Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die Videospielgemeinde erfreut sich an der Flut an neuen Titel, die größtenteils der November gebracht hat. Wer einem leidenschaftlichen Spieler zu Weihnachten etwas schenken möchte, wird wohl kaum an Geschenkideen verzweifeln. Schließlich gibt es zum diesjährigen heiligen Fest eine Reihe von spannenden Abenteuern, die es alle verdienen unter dem geschmückten Weihnachtsbaum zu stehen. Wie bunt diese Welt derzeit auch aussehen mag, für Nintendo und besonders für dessen Fan-Gemeinde sah es 2011 eine Zeit lang nicht so farbenfroh aus. Der erfolgreiche DS wurde vom 3DS abgelöst, die Wii dagegen erwartet weiterhin sehnsüchtig die Ablösung in die Rente. Nahezu alle aktuellen Konsolen konnten über das ganze Jahr verteilt nicht für regelmäßige Angebote sorgen, ein ausgeweitetes Sommerloch breitete sich auf mehrere Monate aus. Die Zukunft des Traditionsunternehmens wird durch den bisher weniger erfolgreichen 3DS und durch die verwirrenden Konzepte der Wii U bestimmt. Das Jahresende stellt eine Zäsur dar, eine Pause für die japanische Firma und auch für uns, in der man noch einmal die Gelegenheit bekommt den Weg zu bedenken, den man einschlagen möchte. Daher nutzen auch wir die Gelegenheit, sammeln Eindrücke aus der Vergangenheit und Gegenwart von Nintendo und präsentieren euch nun, welche Chancen das Unternehmen hat, weiterhin als ausschlaggebende Komponente im Videospielmarkt die Branche zu bestimmen.

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Money is honey


Einst war Nintendo für Titel bekannt, die genau die Basis des kulturprägenden Unternehmens angesprochen haben. Betrachtet man alleine die zahlreichen und beeindruckenden Spiele für den Gameboy Advance und GameCube, erschlägt eine riesengroße Auswahl an wundervollen Titeln den langjährigen Spieler. Sowohl die traditionellen Ableger von Nintendos Videospielreihen als auch komplett neue Erfahrungen boten ein traumhaftes Gesamtpaket, von dem die heutige Gemeinde nur schwärmen kann. Daher drängt sich die Frage auf, warum so eine Ära enden musste und eher in ein tristes Zeitalter geflossen ist, das die Wii und teilweise der DS bilden.

Einzigartige Spiele, traditionelle Erlebnisse und neuartige Erfahrungen konnten zwar die Gemeinde beeindrucken, aber Nintendo hatte zwischenzeitlich mit anderweitigen Problemen zu kämpfen. Schließlich konnte die Firma trotz der sehr hohen Qualität ihrer Titel keinen Erfolg erzielen. Der Konkurrenz gelang es noch ansprechendere Produkte zu vermarkten, sodass das japanische Unternehmen große Anteile an der Branche unfreiwillig aufgeben musste. Nintendo schlug neue Wege ein um bestehen zu können. So entstanden der DS und die Wii, Konsolen mit unglaublichen Innovationswerten, die letztendlich neue Kunden anlocken sollten. Dieser Weg, den die Zentrale in Japan diktierte, sorgte dafür, dass sich die Videospielgemeinde in zwei Gruppen aufteilte.

Diese zwei Gruppen werden heute in Core- und Casual-Spieler unterteilt, von denen letztere seit Neuestem im Visier von Nintendo landeten. Sie suchten nach interessanten, aktuelleren Ideen und fanden sie dann letztendlich auch, hatten sich zuvor jedoch kaum an das Spielen getraut. Das Konzept ging auf, brachte dem Unternehmen unglaubliche Geldsummen und veränderte leider auch die Werte, nach denen bisher gearbeitet wurde. An Innovation und ebenso an guten Spielen mangelte es seitdem nicht, jedoch verschwanden in den Releaselisten Titel, für die der langjährige Fan Nintendo bisher liebte.

Spiele für uns, aber auch für mich


Was wahr ist, soll ausgesprochen werden. Nintendo selbst hat in diesem Zeitraum sehr gute Spiele auf den Markt gebracht und konnte damit seinen Beitrag zur Attraktivität des Softwareangebots der Konsolen leisten. Jedoch fehlte es reichlich an weiteren Titeln, die von den Third-Party Herstellern hätten kommen sollen, aber nicht kamen. Dies ist aus Sicht eines Spielers zwar nicht erfreulich, aber die Entwickler hatten durchaus rationale Gründe. Schließlich existiert die Konkurrenz weiterhin und ist nun auch stärker als je zuvor, da sie mit ihren Konsolen aktuellere Leistungen hervorbringen konnten, die die Entwicklerteams außerhalb der eigenen Reihen weniger in ihren Möglichkeiten einschränkten. Außerdem verkaufen sich auf der Wii simplere Party-Spiele, die den Kostenaufwand der Entwicklung gering halten, deutlich besser als aufwendigere und intensivere Videospielerlebnisse.

Folglich erschienen die anspruchsvolleren Produkte nicht auf der Wii, während diese durch ungewöhnlichere Spielkonzepte gemolken wurde. Der Casual-Markt erfreute sich jahrelang an solchen Titeln, während Nintendos Basis immer mehr nach der Konkurrenz sehnte und alle Quartale mal die Wii entstaubte, falls mal ein „Mario“- oder „Zelda“-Ableger erschienen ist. An epische RPG-Klassiker, die das Super Nintendo Entertainment System kennzeichneten oder tolle Abenteuer, die das Nintendo 64 und den GameCube verzierten, denkt inzwischen niemand mehr, wenn es um Nintendos aktuelle Konsole geht. Gebt Acht, denn das soll sich nun ändern!

Diesen Wandel soll nicht nur der 3DS ermöglichen, sondern auch die Wii U. Der Name beschreibt eigentlich die Idee hinter dem neuen Heimsystem. Das Erfolgsrezept der Wii soll weitergeführt werden, sodass weiterhin Titel erscheinen, die den Mehrspieler-Spaß der Konsole ausmachen. Jedoch soll das „Ich“ nun nicht zu kurz kommen, nur weil das kollektive „Wir“ erst die Gewinnmargen ermöglicht. Das „Ich“ ist eben einer, der sich gerne auch mal an ein „Skyrim“ oder „Battlefield“ traut und glücklich ist, wenn solche Spiele in zahlreichen Modifikationen in den Spielregalen stehen.

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Zu unseren Zeiten gab es das alles nicht!


Neben einem Konflikt zwischen den Core- und Casual-Welten, beides hässliche Begriffe um die Spieler heutzutage zu beschreiben, ist in letzter Zeit auch intern bei Nintendo ein Konflikt zwischen Tradition und Moderne entstanden. Das Urgestein Nintendo bildet dabei wohl das konservativste Unternehmen, angeführt vom führenden Entwickler und Designer Shigeru Miyamoto. Die japanische Firma zeigte sich durch die Wii und den DS zwar sehr innovationsfreudig, jedoch lehnt es strikt moderne Elemente eines Spiels ab. Der Gedanke „Die Spieler wissen nicht, was sie wollen.“ ist in den zentralen Stellen verankert, sodass jegliche Anregungen und Wünsche der Fans oft ignoriert werden.

Doch es sei gesagt: „Wir Spieler wissen, was wir wollen!“ und hätten daher gerne auch breitere Online-Netzwerke, sowie möglicherweise ein Achievement-System und wenn man schon dabei ist, vielleicht auch ein Voice-Acting für die Bewohner Hyrules. Bei allem Respekt vor der Loyalität zur Tradition bei Herrn Miyamoto und ähnlich Gesinnten, sind einige Features heutzutage doch gern gesehen. Nintendo agiert in solchen Bereichen jedoch sehr langsam und kann nur antizyklisch mithalten, steht damit auch immer im Schatten von Sony und Microsoft, die zukunftsorientierte Inhalte bieten.

Es gibt Hoffnung


Wie ignorant beziehungsweise traditionsorientiert die Wurzeln Nintendos auch sein mögen, das Unternehmen wird irgendwann diese Einsicht entwickeln müssen, um seine Ziele zu realisieren. Glücklicherweise wird nun eine Jugend groß, die Entwickler von morgen, die die Wünsche der ebenfalls jungen Fans fühlen und dementsprechend ihre Arbeit gestalten. Die Früchte dieser Ideen werden bereits von einigen Spielen getragen und möglicherweise erst durch die schwindende Präsenz von Miyamoto ermöglicht.

Angefangen bei „Mario Kart 7“, das von den jungen Entwicklern wie Hideki Konno, Yusuke Shiraiwa und vielen mehr mitgestaltet wurde, werden bereits die ersten Elemente deutlich. Die Serie ist zweifellos bereits mit den Grundideen aus dem SNES-Ableger wert gespielt zu werden, doch modernere Features wie die Individualisierungsmöglichkeiten und den komplett neuen Communitys fügen dem Titel erst die nötigen Neuerungen bei, damit die Videospielreihe auch weiterhin ihren großen Wert behalten kann. Genauso erfolgt es mit „Super Mario 3D Land“, das sich nun auch immer mehr von Miyamotos Mitwirkung entfernt und durch die jungen Entwicklern wie Yoshiaki Koizumi und Takashi Tezuka weitergetragen wird.

Letztendlich erschien im November noch ein weiterer Titel, der auch im Gesamten den Wandel innerhalb des Traditionsunternehmens verkörpert und erfolgreich neue Konzepte beinhaltet. Die Rede ist von „The Legend of Zelda: Skyward Sword“, das im Test satte 10 von 10 Punkten erzielen konnte und zum Highlight des Jahres gehört. Hierbei ist nämlich auch der Einfluss der Moderne zu beobachten, der durch den leitenden Entwickler Eiji Aonuma bestimmt wird. Sei es durch die neuen Elemente wie die Ausdaueranzeige und das Upgrade-System oder die wundervolle Präsentation, die mit den Zwischensequenzen heutigen Standards gerecht wird: Es ist letztendlich eine Entwicklung zu beobachten, die aufzeigt, dass Nintendo derzeit mitten in einem Wandlungsprozess ist und am Ende sogar den utopischen Zielen näher kommen könnte, die doch so unmöglich zu erreichen erscheinen.

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Nintendo im Wandel


Es sind harte Zeiten für Nintendo und große Hürden stehen dem Unternehmen im Weg, eine geeignete Rolle einzunehmen, um jedem Spieler, doch besonders den langjährigen Fans gerecht zu werden. Der GameCube war ein Erfolg und die Wii genauso, doch der Erfolg unterscheidet sich bei beiden Konsolen erheblich. In beiden Fällen gab es Gewinner, aber auch Verlierer und nun ist es die Bürde Nintendos ein Erfolgskonzept zu entwickeln, mit dem es nur Gewinner gibt: Eine Konsole, die Core und Casual, aber auch Tradition und Moderne umschließt, sodass wirklich jeder in den Genuss von Videospielen kommt. Die bisherigen Konzepte der Wii U sind schwer zu beurteilen, da sie zum einen relativ nahe an diese optimale Konsole reichen, zum anderen aber möglicherweise wieder einen antizyklischen, technischen Charakter aufweisen könnten. Als Fan, der auf geniale Nintendo-Erfahrungen mit „Super Mario“, „The Legend of Zelda“ und vielen weiteren nicht verzichten, aber auch neuartige Abenteuer erleben möchte, bleibt nur zu hoffen, dass es Nintendo mit der Wii U gelingt, die vielseitigen Komponenten erfolgreich zusammenzutragen.

Was ist eure Meinung? Wie schätzt ihr die Chancen Nintendos ein? Wird Nintendo diesen Wandlungsprozess erfolgreich bestehen können?