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  1. #421
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    Zitat Zitat von Fabian Beitrag anzeigen
    Ohne jetzt groß eine wirtschaftspolitische Diskussion anstoßen zu wollen: Grundsätzlich schließen sich die Dinge ja nicht aus. Natürlich heißt das nicht, dass man nun einfach alle Arbeitnehmer entlastet und dann noch Geld spart. Es ist klar, dass es da ein großes Reformpaket braucht.
    Na ja, deswegen meinte ich auch, dass es paradox klingt - also erstmal widersprüchlich, aber dann erklärt werden kann. Kam vielleicht nicht richtig rüber. War dann im Endeffekt aber auch kein besonders nützlicher Kommentar meinerseits.

    Zitat Zitat von Fabian Beitrag anzeigen
    Die Arbeitnehmer zu entlasten wäre durchaus eine gute Sache. Gerade kleinere Einkommen werden ja relativ schnell relativ stark belastet (Mittelstandsbauch). Auf mittlere Einkommen wirkt die kalte Progression relativ stark. Und dann kommt noch ein Spitzensteuersatz, der relativ früh beginnt (fernab der Spitze bei 54.950€ zu versteuerndem Jahreseinkommen) und mit 42% (bzw. 45% ab 260.533€) auch nicht allzu hoch ist. Damit belastet man den Großteil der erwerbstätigen Gesellschaft schon relativ stark - unten wie oben. Da kommt man auch als Ingenieur oder Lehrer (nicht verbeamtet) schnell ins Vergnügen Spitzensteuersatz zu bezahlen.

    Dabei hätten Entlastungen hier nicht nur den Vorteil, dass den Menschen mehr Geld übrig bleibt. Man könnte darauf spekulieren, dass die Binnennachfrage steigt. Gerade der sehr vom Export abhängigen deutschen Wirtschaft würde eine stärkere Inlandsnachfrage auf lange Sicht extrem gut tun. Wir können nämlich nicht davon ausgehen, dass wir immer in diesem Umfang exportieren können. Und gerade in Krisenzeiten kann ein starker Binnenmarkt dann eine gute Stütze sein.

    Vielleicht könnte also steigender Konsum dann auch einen Teil der Kosten für solch entlastende Maßnahmen decken. Hinzu kommt natürlich, dass beispielsweise die Erbschaftssteuer unbedingt eine Reform bräuchte - seit vielen Jahren schon. Vererben ist ja relativ billig, vor allem auch bei großen Vermögen. Das ist auch mit ein Grund, warum die Schere immer weiter aufklafft. Hier müsste von staatlicher Seite mehr gegengesteuert werden. Eine halbwegs ordentliche Besteuerung zumindest von sehr großen Erbschaften (und da ist nicht nur ein Einfamilienhaus gemeint), würde der Staatskasse sicher gut tun - und eben Spielraum schaffen, um anderweitige Entlastungen durchzusetzen.

    Wie auch immer, ich bin auch bei weitem kein Experte für Wirtschaftsfragen oder Steuerrecht. Ich beschäftige mich zwar gerne damit, weil ich es interessant finde (und gerade bei Steuerfragen sollte jeder ein wenig fit sein). Aber natürlich reicht das alles noch viel weiter. Was man aber - hoffentlich - sieht: Es gibt genug mögliche Stellschrauben. Und wie wir ja schon festgestellt haben, hängen viele Dinge zusammen. Darum wäre vielleicht auch mal wieder ein großes Reformpaket wichtig, denn die Möglichkeiten der kleinen, isolierten Verbesserungen, sind langsam auch erschöpft.
    Danke für den Einblick ins Steuerrechtliche, zu dem ich tatsächlich nicht viel Wissen, nun aber zumindest ein paar Informationen habe. Deine Ausführungen zur Entlastung der Arbeitnehmer erscheinen mir plausibel.
    Was die Erbschaftssteuer betrifft: Vom Grundgedanken her (also Erbschaften zu versteuern) stößt mir das irgendwie immer etwas bitter auf (Besteuerung von Vermögen, das im Normal- oder Bestfall schon einmal versteuert wurde und das man freiwillig an jemand anderen abtritt), aber eine Notwendigkeit kann ich der Sache auch nicht völlig wegargumentieren, gerade wenn du von der auseinander klaffenden Schere sprichst.

    Zitat Zitat von Fabian Beitrag anzeigen
    Das halte ich ja gar nicht für verwerflich. Es ist auch völlig logisch, denn einen sehr großen Bevölkerungsanteil zu ignorieren würde dazu führen, dass man keine Mehrheit mehr bekommen würde. Auch hier gilt aber wieder: Gute, nachhaltige Rentenpolitik geht nur im großen Stil: Zum Beispiel indem man gut ausbildet, damit irgendwer die Rentenbeiträge erarbeiten kann. Indem man Arbeitsplätze sicher, damit irgendwer die Rentenbeiträge erarbeiten kann. Indem man gute Familienpolitik macht, damit in 30 Jahren auch noch jemand da ist, der Rentenbeiträge erarbeiten kann. Und dann sei noch gesagt: Wer heute in Rente geht, der erlebt wahrscheinlich noch die 2030er Jahre, vielleicht auch die 2040er. Nachhaltigkeit ist also auch für die vermeintlich "alten" extrem wichtig - steigender Lebenserwartung sei dank.

    Warum ich das jetzt mehr oder weniger ungefragt aufbringe: Weil Politik für Junge auch den Alten zu Gute kommt. Und umgekehrt genauso. Wie die Generationen manchmal, politisch und medial, gegeneinander ausgespielt werden, das halte ich für falsch.
    Ich habe es auch mehr in dem drastischeren Sinne gemeint, dass andere Bevölkerungsteile entsprechend vernachlässigt würden und Politik sich nur danach richtete, wo die meisten Wählerstimmen zu holen sind. Das ist aber natürlich eine Überspitzung, und eben auch Auslegungssache. Und im Übrigen auch nicht meine Meinung. Sich um große Bevölkerungsteile überhaupt zu kümmern, macht natürlich Sinn.

    Inwiefern siehst du da ein "gegeneinander Ausspielen"?

    Zitat Zitat von Fabian Beitrag anzeigen
    Die Personaldebatte in der SPD kommt ja regelmäßig, aber so heftig wie momentan war sie - glaube ich - selten. Ich denke schon, dass das Personal momentan ein gewisses Problem ist. Die Führungsriege hat gerade um die BTW herum und auch anschließend extrem unglücklich agiert. Diese Superlative, von "Wir gehen niemals nie in die Groko" bis "Jetzt gibts auf die Fresse", die haben gewirkt und sich auch in das Gedächtnis vieler Leute eingebrannt. Diese Aussagen haben auch bewirkt, dass man an der Glaubwürdigkeit zweifeln muss. Wie kann man sich auf die tollen Redenschwinger verlassen, wenn sie sogar nach solch knallharten Aussagen noch Drehungen um 180 Grad vollführen können, scheinbar ohne mit der Wimper zu zucken?

    Kleine Anekdote nebenbei. Einer aus meinem Ortsverein meinte letztens sinngemäß: "Wenn sich unsere Kasperl nicht jedes Mikrofon krallen würden, wenn sie einfach mal irgendwo vorbeigehen könnten, ohne noch was sagen zu müssen. Dann stünden wir auch schon besser da." Nach den holprigen Auftritten zuletzt ist das sicherlich nicht ganz verkehrt.

    Zudem ist natürlich ein Problem, dass die SPD-Spitze schon seit langer Zeit von Erneuerung spricht. Immer wieder, nach jeder verlorenen Wahl. Aber wirkliche Konsequenzen wurden nie gezogen. Da gibts mal ein Bauernopfer, irgendwer muss gehen (Schulz z.B.), aber es trifft ja der Vorstand die Entscheidungen. Zusammen. Sprich: Die, die Mitschuld am Unheil haben, bleiben. Und sie kaspern die Posten weiterhin unter sich aus.

    Nur mal so: Nahles ist seit 1997 Mitglied im Parteivorstand. Sie war 1998 bis 2002 im Bundestag, dann seit 2005 durchgehend. Sie ist seit 2003 Mitglied im Parteipräsidium der SPD. Man muss kein großer Beobachter der SPD sein um zu sehen, dass sie wohl einen gewissen Einfluss auf den Kurs der Partei gehabt haben dürfte. Kann man ihr also wirklich glauben, wenn sie jetzt plötzlich alles besser machen will? Nachdem sie auch kein Problem damit gesehen hat, dass Schulz doch Minister wird (das haben die im kleinen Kreis ausgemacht)? Die wenigen Bedenken im Vorstand (z.B. von Lars Klingbeil) hat sie erst gekonnt ignoriert. Wie viele andere auch.

    Sie es wirklich so aus, als hätte das bestehende Personal von seinen Fehlern gelernt? Irgendwie ja nicht.

    Darum ist die Personaldebatte wichtig und richtig. Man muss sich fragen, ob der Führungsstil der Partei wirklich noch zeitgemäß ist. Und ob die Parteiführung, deren Kern teilweise schon sehr lange sehr ähnlich ist, noch Lösungen für die Probleme findet. Daran zweifeln viele in der SPD. Daran zweifle ich übrigens auch. Ob man jetzt unbedingt alles zwingend verjüngen muss? Ich glaube nicht. Ich denke grundsätzlich wäre eine gesunde Mischung als alten und jungen Mitgliedern gut. Wir brauchen frischen Wind im Vorstand - wie alt die Personen sind, die ihn bringen, ist mir persönlich relativ egal. Aber natürlich heißt das nicht: "Hau einfach die komplette Führung weg." Vielmehr braucht es eine gesunde Mischung aus neuen und erfahrenen Personen.

    Und für die Zukunft muss man sich vielleicht die Frage stellen, wie man eine ordentliche Rotation beibehält.
    Danke für deine Einschätzung. "Verjüngung" war auch irgendwie das falsche Wort von meiner Seite, ich hätte es auf "Austausch" beschränken sollen. Ich stimme dir zu, dass das Alter nicht entscheidend ist. Solange die nötige Kompetenz vorhanden ist.

    Zitat Zitat von Fabian Beitrag anzeigen
    Kurz gesagt: Es gibt solche und solche. Ich weiß, dass es manche Leute ähnlich wie ich handhaben. Ich weiß aber auch, dass das für manch einen wohl nicht in Frage kommen würde. Man kann aber mit (fast) allen Leuten durchaus offen über sowas reden und diskutieren.
    Und was wären dann die Argumente derjenigen, für die das nicht in Frage käme? Die Solidarität mit der Partei? Keiner anderen Partei eine weitere Stimme geben zu wollen? Oder was anderes?
    (Tut mir übrigens Leid, wenn ich zu viel nachhake. Ich hatte noch nie Gelegenheit, ein Parteimitglied auszuquetschen zu befragen.)

  2. #422
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    Zitat Zitat von NinMon Beitrag anzeigen
    Danke für den Einblick ins Steuerrechtliche, zu dem ich tatsächlich nicht viel Wissen, nun aber zumindest ein paar Informationen habe. Deine Ausführungen zur Entlastung der Arbeitnehmer erscheinen mir plausibel.
    Danke, das liest man gern.

    Zitat Zitat von NinMon Beitrag anzeigen
    Was die Erbschaftssteuer betrifft: Vom Grundgedanken her (also Erbschaften zu versteuern) stößt mir das irgendwie immer etwas bitter auf (Besteuerung von Vermögen, das im Normal- oder Bestfall schon einmal versteuert wurde und das man freiwillig an jemand anderen abtritt), aber eine Notwendigkeit kann ich der Sache auch nicht völlig wegargumentieren, gerade wenn du von der auseinander klaffenden Schere sprichst.
    Das Totschlagargument ist natürlich immer, dass man Vermögen somit doppelt besteuern würde. Das lässt sich - und das gebe ich gerne zu - auch schlecht wegargumentieren. Andererseits kann man auch dagegen halten, dass eine Erbschaft ja eine Art (leistungsloses, einmaliges) Einkommen darstellt. Es wurde zwar von der Person besteuert, die es hinterlässt, aber nicht von der Person, die es erhält.

    Grundsätzlich ist das ein schwieriges Thema und deshalb in der Politik auch eher unbeliebt. Staatliches Eingreifen ist jedoch wichtig, vor allem in der sozialen Marktwirtschaft. Hier gehört es zur Aufgabe des Staates aktiv zu gestalten und gewissen Schieflagen entgegenzuwirken. So muss sichergestellt werden, dass sich beispielsweise die wirtschaftliche Macht gut verteilt ist. Ebenso wie soziale Gerechtigkeit sichergestellt werden muss. Dazu gehört mitunter auch eine durchlässige soziale Struktur, bei der sozialer Aufstieg möglich ist. Die Bildung einer in sich geschlossenen Oberschicht, die Macht und Einfluss vor allem durch Weitergabe von Vermögen zementiert, ist da sicherlich nicht vorteilhaft.

    Aber ich stoppe hier mal, soll auch kein sozialistisches Manifest werden. Was ich sagen will: Erbschaften großer Vermögen - und die Betonung liegt auf groß -, sind dauerhaft ein Problem. Sie festigen soziale Ungleichheit, machen viel vom Glück der Geburt abhängig. Sie geben einigen wenigen Menschen einen uneinholbaren Vorsprung, wodurch viele andere extrem abgehängt werden. Und hier entsteht die Schieflage, die ein Eingreifen und Umverteilung wichtig machen - legitimiert durch die Definition unseres Wirtschaftssystems. Und es geht hier - und das betone ich gerne nochmal - nicht darum, dass man jeden geerbten Kaugummi versteuert. Auch soll eine Erbschaftssteuer nicht die Existenz gefährden oder automatisch zum sozialen Abstieg der Betroffenen führen. Mit viel Augenmaß könnte sie aber trotzdem zu einer gerechteren Gesellschaft führen. Und von einer gesunden Sozialstruktur profitieren am Ende alle.


    Zitat Zitat von NinMon Beitrag anzeigen
    Inwiefern siehst du da ein "gegeneinander Ausspielen"?
    Es wird gerne mal so getan als gäbe es nur schwarz oder weiß: Nur die kurzfristige Politik für Alte oder die langfristige Politik für Junge. Dann wird gerne betont, dass es unbedingt einen "Generationswechsel" braucht oder "der demographische Wandel dazu führt, dass die Politik lieber auf ü60 Interessen schaut, statt auf den jungen Nachwuchs". Die alten müssten ja mal los lassen und das Steuer endlich der Jugend übergeben usw. Ich finde solche Aussagen führen auf beiden Seiten zum Verdruss. Einerseits fühlt man sich als junger Mensch dadurch sehr gebremst, abhängig vom Gutdünken der Alten. Andererseits fühlen sich alte Menschen verständlicherweise auch angegriffen, weil nicht mehr gebraucht/gewollt.

    Dabei geht es der einen Gruppe dauerhaft nur gut, wenn es der anderen Gruppe auch gut geht.


    Zitat Zitat von NinMon Beitrag anzeigen
    Danke für deine Einschätzung. "Verjüngung" war auch irgendwie das falsche Wort von meiner Seite, ich hätte es auf "Austausch" beschränken sollen. Ich stimme dir zu, dass das Alter nicht entscheidend ist. Solange die nötige Kompetenz vorhanden ist.
    Du hast mit Verjüngung den Begriff gewählt, der auch von der SPD genau so kommuniziert wurde. Oder genauer gesagt: "Jünger und weiblicher". Wo wir wieder beim Thema meines vorigen Absatzes wären.


    Zitat Zitat von NinMon Beitrag anzeigen
    Und was wären dann die Argumente derjenigen, für die das nicht in Frage käme? Die Solidarität mit der Partei? Keiner anderen Partei eine weitere Stimme geben zu wollen? Oder was anderes?
    Manch einer brennt einfach für die Partei. Da ist man durchaus auch der Überzeugung, dass die SPD trotz aller Widrigkeiten am Ende immer noch die besten Alternative ist. Zudem hat man auf die Partei, in der man Mitglied ist, noch mehr Einfluss als anderswo.
    Dazu kommt natürlich: Als überzeugter Sozialdemokrat, wo sind die Alternativen? Die Linke ist innerparteilich auch nicht gerade geeint, mal ganz von der fehlenden Machtoption abgesehen. Und der Stachel mit Oskar Lafontaine sitzt noch tief.
    Und die Grünen haben mittlerweile auch viel von ihrer "linken Seele" abgegeben, so sehr wie man sich teilweise auch der Union angebiedert hat. Aber die Kernthemen sind hier sowieso andere als bei der SPD, darum auch nicht gerade eine super Option.
    Warum FDP, Union und AfD nicht in Frage kommen, das brauche ich wohl kaum erläutern.

    Gibt schon auch valide Gründe, warum man als Anhänger der SPD sein Kreuz nicht wo anders macht.
    Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie ~Immanuel Kant

  3. #423
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    Zitat Zitat von Fabian Beitrag anzeigen
    Das Totschlagargument ist natürlich immer, dass man Vermögen somit doppelt besteuern würde. Das lässt sich - und das gebe ich gerne zu - auch schlecht wegargumentieren. Andererseits kann man auch dagegen halten, dass eine Erbschaft ja eine Art (leistungsloses, einmaliges) Einkommen darstellt. Es wurde zwar von der Person besteuert, die es hinterlässt, aber nicht von der Person, die es erhält.
    Da geht es dann letztendlich also um die Frage: Besteuert man Einkommen oder besteuert man Vermögen?.. oder nicht? Wenn man Einkommen besteuert, wäre eine doppelte Besteuerung hier legitim, wenn man Vermögen besteuert, dann nicht.

    Zitat Zitat von Fabian Beitrag anzeigen
    Grundsätzlich ist das ein schwieriges Thema und deshalb in der Politik auch eher unbeliebt. Staatliches Eingreifen ist jedoch wichtig, vor allem in der sozialen Marktwirtschaft. Hier gehört es zur Aufgabe des Staates aktiv zu gestalten und gewissen Schieflagen entgegenzuwirken. So muss sichergestellt werden, dass sich beispielsweise die wirtschaftliche Macht gut verteilt ist. Ebenso wie soziale Gerechtigkeit sichergestellt werden muss. Dazu gehört mitunter auch eine durchlässige soziale Struktur, bei der sozialer Aufstieg möglich ist. Die Bildung einer in sich geschlossenen Oberschicht, die Macht und Einfluss vor allem durch Weitergabe von Vermögen zementiert, ist da sicherlich nicht vorteilhaft.
    Inwieweit sind denn Aufstiegsmöglichkeiten vom Vererbungsverhalten der Reichen direkt tangiert? Werden z. B. andere dabei behindert, in die Riege der Reichen aufsteigen, wenn Reiche ihren Reichtum steuerfrei vererben dürfen, oder wie ist das zu verstehen? (Die Messlatte dafür, was „reich“ bedeutet, verändert sich wohl, wenn der Reichtum durch steuerfreies Vererben immer größer wird, aber „reich“ definiert sich doch nicht nur danach, wie viel man im Vergleich zu anderen hat, sondern auch danach, welchen Lebensstandard er einem ermöglicht. Korrigier mich gerne, wenn ich falsch liege. Vermutlich hängt das alles wirtschaftlich miteinander zusammen.)

    Zitat Zitat von Fabian Beitrag anzeigen
    Aber ich stoppe hier mal, soll auch kein sozialistisches Manifest werden. Was ich sagen will: Erbschaften großer Vermögen - und die Betonung liegt auf groß -, sind dauerhaft ein Problem. Sie festigen soziale Ungleichheit, machen viel vom Glück der Geburt abhängig. Sie geben einigen wenigen Menschen einen uneinholbaren Vorsprung, wodurch viele andere extrem abgehängt werden. Und hier entsteht die Schieflage, die ein Eingreifen und Umverteilung wichtig machen - legitimiert durch die Definition unseres Wirtschaftssystems.
    Ich nehme mal an, dass die Bezeichnung als „Glück der Geburt“ dir von anderen Parteien harsche Kritik einbringen würde. Mit dem Argument, dass es sich nicht um Glück, sondern um das zu würdigende Erarbeiten der Vorfahren im Rahmen der gesetzlichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten handelt. Eins vorweg: Ja, ich sage das nur, um eine andere Position einzubringen, ohne mich aber an selbige zu binden.
    Gehe ich richtig in der Annahme, dass du hierzu wiederum das „sozial“ in der „sozialen Marktwirtschaft“ anführen würdest, und die für alle profitable ausgeglichene/gesunde Sozialstruktur?

    Zitat Zitat von Fabian Beitrag anzeigen
    Es wird gerne mal so getan als gäbe es nur schwarz oder weiß: Nur die kurzfristige Politik für Alte oder die langfristige Politik für Junge. Dann wird gerne betont, dass es unbedingt einen "Generationswechsel" braucht oder "der demographische Wandel dazu führt, dass die Politik lieber auf ü60 Interessen schaut, statt auf den jungen Nachwuchs". Die alten müssten ja mal los lassen und das Steuer endlich der Jugend übergeben usw. Ich finde solche Aussagen führen auf beiden Seiten zum Verdruss. Einerseits fühlt man sich als junger Mensch dadurch sehr gebremst, abhängig vom Gutdünken der Alten. Andererseits fühlen sich alte Menschen verständlicherweise auch angegriffen, weil nicht mehr gebraucht/gewollt.

    Dabei geht es der einen Gruppe dauerhaft nur gut, wenn es der anderen Gruppe auch gut geht.
    Was du auf einer politischen Ebene beschreibst, fällt mir oft auch auf der gesellschaftlichen Ebene auf. Da werden alte und junge Menschen auch eher selten in Gemeinsamkeit und häufiger in einer Art Antagonismus wahrgenommen bzw. dargestellt, das ist zumindest mein Gefühl. Aber das nur am Rande.

    Zitat Zitat von Fabian Beitrag anzeigen
    Du hast mit Verjüngung den Begriff gewählt, der auch von der SPD genau so kommuniziert wurde. Oder genauer gesagt: "Jünger und weiblicher". Wo wir wieder beim Thema meines vorigen Absatzes wären.
    Stimmt. Das hat sich mir wohl eingebrannt.
    Ich ziehe Kompetenz übrigens auch dem Geschlecht als letztes Auswahlkriterium vor (Kompetenz würde dann freilich geschlechtergerechtes A- und Regieren beinhalten). Es macht für mich generell schon Sinn, möglichst Vertreter beiden Geschlechts einzubringen, um Belange beider „Seiten“ besser berücksichtigen zu können, v. a. angesichts noch immer herrschender Ungleichheiten. Aber wenn ich die Wahl habe zwischen einem kompetenten (im obigen Sinne) Politiker und einer mMn inkompetenten Politikerin .., das meine ich.

    Zitat Zitat von Fabian Beitrag anzeigen
    Manch einer brennt einfach für die Partei. Da ist man durchaus auch der Überzeugung, dass die SPD trotz aller Widrigkeiten am Ende immer noch die besten Alternative ist. Zudem hat man auf die Partei, in der man Mitglied ist, noch mehr Einfluss als anderswo.
    Dazu kommt natürlich: Als überzeugter Sozialdemokrat, wo sind die Alternativen? Die Linke ist innerparteilich auch nicht gerade geeint, mal ganz von der fehlenden Machtoption abgesehen. Und der Stachel mit Oskar Lafontaine sitzt noch tief.
    Und die Grünen haben mittlerweile auch viel von ihrer "linken Seele" abgegeben, so sehr wie man sich teilweise auch der Union angebiedert hat. Aber die Kernthemen sind hier sowieso andere als bei der SPD, darum auch nicht gerade eine super Option.
    Warum FDP, Union und AfD nicht in Frage kommen, das brauche ich wohl kaum erläutern.

    Gibt schon auch valide Gründe, warum man als Anhänger der SPD sein Kreuz nicht wo anders macht.
    Wenn es empfundene echte Alternativen gäbe, müsste man vielleicht auch seine Parteizugehörigkeit noch mal genauer überdenken. Na ja nein, eigentlich ist das Quark. Man kann ja auch mehrere Parteien gut finden – überschneidet sich ja sicher auch das eine oder andere im Programm –, aber eine eben noch etwas besser als die anderen, und da dann Mitglied sein. Muss ich dir ja eigentlich auch gar nicht erzählen.

  4. #424
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    Zitat Zitat von NinMon Beitrag anzeigen
    Da geht es dann letztendlich also um die Frage: Besteuert man Einkommen oder besteuert man Vermögen?.. oder nicht? Wenn man Einkommen besteuert, wäre eine doppelte Besteuerung hier legitim, wenn man Vermögen besteuert, dann nicht.
    Ist eine Frage der Sichtweise, ich wollte nur der Aussage "Man besteuert bereits besteuertes Geld noch einmal" etwas entgegensetzen. Es stellt sich eben auch die Frage, wie man die Besitzverhältnisse sieht. Den Besitz meiner Eltern sehe ich z.B. nicht automatisch auch als meinen Besitz. Sollten sie mir das irgendwann überlassen - schön. Aber dann ist es von mir eben noch nicht versteuert worden. Demnach würde ich es auch nicht als Doppelbesteuerung sehen, wenn ich davon was abdrücken müsste (wenn meine Eltern nicht noch im Lotto gewinnen, dann verschonen mich die hohen Freibeträge aber sowieso).



    Zitat Zitat von NinMon Beitrag anzeigen
    Inwieweit sind denn Aufstiegsmöglichkeiten vom Vererbungsverhalten der Reichen direkt tangiert? Werden z. B. andere dabei behindert, in die Riege der Reichen aufsteigen, wenn Reiche ihren Reichtum steuerfrei vererben dürfen, oder wie ist das zu verstehen?
    Die direkten Auswirkungen sind begrenzt, das gebe ich offen zu. Es ist eine Sache, die sich indirekt auswirkt. Wer aus einer wohlhabenderen Familie stammt, der hat in der Regel eh schon große Vorteile bei der Bildung. Hier kann man ja noch sagen: Mit viel Fleiß kann da fast jeder mithalten. Stimmt (teilweise)! Aber im weiteren Verlauf driftet es eben auseinander. Während der eine vielleicht noch seinen Studienkredit abstottert, kann der andere sein verdientes Geld schon gut investieren (Aktienmarkt, Immobilien, etc) und mit dem Vermögensaufbau beginnen. Ist das schon schwer einzuholen, gibt ein Erbe dann nochmal einen zusätzlichen Schub.

    Das Problem dabei ist, dass der Trend dazu geht, dass Vermögen immer mehr durch Vermögen statt durch Arbeit aufgebaut wird. Wir besteuern aber vor allem Arbeit. Sprich: Wer vor allem durch Arbeit zu Kapital kommen muss, der muss so gesehen mehr leisten, da er höher belastet wird. Natürlich sorgt das für eine Ungleichheit. Zudem sorgt es für Verdruss und erwiesenermaßen zu einer Abnahme der Leistungsbereitschaft: Wer sieht, dass er gegen Windmühlen kämpft, der ist weniger leistungsbereit. Nachzulesen ist das in diesem Artikel (Seite 3). Hier wird auch noch erwähnt: "Ungleiche Vermögen führen zu ungleichen Einkommen und die wieder zu ungleichen Vermögen." Da Menschen ohne großes Vermögen vor allem auf Einkommen angewiesen sind, werden sie durch ungleiche Vermögensverteilung durchaus daran gehindert, dass sie den Aufstieg schaffen. Erbschaften erschweren also zumindest indirekt den Aufstieg für Menschen ohne großes Erbe (nicht nur finanziell, auch sozial).

    Mal ganz davon abgesehen, dass Reichtum auch gewisse Privilegien bringt. Für seine Interessen zu werben und politisch entsprechend Einfluss zu nehmen, das geht mit Geld wesentlich einfacher. Als beispielsweise vom Bundesverfassungsgericht angestoßen wurde, dass die Erbschaftssteuer geändert gehört, haben Verbände, die durch potentiell Betroffene finanziert werden, stark die Werbetrommel gerührt. Nachzulesen ist das beispielsweise hier.


    Zitat Zitat von NinMon Beitrag anzeigen
    Ich nehme mal an, dass die Bezeichnung als „Glück der Geburt“ dir von anderen Parteien harsche Kritik einbringen würde. Mit dem Argument, dass es sich nicht um Glück, sondern um das zu würdigende Erarbeiten der Vorfahren im Rahmen der gesetzlichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten handelt.
    Das Risiko der Kritik gehe ich gerne ein. Niemand von uns kann beeinflussen, in welche Familie er geboren wird. Natürlich ist das Glück.

    Außerdem impliziert diese Aussage keine Schmälerung der Leistung der Vorfahren. Das ist durchaus zu würdigen. Aber als Kind hat man selbst in der Regel keinen zu würdigenden Einfluss auf die Leistung seiner Eltern. Ebenso wie ich ja auch nicht dafür verantwortlich bin, dass meine Großeltern Landwirte irgendwo im tiefsten Bayern waren und meine Eltern keine Akademiker sind.

    Unabhängig davon was die eigenen Vorfahren geleistet haben, sollte jeder möglichst die gleichen Chancen haben. Natürlich ist das eine Utopie, aber das sollte trotzdem unser Maßstab sein. Und wenn eine ordentliche Erbschaftssteuer dabei hilft, dann ist das ein legitimes Instrument. Und wie schon im vorigen Beitrag erwähnt: Mit genügend Augenmaß geht das auch so, dass ein Erbe dadurch nicht alles verliert, was die Eltern (oder andere Vorfahren) aufgebaut/erwirtschaftet haben und trotzdem seinen Beitrag zu mehr Gerechtigkeit leistet.


    Zitat Zitat von NinMon Beitrag anzeigen
    Gehe ich richtig in der Annahme, dass du hierzu wiederum das „sozial“ in der „sozialen Marktwirtschaft“ anführen würdest, und die für alle profitable ausgeglichene/gesunde Sozialstruktur?
    Das beantworte ich mit einem einfachen "ja".

    Zitat Zitat von NinMon Beitrag anzeigen
    Ich ziehe Kompetenz übrigens auch dem Geschlecht als letztes Auswahlkriterium vor (Kompetenz würde dann freilich geschlechtergerechtes A- und Regieren beinhalten). Es macht für mich generell schon Sinn, möglichst Vertreter beiden Geschlechts einzubringen, um Belange beider „Seiten“ besser berücksichtigen zu können, v. a. angesichts noch immer herrschender Ungleichheiten. Aber wenn ich die Wahl habe zwischen einem kompetenten (im obigen Sinne) Politiker und einer mMn inkompetenten Politikerin .., das meine ich.
    Da sind wir glaube ich völlig einer Meinung. Darum sehe ich solche Aussagen wie "jünger und weiblicher" etc. durchaus kritisch. Auch bin ich kein Freund von starren Quotierungen, die teilweise auch in der SPD vorherrschen. Aber Kritik daran hat auch schon geführt, dass ein Bekannter von mir zum "Machoarsch" gemacht wurde. Da muss man gerade als Männlein unheimlich aufpassen.



    Zitat Zitat von NinMon Beitrag anzeigen
    Wenn es empfundene echte Alternativen gäbe, müsste man vielleicht auch seine Parteizugehörigkeit noch mal genauer überdenken. Na ja nein, eigentlich ist das Quark. Man kann ja auch mehrere Parteien gut finden – überschneidet sich ja sicher auch das eine oder andere im Programm –, aber eine eben noch etwas besser als die anderen, und da dann Mitglied sein. Muss ich dir ja eigentlich auch gar nicht erzählen.
    Eine kurze Anekdote: In einen benachbarten Ortsverein sind ein paar Personen im letzten Jahr nur wegen Martin Schulz in die SPD eingetreten. Als bekanntgegeben wurde, dass er als Parteivorsitzender zurücktritt, haben sie ihr Parteibuch zurückgegeben.

    Was ich damit sagen will: Es gibt die verschiedensten Gründe in eine Partei einzutreten. Das können einzelne Personen sein (von Willy Brandt schwärmen heute noch einige ältere Parteimitglieder). Das kann aber auch die Arbeit der Partei vor Ort sein. Man darf nicht vergessen, dass man den größten Einfluss immer noch in der Kommunalpolitik ausüben kann. Nur geht das halt schlecht, wenn man im Ort z.B. der einzige Grüne wäre. Das kann dann auch ein Grund sein, warum man in die SPD geht - auf "höherer" Ebene aber dann doch eine andere Partei wählt und besser findet.

    Noch eine letzten Anmerkung: Am Dienstag gabs Post von der SPD, da haben alle Mitglieder ihre Wahlunterlagen bekommen. Am Mittwoch haben wir Jusos hier im Landkreis noch einen Diskussionsabend dazu veranstalten, der überraschend gut besucht war und nochmal tolle Einblicke gegeben hat. Wie auch immer: Meinem Eindruck nach zu urteilen wird das wirklich ein knappes Ding. Auch wirklich langjährige Parteimitglieder sind nicht alle einer Meinung. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt.
    Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie ~Immanuel Kant

  5. #425
    Avatar von KaiserGaius
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    Noch eine letzten Anmerkung: Am Dienstag gabs Post von der SPD, da haben alle Mitglieder ihre Wahlunterlagen bekommen.
    Mit Werbung für die Groko oder? Keine Gegendarstellung?

    Meinem Eindruck nach zu urteilen wird das wirklich ein knappes Ding. Auch wirklich langjährige Parteimitglieder sind nicht alle einer Meinung. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt.
    Ich mag nicht so recht dran glauben, dass es knapp wird. Am Ende werden dann doch mindestens 75% für eine Groko stimmen und es wird sich in der Partei nichts verändern.

    Nintendo ID: Kaiser-Gaius

  6. #426
    Avatar von Fabian
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    Zitat Zitat von KaiserGaius Beitrag anzeigen
    Mit Werbung für die Groko oder? Keine Gegendarstellung?
    Ja, das hat von uns auch vielen nicht gefallen.

    Zitat Zitat von KaiserGaius Beitrag anzeigen
    Ich mag nicht so recht dran glauben, dass es knapp wird. Am Ende werden dann doch mindestens 75% für eine Groko stimmen und es wird sich in der Partei nichts verändern.
    2013 haben 75,96 Prozent für eine Groko gestimmt. Damals gab es aber lang keine so große Gegenkampagne wie es aktuell der Fall ist. Die starken Widerstände hat man ja schon auf dem Sonderparteitag gespürt. Dementsprechend glaube ich nicht, dass es wieder so eindeutig wird.
    Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie ~Immanuel Kant

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