Sich mehreren Dingen gleichzeitig zu widmen ist nicht Jedermanns Sache. Der eine lässt das Wasser im Kochtopf anbrennen, während er den Backofen vorheizt. Ein anderer dagegen spielt gleichzeitig Tennis, Schach und Hallen-Halma - und gewinnt! Wer sich eher zu letzterer Sorte zählt, wird an folgendem Review definitiv Gefallen finden. Aber auch die erstgenannte Gruppe darf versuchen, die eigenen Multitaskingfähigkeiten mit „Fractured Soul“ ein wenig aufzubessern.

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Wenn ich nicht hier bin,…


Die Frage, wo genau dieses „hier“ ist, wird nicht beantwortet. Ohne Umschweife landet der Spieler im ersten Level und wird anhand einiger kleiner Tipps zur Steuerung in das Spiel eingeführt. Wo andere Actionspiele heutzutage mit immer komplizierteren Möglichkeiten daherkommen, bleibt „Fractured Soul“ fast ausschließlich bei den Grundlagen. Springen ist durch erneute Betätigung des Sprungbuttons mit einem kleinen Raketenrucksackschub doppelt möglich und ballern darf man auch noch. Dazu kommt nun der eigentliche Kniff des Spiels.

…bin ich halt in einer anderen Dimension


Auf beiden Bildschirmen wird nämlich die gleiche Spielsituation abgebildet. Zumindest fast, denn es handelt sich dabei um unterschiedliche Dimensionen. Mal fehlt unten eine Leiter, oben ist dafür eine sichere Plattform über dem bodenlosen Abgrund. Ein anderes Mal befinden sich oben Gegner und unten führt ein sicherer Weg zum Ziel. Die Aufgabe des Spieler besteht nun darin, per Schultertasten gekonnt zwischen den Bildschirmen zu wechseln. Denn nur auf einem der beiden ist die Spielfigur auch „physikalisch“ vorhanden, auf dem anderen ist nur die Silhouette sichtbar. Letztere ist vor Gegnern, Laserschranken und sonstigen Hindernissen sicher. Dafür muss aber natürlich die greifbarere Variante sich von Plattform zu Plattform hangeln, Leitern erklimmen und Gegner erlegen.

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Wo guck‘ ich denn nun hin?


Was auf den ersten Blick recht simpel klingt, wird mit fortschreitendem Spiel immer vertrackter. Eine bewegliche Plattform über dem bodenlosen Abgrund, während tödliche Lichtschranken mal oben, mal unten sind, und dazu noch eine Hand voll fliegender Gegner. Nur geschicktes und vor allem reaktionsschnelles Wechseln der Dimensionen führt hier zum Sieg. Damit die Idee des Dimensionswechsels nicht bereits nach einigen Levels alt wird, gibt es noch ein paar Besonderheiten. So herrschen nicht immer auf beiden Bildschirmen die gleichen physikalischen Bedingungen. Während man unten ganz normal unterwegs ist, kann oben alles unter Wasser stehen. So läuft man nicht nur langsamer, auch die Sprünge sind dank des Schubs deutlich höher. Diese Ideen halten den Spieler über die gesamte Spieldauer bei Laune, sofern man nicht aufgrund des Schwierigkeitsgrades schon vor dem Ende aufgibt. Denn, wie in der Einleitung angedeutet, sollte man sich wirklich auf beide Bildschirme gleichzeitig konzentrieren können. Spätestens in den automatisch scrollenden Leveln, in denen die sonst großzügig verteilten Rücksetzpunkte komplett fehlen, kommt ansonsten schnell Frust auf.

Abseits der „Geschichte“


Die fehlende Story wird etwas dadurch kompensiert, dass die Levels allesamt zum mehrmaligen Durchspielen einladen. Es werden nicht nur in jedem Level besondere Sammelgegenstände an wirklich schwer zu erreichenden Stellen versteckt. Hinzu kommt noch eine vorgegebene Zeit, die es zu unterbieten gilt. Je nach dem wie gut man diese beiden Aufgaben erledigt erhält man pro Level eine Wertung von bis zu fünf Sternen, die wiederum nach und nach Bonuslevels freischalten. Diese sind nochmals fieser aufgebaut als die normalen Level und verlangen wirkliche Finger- und Hirnakrobatik.

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Doppelt sehen ist nicht gleich doppelt schön


Leider kann „Fractured Soul“ optisch kaum begeistern. Hauptcharakter und Gegner sind nicht nur sehr eckig, sie haben auch keinerlei Wiedererkennungswert und verschwinden mit dem Ausschalten des 3DS auch schon aus dem Gedächtnis. Die Hintergründe sind ebenso kaum nennenswert. Immerhin wird man so weniger vom Spielgeschehen abgelenkt, was ja auch wieder ein Vorteil ist. Der Sound ist ebenfalls nicht der Rede wert. Ein futuristisch anmutendes Gedudel als Hintergrundmusik und ein paar Effekte, wobei besonders der „Sprungschrei“ des Hauptcharakters eher befremdlich wirkt.