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Anlässlich unserer Nintendo-Online-Sommertour haben wir vom 13. Bis zum 16. August das „Mini-Rock-Festival“ in Horb besucht. Wie bereits im Vorbericht zu lesen, wurde das Festival von den ansässigen Jugendlichen im Alter von 16 bis 23 Jahren organisiert, mit größeren Events wie dem Frequency oder Highfield wollten wir demnach zunächst keine Vergleiche wagen. Weshalb das „Mini-Rock“ aber dennoch ein voller Erfolg wurde und sich vor den restlichen Festivals auf keinen Fall verstecken muss, lest ihr in unserem Festivalbericht.

Tag 1: Wasserfeste Besucher


Das Mini-Rock-Festival, kurz auch gerne „MRF“ genannt, eröffnete am Donnerstag, den 13. August 2009, gegen 18 Uhr die Pforten. Schon einige Stunden zuvor trafen wir uns hingegen bereits um 15 Uhr, um noch einige Einkäufe zu tätigen und rechtzeitig zum Einlass anzukommen. Die Abfahrt verzögerte sich jedoch noch etwas, da sich das Shoppen als wahre Tortur entpuppte. Wir waren schließlich nicht die einzigen, die zum Festival gingen und die alkoholhaltigen Getränke waren im örtlichen Supermarkt unlängst ausverkauft. Nach etwa zwei Stunden angenehmer Fahrt bei bewölktem, aber dennoch warmen Wetter, rollten wir mit dem Auto schließlich an der langen Schlange vorbei, die sich vor dem Tickethäuschen versammelt hatte. Das hat man also davon, wenn man zu spät los fährt.

Und als sollte es nicht anders sein, zog sich auch schon der Himmel zusammen und direkt nach dem Aussteigen prasselten die ersten Regentropfen auf die heißen Häupter. Die Wartezeit sollte am Ende etwa vier Stunden betragen, die Festivalgänger ließen sich vom Rumstehen und Nasswerden hingegen nicht die Stimmung nehmen. So drängte es die Leute allesamt noch näher zusammen und die Flaschen wurden munter weitergereicht. Der Pavillon mit unseren beiden Zelten war trotz kompletter Dunkelheit in Rekordzeit zusammengebaut, von der Warm-Up-Party auf dem Konzertgelände hörten wir dennoch kaum mehr etwas. Wir verabschiedeten uns schließlich von unseren Nachbarn und schliefen so erschöpft, wie gleichermaßen auch nass schnell ein.

Tag 2: Das Festival beginnt


Gegen Mittag wachte das gemeine Volk so langsam auf, die riesigen Pfützen und Schlammfelder vom Vortag wichen von der Sonne getrockneten Wiesen und Kieselsteinen. Da der Zeltplatz etwas niedriger liegt als das umliegende Gelände, hatte sich am Vortag eine regelrechte Matschrutsche entwickelt, die von den Veranstaltern umgehend durch Steine rutschfest gemacht wurde. Mit dem Löffel vom Mittagessen im Mund, konnten wir auch schon die erste Band im Hintergrund wahrnehmen. Der restliche Zeltplatz wurde begutachtet und schon knüpften wir auf der gegenüberliegenden Seite, die am Ende der vier Tage auch deutlich dreckiger und vermüllter war, neue Freundschaften.

Man tauschte neben Kontaktnummern selbstverständlich auch Getränke und Essen aus, bevor wir zum ersten gemeinsamen Konzert zur kalifornischen Band Zebrahead gingen. Der Konzertplatz war zwar nicht völlig gefüllt, das hinderte die sympathischen Jungs aber nicht daran, das komplette Publikum zum Mitrocken zu bewegen. Dem Auftritt der punkig angehauchten Band folgte das deutsche Metalcore-Gewicht „Callejon“. Bereits beim Intro aus der aktuellen CD „Zombieactionhauptquartier“ verbreitete sich die aufreibende Stimmung, die im Moshpit zu „Zombiefied“ schließlich gefeiert wurde. Es wurden Songs aus allen CDs der Band gespielt und man beschränkte sich nicht nur auf die neueste Platte. Höhepunkt des Auftritts war ganz klar auch der letzte Song „Porn from Spain“. Wider aller Erwartungen wurde „Callejon“ hierbei aber nicht vom Sprechgesang des „K.I.Z.“-Rappers Nico unterstützt.

Bei „The Thermals“ füllte sich der Publikumsbereich so langsam immer mehr, denn der Auftritt der britischen Kapelle „Enter Shikari“ stand an. Die Show wurde mit brachialen Lichteffekten eingeleitet, die über das gesamte Konzert anhielten. Weiterhin wurden Bässe geboten, die die Hosentaschen durchschüttelten, einzig die Höhen klangen etwas zu schrill und die Überleitungen zwischen den Songs, die der Sänger der Band führen wollte, waren kaum verständlich. Das überwiegend junge und selbstverständlich zum Großteil auch sehr „emo“-gekleidete Publikum war sichtlich begeistert von der Mischung aus Post-Hardcore und Electro.

Abschließend legten noch die Electropunker von Egotronic im Festivalzelt auf. Auch hier hatte man zunächst mit Tonproblemen zu kämpfen, die Hintergrundmusik trat etwas zu sehr in den Hintergrund und die Stimme des Sängers war zu laut. Als Überraschung gab es vom „Enter Shikari“-Bandmitglied Rou noch einige Songs zu hören, der die Ohren noch einige Zeit lang mit feinsten elektronischen Beats verwöhnte und zum Tanzen anregte.

Tag 3: Der Höhepunkt


Der dritte Tag schien dem zweiten zunächst sehr zu ähneln. Es wurde erst einmal ausgeschlafen und mit Live-Bands im Hintergrund gefuttert. Erneut traten einige kleinere Bands aus der Umgebung auf, die das sichtlich kleinere Publikum dennoch völlig unter Kontrolle hatten. Wir besuchten wieder unsere nicht mehr ganz so frischen Bekanntschaften und entspannten in der Sonne. Die wollte schon am Vortag gar nicht mehr aufhören zu scheinen und bescherte gefühlte 40°C. Gegen Abend wurde es auf dem Zeltplatz dennoch so richtig kalt und feucht, wodurch man sich gerade so freute, in den Schlafsack zu kommen. Genug des Wetters, weiter im Geschehen.

Gerade als wir uns aufmachen wollten, die aus dem Norden Deutschlands stammende Band „Turbostaat“ zu sehen, hörten wir, dass diese im Stau steht und deshalb leider absagen muss. Dem zum Trotz wurde der Auftritt der mexikanischen Ska-Band „Panteón Rococó“ schlichtweg etwas nach vorne gezogen und verlängert. Mit interessanten Liedkompositionen wurden wir geradezu vom Charme der Musik angezogen und wurden überrascht, als das Konzert schon vorbei war. Aber der große Headliner des Tages hatte noch gar nicht gespielt, die Vorfreude stieg also ins Unermessliche.

Das war auch an der Besucherfrequenz zu sehen, denn so voll war das Festivalgelände an keinem der beiden vorhergehenden Tage. Personen aus allen Musikgenres bevölkerten das Festival, mischten sich aber problemlos untereinander. Nach dem kurzen Soundcheck legte DJ Craft von „K.I.Z.“ einige Lieder auf und brachte damit schon die Füße zum Bewegen. Einige Zeit später wurde die Kulisse auf die Bühne geschoben, passend zum ersten Lied erstrahlte die Bühne somit in einer Art Gerichtssaal mit drei Podesten und einem großen DJ-Tisch. Die Berliner Rapper bewiesen ihr Können und musikalisches Feingespür sowohl mit wirklich alten Songs von den ersten Mixtapes als auch von der neuesten Scheibe „Sexismus gegen Rechts“. Ungeachtet der Musikrichtung begannen alle auch hier kräftig mitzutanzen und –pogen. Nach etwa eineinhalb Stunden waren auch „K.I.Z.“ mit ihrer Show fertig, das Publikum wurde noch mit zwei Zugabe-Songs gefüttert, diese waren jedoch schon von Anfang an auf der Setliste und weitere Rufe wurden vergeblich in Richtung Bühne geschleudert.

Tag 4: Schwerer Abschied


Nach all den Strapazen, standen wir am vierten Tag gerne etwas früher auf, um den Schlaf im heimischen Bett fortsetzen zu können. Der Großteil des Gepäcks wurde am vorherigen Tag bereits zum Auto geschleppt, weshalb nur noch die zwei Zelte und einige kleinere Dinge übrig blieben. Unverständlicherweise gab es auch am Abreisetag nur den einen Ein-/Ausgang, was für viele Besucher bedeutete, einen riesigen Umweg zu gehen. Über die Zäune durfte man selbst unter Beaufsichtigung der Security nichts an seine Mitfahrer geben. In Zukunft sollten die Veranstalter vielleicht darüber nachdenken, einen weiteren Zugang, zumindest am letzten Tag, zu eröffnen, denn wirkliche Nachteile hat man dafür nicht, es wird den Besuchern nur vereinfacht, Gepäck vom Gelände zu befördern. Wir verabschiedeten uns ein letztes Mal von den Bekanntschaften und traten dann die zweistündige Heimreise an.

Fazit:


Trotz aller Anzeichen, wie dem schlechten Wetter, stellte sich das „Mini-Rock-Festival“ in Horb als voller Erfolg heraus. Auch in diesem Jahr gab es wieder etwa 7.000 Besucher und der Zeltplatz stieß wirklich an seine Grenzen. Durch die im Vergleich zu anderen Festivals geringe Größe war man aber wirklich aus jeder Position auf dem Konzertplatz in der Nähe seiner Lieblingsband und die Stimmung war wie bei den „Großen“. Für den geringen Preis von nur etwa 30€ schneidet das Event zudem kein allzu großes Loch in das Portemonnaie. Wir können das „MRF“ nur jedem Interessierten empfehlen, so idyllisch war „Festival“ noch nie.