aufgrund von Treffern heruntergestuft werden, wird der Kampf dadurch ungemein schwerer. Dieses Prinzip sorgt nicht nur für die gewisse Prise Taktik, sondern stellt auch sicher, dass verschiedene Waffen Anwendung finden und man selbst bei voller Lebensenergie nicht blauäugig in die Attacken der Widersacher läuft.

Bild


So macht man die weitläufige Höhle unsicher, besiegt scharenweise Gegner, löst kleinere Rätsel und macht sich auf die Suche nach Geheimnissen wie den zahlreichen Energiekapseln, die die maximale Energie aufstocken und erneut an „Metroid“ erinnert. Im Allgemeinen geht es bei „Cave Story 3D“ jedoch deutlich actionreicher zur Sache, als bei den Abenteuern der Kopfgeldjägerin Samus Aran. Dennoch ist das Höhlenabenteuer weit davon entfernt, ein lineares Actionspiel zu sein. Auch das Erkundenf der Umgebung hat oberste Priorität und der Erforschungsdrang wird häufig durch kleinere Upgrades und ähnliches vom Spiel belohnt. Nach und nach erschließt sich so die mysteriöse Welt der Mimiga.

Aus alt mach neu


Wie bei jedem Remake stellt sich auch hier die Frage, was sich im Vergleich zur Vorlage getan hat – gerade in Anbetracht der Tatsache, dass es sich beim Original für den PC um ein kostenloses Spiel handelt und der Ableger für den Nintendo 3DS ein Vollpreistitel ist. Im Vergleich zu vielen anderen heutigen Neuauflagen älterer Klassiker wurde hier jedoch noch einmal viel Arbeit investiert, um einen Mehrwert zu schaffen, der den Preis rechtfertigt und zu großen Teilen ist das auch gelungen.

Bild


Die augenscheinlich offensichtlichste Neuerung dürfte die komplett überarbeitete optische Gestaltung von „Cave Story 3D“ darstellen, die in zwei verschiedenen Modi genossen werden kann. Während der Story-Modus komplett überarbeitete Grafiken bietet, kommt der Classic-Modus zwar ebenfalls mit den neu designten Hintergründen daher, setzt jedoch in Sachen Charaktere und Items auf die charmanten Pixel-Sprites des Originals. Weitere Änderungen im Vergleich zum PC-Pendant und den Umsetzungen für WiiWare und DSiWare stellen die neu arrangierte und überarbeitete Musik dar, die an die Optik angepasste Kamera, spezielle Licht- und Schatteneffekte sowie einige neue geheime Items.

Leider haben es die Entwickler von Nicalis jedoch versäumt, dem Remake zusätzlichen Spielinhalt zu spendieren. Zwar sind die sonstigen Neuerungen durchweg gelungen und aufgrund der verschiedenen Enden ist ohnehin ein hoher Wiederspielwert gegeben, was eine Verlängerung der Spielzeit nicht unbedingt notwendig macht. Dennoch werden sich gerade Kenner des Originals über diesen kleinen Wermutstropfen ärgern. Auf eine Lokalisierung wurde im Rahmen der Überarbeitung ebenfalls verzichtet. So ist „Cave Story 3D“ nur auf Englisch spielbar, was jedoch keine allzu große Hürde darstellen sollte.

Technik


Kaum ein Spiel vermittelt auf Bildern einen derart falschen Eindruck wie „Cave Story 3D“. Während Screenshots den Titel altbacken und dröge wirken lassen, zeigt er auf dem Nintendo 3DS, dass er speziell für den Handheld konzipiert wurde. Vom rein technischen Standpunkt wird das System zwar zu keiner Zeit ausgereizt, dennoch ist die Optik von bestechender Qualität und wirkt geradezu organisch. Wenn dann noch der 3D-Regler auf Anschlag ist, dreht das Spiel nochmal auf und zeigt, wozu die spezielle Fähigkeit des Nintendo 3DS eigentlich in der Lage ist. Beinahe das komplette Softwareangebot verblasst im Vergleich zu „Cave Story 3D“, da es durch die dritte Dimension ungemein profitiert und diese weitaus besser nutzt als es andere Spiele tun.

Ebenfalls überzeugen kann die akustische Seite. Zu jeder Zeit unterstreichen vielfältige Melodien mit Ohrwurmcharakter das Geschehen und runden das Gesamtbild ab. Viele Effekte reichen nicht ganz an diese Qualität heran, allerdings ist dies wohl auch eine stilistische Entscheidung der Entwickler, da so durchweg ein gewisser Retro-Charme vom Spiel ausgeht.

Bild