Zur Überbrückung der Sommerflaute haben wir für euch eine weitere musikalische Artikelreihe vorbereitet. Videospieleinflüsse sind in zahlreichen populären Liedern kaum mehr wegzudenken. Wir sind deshalb den direkten Weg gegangen und haben einige angehende deutsche und internationale Künstler gefragt, was sie selbst mit Videospielen verbinden und wie sie davon beim Schaffen beeinflusst werden.

Hallo Julian! Stelle dich bitte kurz unseren Lesern vor.

Hi, ich bin Julian, Frontmann des Electro-/Hardcore-/Metal-Duos „Shemales From Outta Space Of Death”. Ich schreibe unsere Lyrics, und gestalte zusammen mit den Jungs von www.EVOLEEQ.com unsere Designs und CD-Cover. Roman, der andere Teil der Band, ist auch an den Lyrics beteiligt. Er konzentriert sich aber mehr auf das Schreiben unserer Musik und programmiert alle Beats, Instrumente, recorded und mastert dann alles.

BildJulian und Roman von „Shemales From Outta Space Of Death“



Eure Band trägt den außergewöhnlichen Namen „Shemales From Outta Space Of Death“. Wie seid ihr darauf gekommen und was verbindet ihr damit?

Der Bandname war schon immer da. Als wir wussten, dass wir zusammen Musik machen wollten, haben wir gar nicht großartig überlegt, um uns für diesen Namen zu entscheiden. Ich habe mir den irgendwann einmal ausgedacht und dachte es wäre cool und provokant, etwas mit Shemales im Namen zu haben. Uns verbindet damit eine Freundschaft, die dicker ist als Beth Dito von „The Gossip“, geprägt von purem Hedonismus und dem Drang der Verantwortung, seinem eigenen Leben zu entkommen.

Welche musikalischen Einflüsse, sei es nun von bestimmten Bands oder euren Lieblingsliedern, nehmt ihr in eure Songs auf?

Wir hören beide wirklich verdammt viel unterschiedliche Musik, sei es nun Indie, Electro, Punk, Hip Hop, Dub Step, Film-Soundtracks, Jazz oder eben das neuste Metal-/Hardcore-Subgenre, das sich ein Musikredakteur ausgedacht hat. Unsere Favorite Artists sind zum Beispiel „Deftones“, „Muse“, „Alexisonfire“, „Crystal Castles“, „Daft Punk“, „Queens Of The Stoneage“, „Justice“ und der ganze House-Kram aus Frankfreich im Stile von „Ed Banger“,„Maison Kitsune“ oder „Bloody Beetroots“, wobei letztere natürlich aus Italien kommen. Die musikalische Vielfalt prägt unseren Style und am Ende kommt ein riesiger Bastard-Sound aus all diesen Einflüssen heraus.



Als unabhängige Band ohne Plattenlabel habt ihr einen Großteil der Bekanntheit über Myspace erarbeitet. Vielen Künstlern fällt der Erfolg dabei „einfach so“ in den Schoß, wie verlief das bei euch?

Ja, das stimmt, durch das Internet kann man sein kreatives Output viel leichter promoten als je zuvor. Egal ob man eine Band, ein Blogger, ein Designer, Filmemacher oder sonst etwas ist. Wobei dadurch auch wieder ein Überangebot besteht. Bei uns war es aber tatsächlich auch so, dass uns der Erfolg „in den Schoß gefallen“ ist. Wir haben die erste EP hochgeladen, ein paar Leute geadded, die wir kannten und plötzlich haben uns tausende Leute zurück geadded, die wir gar nicht kannten und die uns erzählt haben, wie sehr sie auf uns stehen würden. Dann kamen die Angebote, überall in Deutschland, Holland und Belgien zu spielen, auch mit vielen namhaften Bands wie „Protest The Hero“, „Annotation Of An Autopsy“, „We Butter The Bread With Butter“ oder „War From A Harlots Mouth“ um ein paar zu nennen. Es ist extrem surreal, wenn man einen ganz normalen, scheiß Alltag hat, wie jeder andere auch, dann fährt man paar hundert Kilometer zu einer Show, wo ein Haufen Leute, die man noch nie gesehen hat, vor der Halle stehen und einen begeistert empfangen und genau wissen, wer du bist und dich dann feiern. Aber es freut und bestätigt uns natürlich auch, es ist einfach nur so ungewohnt.

Euer zweites Release „Totgeburt in Röhrenjeans“ liegt nun bereits einige Zeit zurück. Im vergangenen Jahr gab es ganze zwei EPs, folgt in diesem Jahr der dritte Teil dazu?

Nein, wir werden ein Doppel-Album veröffentlichen, das nur auf Picture Vinyl erscheint, mit fünfstündiger Doku im MTV-Cribs-Style, in dem man unsere fetten Villen sieht, die wir uns dank der veröffentlichten Gratis-EPs kaufen konnten, natürlich in 3D und auf Blu-Ray-Disk. Dazu gibt es als extra dann noch zwei lebengroße Shemale-Gummipuppen. Ach ja, das Album heißt dann „Skrotum ist nicht klingonisch"!

Nein, Spaß beiseite, wir wissen leider selber noch nicht, wann etwas Neues von uns erscheinen wird, fest steht aber, wir arbeiten an neuen Sachen, aber es wird keine weiteren EPs geben. Bald werden wir allerdings bereits einen neuen Track auf unsere Myspace-Seite uploaden. Der Titel ist noch nicht 100% final, aber der Arbeitstitel lautet „Mutterkuchen-Schlacht“.

Unterscheidet sich der Song von euren andern Liedern?

Der Song ist mit Abstand das krankeste, härteste und aufwendigste, was wir bis jetzt produziert haben. Ich schreie beziehungsweise „keife“ oder wie man das auch nennen will anders als vorher. Obwohl der Track sehr auf die Fresse ist, gibt es natürlich noch einen chilligen Part in der Mitte, in dem wir endlich mal Wal-Gesang eingebaut, haben das wollte ich schon immer einmal machen. Das Ende ist auch sehr abgedreht mit einen dramatischen Techno-Part, der aus den Neunzigern hätte sein können und mit sehr krass zusammen geschnittenen Samples bestückt wurde.

Viele erfolgreiche deutsche Bands können bei weitem nicht von der Musik alleine leben. Was macht ihr, um an das nötige Geld zu kommen?

Ja, das stimmt. Ich weiß es aus erster Hand, weil ich einige bekannte Musiker, die sowohl auf Major- als auch auf Indie-Labels sind, persönlich kenne. Das neue Album von „Callejon“ zum Beispiel ist ja auch sehr durch diesen „Überlebenskampf“ geprägt und ich wette, dass unsere nächsten Songs auch ziemlich angepisst klingen werden, weil jetzt nach der Schulzeit das „Strugglen“ und „Hustlen“ erst richtig anfängt.

Roman ist zurzeit Student und ich habe schon so gut wie überall gejobbt, vom 1€-Laden bis zur Esotherik-Hippie-Bude, wo meine ganzen Klamotten dann nach Duftkerzen gestunken haben. Ich habe aber auch lange für eine Tageszeitung über Konzerte geschrieben und etliche Bands interviewt und fotografiert, darunter auch „Billy Talent“, „Jan Delay“, „The Used“, „Killswitch Engage“, „Underoath“, „Taking Back Sunday“ oder der beste von allen, „Daniel Küblböck“! Das war mit Abstand das skurrilste Interview, das ich machen musste und seine Managerin hat mich immer mit ihren gelben Raucherzähnen angelächelt und mir lasziv zugezwinkert. Der geilste Spruch von ihr war dann „Bist du eigentlich ein fest angestellter Reporter oder ein freier?“ – ich antwortete nur „Ich bin ein freier“ und musste mich dann selber über die unglaublich dumme Doppeldeutigkeit kaputtlachen. Leider wurde mein Artikel von der Redaktion dann im Nachhinein extrem umgeschrieben, so dass er sehr positiv ausgefallen ist, was mich extrem angekotzt hat. Dann habe ich als Gag noch eine Review geschrieben für ein Online-Punk-Magazin von einem Kumpel von mir, irgendwie haben die Küblböck-Fans das dann raus gefunden und ich habe eine Menge Hassmails von alten Omas bekommen. Mit lustigen Behauptungen, die sie sich an ihren grauen Haaren herbei gezogen haben wie zum Beispiel ich wäre eifersüchtig auf Daniel Küblböcks Erfolg und würde ihm insgeheim am liebsten auf den Penis gucken.

Nach dem Abi habe ich erst einmal Zivildienst in einem Jugendzentrum gemacht, in dem wir auch unsere erste EP aufgenommen haben und jetzt proben. Zurzeit arbeite ich aber bei einem Indie-Label namens NOIZGATE Records, das sich auf Metal- und Electro-verwandte Musik spezialisiert hat. Nebenbei gehe ich auch noch Blut und Plasma spenden und lasse meine Arme durchstochern.



Haben die Plattenfirmen bereits an eurer Türe geklopft? Oder wollt ihr gar weiterhin kostenlose Alben veröffentlichen?

Wie gesagt, ich arbeite ja jetzt Dank „Shemales“ bei einem Label und bekomme einen guten Einblick darauf was ein Label für eine Band machen kann und was nicht. Allerdings wollen wir uns da erst einmal noch nicht festlegen. Wir werden sehen was passiert und welche Angebote wir bekommen werden.

Kommen wir zum spielerischen Teil: Welche Konsolen besitzt ihr privat und welche Discs rotieren darin am häufigsten?

Roman spielt eher wenig beziehungsweise gar nicht mehr. Er hat aber größtenteils PC-Games wie „Command & Conquer“ gezockt. Ich bin da eher das genaue Gegenteil. Ich bin ein totaler Konsolen-Fetischist und habe auch alle möglichen Konsolen und Handhelds bei mir herumstehen wie SEGA Master System 2, Dreamcast, PlayStation 1, 2 und 3, PSP, Gameboy, SNES und natürlich fast alle weiteren Nintendo-Konsolen, die es gibt.

Zuletzt habe ich endlich „No More Heroes“, „Batman: Arkham Asylum“ und das großartige „Heavy Rain“ durchgezockt. Derzeit spiele ich mit meinen Homies stundenlang „Super Street Fighter IV“ zu Hause und wenn ich Zeit habe die „GTA IV“-Add-Ons für PlayStation 3.

Inwiefern beeinflussen euch Videospiele beim Musik machen?

Ich glaube es passiert eher unterschwellig, dass wir von den Game-Soundtracks der 80er und 90er beeinflusst werden, die sich in unser Hirn gebrannt haben. Ich bemühe mich jetzt bei den neuen Lyrics einige Videogame-Zitate oder anderen nerdigen Stuff mit reinzupacken, die sich auf Videospiele beziehen.

Seid ihr eher Casual- oder Hardcore-Spieler?

Ich bin Hardcore-Spieler, leider aber nur casual, wenn das einen Sinn ergibt. Also ich zocke für mein Leben gern, allerdings nicht jeden Tag, außer ich habe ein neues Spiel, das verschlinge ich dann so lange, bis es durch ist und dann wird es sofort noch einmal gespielt.

Auf welche Spiele seid ihr in der Zukunft besonders gespannt?

Ich habe mich bis vor kurzem noch total auf den neuen „Final Fantasy“-Teil gefreut, jetzt da er erhältlich ist, habe ich komischerweise überhaupt gar keine Lust mehr darauf. Ich freue mich aber auf „No More Heroes 2“ und „Metal Gear Solid: Rising “. Ich freue mich auch schon unglaublich auf die diesjährige gamescom, auf der ich wieder mit den EVOLEEQ-Leuten die Hallen unsicher machen werde.

Gibt es nach „Aids Ventura“ bald „The Legend of Schamhaar“?

Klar, hier ist der Text:

Ich kann meine Schamhaare nicht mehr leiden,
ich werd’ sie mit einem Samurai-Schwert abschneiden,
sollte ich mich versehentlich selbst beschneiden,
werd’ ich trotzdem immer Macho bleiben.

Grunz, grunz, bree, bree, FUCK, FUCK, KILL, KILL DIE MASSERFAKKER!
(Dann kommt noch ein Sample aus einen Samurai-Film von Akira Korusawa und ein Breakdown)
Fertig.

Nächster Songwunsch, bitte! Die Idee ist echt genial, schickt uns mal mehr fiktive „Shemale“-Songtitel, vielleicht werden wir die dann wirklich mal produzieren, haha.

Könnt ihr es euch vorstellen, einen Song zu einem Spiele-Soundtrack beizusteuern? Welches Spiel wäre dabei euer Favorit?

Das wäre natürlich genial. Leider wüsste ich nicht, zu welchem Spiel unsere Musik wirklich passen würde. Vielleicht zu einem Beat’em Up, das ein bisschen futuristisch angehaucht ist oder zu einem neuen „GTA“-Part als Teil eines Radio-Programmes.

Welche Frage wolltet ihr schon immer einmal beantworten, wurde euch aber leider noch nie gestellt?

Iga Wyrwal soll mich gefälligst fragen, ob ich sie heiraten will! ich würde „Ja“ sagen.

Äh, eine Frage, die uns als Band noch nie gestellt wurde, wir aber gerne beantworten würden, wäre vielleicht: „Hey, wollt ihr als Support für „Brokencyde“ spielen?" – Die Antwort wäre ein klares „NEIN!“.

Wollt ihr unseren Lesern noch etwas sagen?

KARPADOR ben. Platscher... Nichts geschieht!

Vielen Dank für das Interview!

Vielen Dank für’s Lesen und kommt auf eines unserer Konzerte, wenn ihr Lust habt!

Weitere Informationen zu „Shemales From Outta Space Of Death“ findet ihr auf www.myspace.com/sfosod, www.evoleeq.com und www.noizgate.com.