Der Bereich Videospiele repräsentiert nicht nur eine riesige Auswahl an Konsolen und dazugehörigen Spielen, sondern auch die Videospielliteratur spielt mittlerweile eine wichtige Rolle. Egal, ob Lösungsbücher oder Lexika zu verschiedenen Themen der Videospielgeschichte. Die Masse des existierenden Materials war für uns Grund genug, diese in einer brandneuen Rubrik genauer für Euch unter die Lupe zu nehmen, damit Ihr wisst, welches Buch einen Kauf wert ist. Wir starten unsere Reihe PaperWARE heute mit dem „Lexikon der Computer- und Videospielmacher“ von Winnie Forster.

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Informationen zum Autor
Winnie Forster wurde am 21. März 1969 in Starnberg geboren und es zog ihn schon relativ früh in die Gamebranche. Als er 1990 sowohl Abitur als auch Zivildienst gemeistert hat, fing er an für den Markt & Technik-Verlag als Redakteur zu arbeiten. Im Laufe seiner Karriere war Winnie Forster so bei diversen Magazinen beschäftigt, unter anderem bei Power Play, Maniac, PC Player und Bravo Screenfun. Seit 2002 ist Winnie Forster Leiter des Fachbuch-Verlags GAMEplan. Aus diesem Verlag stammt auch das Buch, das wir uns heute genauer anschauen wollen.

Lexikon der Computer- und Videospielmacher
Bereits das Cover lässt erkennen, um was für ein Stück Literatur es sich hier handelt. Denn niemand Geringeres als Hiroshi Yamauchi, seinerseits der dritte Nintendo-Präsident, ziert den orangefarbenen Hintergrund. Mit dabei sind als kleine Pixel-Cameos noch Alexej Paschitnow (Tetris), Will Wright (The Sims), Yuuji Horii (Dragon Quest) und Hironobu Sakaguchi (Final Fantasy).

Schlägt man das 400 Seiten dicke Buch nun auf, bekommt man zuerst eine kleine Kurzbiographie von Hiroshi Yamauchi geboten, woraufhin sich Winnie Forster in einem Vorwort an den Leser wendet. Er bezeichnet das „Lexikon der Computer- und Videospielmacher“ (Kürzel: GPX) als ein „Nachschlagewerk, das die menschliche und wirtschaftliche Seite des Mediums sowie die Macher hinter den Spielen vorstellt. Ein Lexikon, das die Entwicklung von vier Jahrzehnten ordnet“. Er gibt außerdem einen kleinen Einblick in das, was den Leser erwartet. Nämlich Einträge über „mehr als 1300 Teams und Herstellerfirmen sowie über 200 Einzelpersonen“. Man erfährt hier außerdem einige Facts zur Entstehung des Buches.

Zu großen Studios ist beispielsweise auf Seite drei ein Bild mit dem Titel „We see farther“ abgedruckt, welches diverse EA-Entwickler zeigt. Diese Anzeige, die die EA-Mitarbeiter selbstbewusst in die Zukunft blicken lässt, wurde im Oktober 1983 in Computer Gaming World Vol. 3 No. 5 veröffentlicht. Wer weiß, was passiert wäre, wenn EA nicht so selbstbewusst gewesen wäre. Gott sei Dank haben sie es getan.

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Nachdem man die Karte der „Videospiel-Entwicklungsländer 1972 bis heute“, die Liste mit Erklärungen der englischen Abkürzungen und die Vorstellung der einzelnen Personen auf dem Cover hinter sich gelassen hat, beginnt nun das eigentliche Werk. Um Euch einen kleinen Eindruck zu geben, wie die einzelnen Einträge geschrieben sind, kommt jetzt hier der Eintrag zu „10tacle“, welcher den Anfang des Lexikons markiert. Unterstrichene Namen verweisen hierbei auf andere Einträge, die in dem Buch zu finden sind.

„Der deutsche Computerspiel-Verlag wird 2003 von Michelle Pes gegründet und veröffentlicht die Rennsimulation GT Legend und GTR. 2004 übernimmt 10tacle Reakktor, 2005 das Studio Elsewhere, das zu 10tacle Belgium wird. Nach Eröffnung eines Studios in Singapur geht die Firma an die Börse und schluckt 2007 den ungarischen Entwickler Stormregion. Erste Videospiele sind die Hexfeldschlacht Panzer Tactics DS und eine Boulder Dash-Neuauflage. Die Expansion endet 2008 mit dem Absturz an der Börse: Pes schimpft auf sein slowakisches Studio und sagt die Übernahme der The Games Company (Berlin) ab. Im August ist 10tacle pleite; das Studio in Bratislava formiert sich als Games Delivery.“

In einem grauen Kästchen findet man unter jedem Eintrag noch Zusatzinformationen wie Gründungsjahr- und Ort, sowie den aktuellen Status des Studios. Zum Beispiel „Aufgegeben“, „Unabhängig“ oder „Integriert“. Nach dem Lexikon-Teil folgen noch Quellenangaben und ein Index, der beim schnellen Nachschlagen äußerst hilfreich ist.

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Alle 1500 Artikel aufzulisten, würde natürlich viel zu lange dauern, aber es sind wirklich alle nur erdenklichen Studios und Persönlichkeiten vertreten. Von Shigeru Miyamoto über Hiroshi Yamauchi bis hin zu Satoru Iwata. Winnie Forster beschränkt sich aber natürlich nicht nur auf Nintendo, sondern arbeitet hier wirklich plattformübergreifend. Zu vielen Personen gibt es außerdem kleine schwarz-weiß-Abbildungen. Alle Fotos im Buch wurden schwarz-weiß gedruckt, was dem Gesamteindruck allerdings keinen Abbruch tut. Winnie Forster selbst schreibt dazu: „Da GPX trotz Schwarz-Weiß-Druck Pixel zeigen möchte, authentisch, nicht verfälscht, kam es zu einer eigenwilligen Auswahl: Nur Spiele und Pixel, die im Original auf jede Farbe verzichten, wurden aufgenommen, um Lexikon-Einträge zu verzieren“. Zu den Einträgen selbst lässt sich sagen, dass diese wirklich sehr detailliert sind und keine Fragen offen lassen. Wer gerade nicht weiß, nach wem oder was er suchen soll, kann auch einfach wahllos durch das Buch blättern und spontan bei interessanten Einträgen anhalten.

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Jeder, der sich auch nur ansatzweise für die Personen und Entwicklerstudios interessiert, die für viele tolle Spiele verantwortlich sind und die Videospielhistorie deutlich geprägt haben, sollte dieses Lexikon im Regal stehen haben. Zwar mag einem der Preis von 27,80€ auf den ersten Blick etwas übertrieben erscheinen, aber spätestens nachdem man einmal durch dieses Werk geblättert hat, weiß man, dass es seinen Preis wert ist. Auf jeden Fall eine klare Kaufempfehlung von uns!

Buchinfos in der Zusammenfassung:
Titel: Lexikon der Computer- und Videospielmacher
Autor: Winnie Forster
ISBN: 978-3-00-021584-1
Preis: 27,80€
Seiten: 400
Erschienen: Dezember 2008
Homepage des Verlags: GAMEplan.de
Hier kaufen: Amazon.de

Wir danken Winnie Forster und dem Verlag GAMEplan für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!