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Pokémon Goldene Edition (VC)

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Inside Nintendo 127: Die verschollene Beta-Version von Pokémon Gold und Silber

Die Geschichte der ersten „Pokémon“-Generation reicht, wie wir in „Inside Nintendo 85“ gesehen haben, bis 1990 zurück. Als sich die Spiele unerwartet zu einem riesigen Erfolg mauserten, war Nintendo und dem zuständigen Entwicklerstudio Game Freak schnell klar: Es müssen Fortsetzungen her – doch diesmal darf die Entwicklung nicht sechs Jahre lang dauern. Und tatsächlich war auf der Nintendo Space World Ende 1997 schon eine fast fertige Fassung von „Pokémon Gold“ und „Pokémon Silber“ zu bestaunen. Doch die Spiele wurden um fast zwei Jahre verschoben und während dieser Zeit stark verändert. Was hat es mit der verschollenen Beta-Version der zweiten „Pokémon“-Generation auf sich?

Das Beste kommt zum Schluss

Kurz nachdem im Februar 1996 „Pokémon Rot“ und „Pokémon Grün“ in Japan erschienen waren, begann Game Freak mit der Entwicklung von Nachfolgespielen. Das Studio plante wieder die parallele Veröffentlichung von zwei Editionen, doch sollten diese nun deutlicher voneinander unterschieden sein. Der Plan war ambitioniert: Nichts Geringeres als die ultimativen „Pokémon“-Spiele wollte Game Freak erschaffen – dementsprechend erhielten sie die Namen „Gold“ und „Silber“.

Das hatte auch einen guten Grund, denn bei den neuen Spielen sollte es sich um das Ende der „Pokémon“-Reihe handeln. „Für mich waren ‚Gold‘ und ‚Silber‘ die Ziellinie“, sagte Produzent Tsunekazu Ishihara. „Ich hatte nicht vor, noch weitere ‚Pokémon‘-Titel zu entwickeln. Ich habe sogar gedacht, dass es nach Anbruch des 21. Jahrhunderts Zeit für mich wäre, etwas ganz Anderes auszuprobieren.“

Bessere Grafik, Farbdarstellung und Neuerungen en masse

Um die ultimativen „Pokémon“-Spiele zu kreieren, stand dem Entwicklerteam diesmal ein ganzer Megabyte an Speicherplatz zur Verfügung. Das war doppelt so viel wie noch in der ersten „Pokémon“-Generation und eröffnete den Machern zahllose Möglichkeiten. Game Freak wollte aber nicht einfach die Anzahl der Pokémon verdoppeln oder eine doppelt so große Spielwelt implementieren – obgleich genau Letzteres dank des Einsatzes eines gewissen Nintendo-Präsidenten schließlich ebenfalls realisiert werden konnte –, sondern auch eine komplexere Grafik ermöglichen. So etwa werden die Kampf-Grafiken der 251 Taschenmonster in höherer Auflösung dargestellt als in den Spielen der ersten Generation, wo die Sprites aus Speicherplatzgründen hochskaliert werden mussten.

Auch abseits dessen wollten die Entwickler Ideen umsetzen, die in den Vorgängern nicht machbar gewesen waren. Dazu zählte die Farbdarstellung. Ursprünglich wurde zwar auch „Pokémon 2“ für den alten Monochrom-Game-Boy entwickelt und fand erst später auf dem Game Boy Color sein finales Zuhause. Doch von Anfang an war eine Unterstützung des Super Game Boy geplant, einer SNES-Peripherie, die Game-Boy-Spiele in Farbe auf den großen Fernsehbildschirm zaubert.

Abgesehen davon blieb Game Freak dem Konzept der Vorgänger weitestgehend treu, erweiterte es aber durch viele Neuerungen, die heute untrennbar mit der „Pokémon“-Formel zusammenhängen: Das Züchten von Pokémon, das Tragen von Items im Kampf, ein virtuelles Informationsgerät namens PokéCom, eine Echtzeituhr sowie Abwärtskompatibilität zur vorherigen Generation. Die Handlung des Spiels und die Spielwelt sind natürlich neu erdacht worden, aber sämtliche Pokémon aus „Blau“ und „Rot“ tauchen auch in diesen Spielen auf.

Im Juni 1997 veröffentlichte Nintendo vier sehr frühe Screenshots zu „Gold“ und „Silber“. Damals wurden die Spiele noch für den Ur-Game-Boy entwickelt; das Farb-Modell gab es ja noch nicht. Dass die Screenshots farbig sind, erklärt sich dadurch, dass sie über den Super Game Boy aufgenommen wurden, für den die Spiele damals optimiert wurden. Die Grafik sieht so noch eher nach der ersten als nach der zweiten „Pokémon“-Generation aus.

100 verworfene Pokémon und ein verfrühter Teaser

Erstmal angekündigt wurden „Pokémon 2: Gold & Silver“ gegen Mitte 1997 in der japanischen Videospielpresse. Satoshi Tajiri, der wie schon bei den Erstlingen als Director fungierte, gewährte damals in einem Interview Einblicke in die Arbeiten. Demnach habe Game Freak bis dahin insgesamt über 350 Pokémon entworfen und überlege, welche davon in das finale Spiel aufgenommen werden sollten. In „Gold“ und „Silber“ umfasst der Pokédex 251 Taschenmonster, davon 100 komplett neue – es sind also um die 100 Entwürfe ad acta gelegt worden. Möglicherweise fanden jedoch einige davon in späteren „Pokémon“-Teilen Unterschlupf.

Ishihara, der damals für die zahlreichen Lizenzprodukte rund um die Taschenmonster zuständig war, wollte durch Sammelkarten, Anime und Co. den Erfolg der zweiten „Pokémon“-Generation sicherstellen. Daher ist schon in der ersten Folge des Animes, in Japan erstausgestrahlt im April 1997, das legendäre Pokémon aus „Gold“ und „Silber“ zu sehen, Ho-Oh – dabei erschienen die Spiele im Land der aufgehenden Sonne erst zweieinhalb Jahre danach. Tatsächlich war Ishihara erst gegen den Anime gewesen, da er fürchtete, dass dieser noch vor dem Erscheinen von „Pokémon 2“ abgesetzt würde. Doch obwohl die Spiele zwei Jahre länger als geplant auf sich warten ließen, war der Anime noch im Programm. Dass aber der bleibende Erfolg von „Pokémon“ für Game Freak nicht nur Segen sondern auch Fluch war, werden wir nachher noch sehen.

Die Demo von 1997: Pokémon 1,5?

Laut einer japanischen Nintendo-Website von Mitte 1997 sollten die neuen „Pokémon“-Spiele noch Ende des Jahres auf den Markt kommen. Und tatsächlich wurden sie auf der Nintendo Space World vom 21. bis 23. November 1997 erstmals präsentiert, die Spiele waren sogar für die Öffentlichkeit anspielbar. Allerdings war der Veröffentlichungszeitraum da schon auf März 1998 verschoben worden. Es hieß, „Pokémon 2“ sei damals zu etwa 80 Prozent fertiggestellt gewesen.

Hier beginnt es nun wirklich interessant zu werden, denn entgegen der Angaben von der Nintendo Space World 1997 kamen die Spiele erst Ende 1999 auf den Markt und veränderten sich in der Zwischenzeit noch stark. Weltkarte, Pokémon, Spielablauf – kaum ein Stein ist seit der Demo von 1997 auf dem anderen geblieben. Die Situation erinnert ein wenig an das sogenannte „Resident Evil 1,5“, eine frühe Version von „Resident Evil 2“, die beinahe komplett verworfen wurde.

Einige Szenen aus der Demo sind in einem schwedischen Fernsehbericht über die Nintendo Space World 1997 zu sehen (im Video von 1:00 bis 1:48). Am Ende sieht man im Kampf kurz frühe Versionen von Pflanzen-Starter Endivie und von Girafarig, das damals noch zwei Köpfe hatte. In dieser Fassung ähnelten die Spiele noch stark der ersten Generation.

Augenzeugenberichte und mieses Bildmaterial

Das macht die Demo zu „Pokémon Gold“ und „Silber“ von der Space World 1997 für Fans, die mehr über die Genese ihres Lieblingsspiels erfahren möchten, überaus spannend. Das Problem: Von dieser Demo ist uns kaum Material erhalten, denn auf dem Event war das Fotografieren verboten und da das Taschenmonster-Phänomen damals noch auf den japanischen Raum beschränkt war, nahmen westliche Spielezeitschriften von „Pokémon 2“ damals noch keine Notiz. Ein paar Sekunden Videomaterial sowie ein verschwommenes Foto des Kampfbildschirms – mehr existiert nicht. Unser Wissen über die Demo beschränkt sich abgesehen davon auf das, was japanische Fans, die 1997 auf der Space World zu den glücklichen Spielern zählten, aus dem Gedächtnis niederschrieben. In den letzten Jahren haben es einige Fans aus dem englischen Sprachraum unternommen, diese japanischen Erinnerungsberichte zu sammeln, zu übersetzen und auszuwerten.

Demnach startete die Demo-Version von „Pokémon Gold“ und „Silber“ in einem Dorf namens „Silent Hills“ – das fast gleichnamige Horrorspiel aus dem Hause Konami gab es damals noch nicht. Auf ihrem zeitlich und spielerisch streng begrenzten Weg begegneten die damaligen Spieler vielen Pokémon, die im finalen Spiel entweder gar nicht auftauchen oder bis dahin noch verändert wurden. Auch die Starterpokémon sind in der Demo von 1997 nicht dieselben wie in der Endversion. Leider stehen uns auch hierzu bloß die Erinnerungen damaliger Spieler und darauf basierende Zeichnungen von Fans zur Verfügung. Außerdem gab es in der Demo offenbar Items, die die Pokémon vor Statusveränderungen und sogar vor dem Ohnmächtigwerden schützen konnten.

Chaos bei Game Freak: Der Pokémon-Hype fordert seinen Tribut

Nichts deutete damals darauf hin, dass der angepeilte Releasetermin nicht eingehalten werden könnte. Doch im März 1998, als die Spiele eigentlich erscheinen sollten, gab Game Freak eine Verschiebung auf einen unbestimmten Zeitraum bekannt. In der Mitteilung entschuldigte sich Game Freak für die Maßnahme und versicherte, alles Machbare zu tun, doch die vielen neuen Features und Pokémon würden mehr Zeit als erwartet beanspruchen. Damals flog übrigens die „2“ aus dem Spielnamen, sodass die neuen Editionen fortan als „Pokémon Gold & Silver“ bekannt waren.

Aber was genau war der Auslöser für die saftige Verschiebung von knapp zwei Jahren, obwohl die Titel auf der Space World 1997 doch angeblich schon fast fertig waren? Tatsächlich lief damals bei Game Freak alles drunter und drüber, denn das kleine Studio war vom „Pokémon“-Hype hoffnungslos überfordert. Das Team arbeitete an einer generalüberholten blauen Zusatzedition, einer gelben Edition rund um Pikachu, am „Pokémon Pikachu“ – einer Art Mischung aus Schrittzähler und Tamagotchi – sowie am N64-Spin-off „Pokémon Stadium“. Zu allem Überfluss bestand Nintendo darauf, dass „Pokémon Blau“ und „Grün“ auch in den westlichen Märkten erschienen sollten, was erhebliche Programmierarbeiten nötig machte. Bei all dem sollten parallel noch die mit neuen Inhalten regelrecht vollgestopften neuen Spiele entstehen.

In einer polnischen Fernsehausstrahlung über die Nintendo Space World 1997 haben sich einige Sekunden Videomaterial aus dem damaligen „Pokémon 2“ erhalten – jedoch in äußerst schlechter Bildqualität. Kurz sieht man den frühen Titelbildschirm von „Pokémon Gold“ – irritierend ist das Copyright 1996 – und knappe Szenen aus Oberwelt und Kampfbildschirm (1:57 bis 2:05).

Satoru Iwata als Retter in Not

Das Nadelöhr bei all diesen Projekten war die Programmierabteilung von Game Freak, die bloß vier Mitarbeiter umfasste. So sah sich das Studio nicht in der Lage, all diese Spiele gleichzeitig zu entwickeln. Um das kleine Studio zu entlasten, übernahm niemand Geringeres als der spätere Nintendo-Präsident Satoru Iwata viele wichtige Aufgaben. Er fungierte als eine Art Verbindungsstelle zwischen Game Freak und Nintendo, ermöglichte durch seine Expertise die Lokalisierung der ersten Generation und programmierte die Grundlagen für das N64-Spin-off „Pokémon Stadium“. Eine angemessene Würdigung seines Beitrags zum „Pokémon“-Imperium kann an dieser Stelle nicht erfolgen, stattdessen verweisen wir auf ein schön erzähltes Video des YouTube-Kanals „Video Game Story Time“.

Nachdem Iwata die „Pokémon“-Entwickler schon aus der Bredouille gezogen hatte, stellte Game Freak weitere Bitten an das Programmiertalent. „Es wäre Verschwendung gewesen, Sie einfach nur Präsident sein zu lassen”, sagte Ishihara einmal an den 2015 verstorbenen Manager gerichtet. Daher programmierte Iwata für „Pokémon Gold“ und „Silber“ ein Tool zur Datenkomprimierung, durch das es möglich wurde, auch die aus den Vorgängern bekannte Kanto-Region in „Gold“ und „Silber“ unterzubringen.

Das verlorene Skateboard

Freilich können wir auch dies eingedenk nicht nachvollziehen, warum sich seit der Beta-Version von 1997 so viel an den Spielen geändert hat. Vielleicht handelte es sich tatsächlich bloß um sehr frühe Fassungen und es war etwas geflunkert, dass die Spiele zu etwa 80 Prozent fertiggestellt seien. Das aber bleibt natürlich pure Spekulation. – Weniger spekulativ sind die vielen Features und Elemente, die im Laufe der Entwicklung verändert wurden. Denn dank zeitgenössischer Presseberichte und eingehender Analysen des Programmcodes konnte hier einiges ausfindig gemacht werden.

Da wäre zunächst einmal das Skateboard. Es sollte als Alternative zum Fahrrad als schnelle Fortbewegungsmethode zur Verfügung stehen und es ermöglichen, Abhänge hinaufzuspringen und so an neue Orte zu gelangen. Bereits in den frühesten Vorschauberichten von 1997 findet das Skateboard Erwähnung, doch in den fertigen Spielen ist es nicht mehr vorhanden. Im Spielcode existieren zwar Fragmente eines verworfenen Fortbewegungsmodus, doch ob diese Daten zum geplanten Skateboard gehören, ist umstritten. Ein deutlicheres Überbleibsel dieser Idee findet sich wohl im Manga „Pokémon Adventures“, wo der Protagonist Gold gern Skateboard fährt.


Die Starter-Pokémon sahen in der Demo von 1997 noch anders aus. Leider gibt es dazu nur einen einzigen Screenshot, und das in sehr schlechter Qualität; er stammt von einem Fan, der die Demo auf einer anderen Messe im Januar 1998 gespielt hat. Ihmzufolge kämpft hier ein Honoguma (vorne) – wohl ein früherer Entwurf für den Feuer-Starter – gegen ein Safcon. Rechts sind Wasser-Starter Kurusu und Honoguma zu sehen, wie sie ein Fan später aus dem Gedächtnis zeichnete – es handelt sich nicht um offizielles Artwork.

Bauarbeiten in Johto

Screenshots zu „Pokémon Gold“ und „Silber“ aus dem Jahre 1997 zeigen in der Spielwelt zahlreiche Unterschiede zur finalen Fassung. Viele frühe Entwürfe von Städten und Routen sowie einige gänzlich ungenutzte Maps existieren noch im Spielcode. Wer einen genaueren Blick auf das vielfältige Kartenmaterial werfen möchte, der möge sich die umfangreiche Auflistung bei tcrf.net ansehen. Ursprünglich sollten auch die Safari-Zone aus der Kanto-Region sowie das Forschungslabor auf der Zinnoberinsel in „Gold“ und „Silber“ betretbar sein, doch beide wurden aus unbekannten Gründen gestrichen. Auch hier gibt es im Spielcode aber noch Daten zu.

Ferner ließen sich mehrere Überbleibsel verworfener Items ausfindig machen, wobei deren geplante Funktionen größtenteils nicht mehr festzustellen sind. Einige abgelehnte Items sollten Statusveränderungen am eigenen Pokémon im Kampf verhindern – so wie es ja anscheinend auch in der Demoversion von 1997 der Fall war. Von Interesse ist zudem ein verworfenes drittes Minispiel für die Dukatia-Spielhalle. Das geplante Memory-Spiel liegt im Spielcode noch fast vollständig vor und kann dank eines Programmierfehlers – dazu später mehr – sogar noch aufgerufen werden.

Erneut erobert Pokémon Japan im Sturm

Nach fast zwei Jahren Wartezeit ließen sich „Pokémon Gold“ und „Silber“ am 27. August 1999 ein zweites Mal auf der Nintendo Space World blicken. Da die erste Generation mittlerweile in Amerika und Europa durchgestartet war, schaute auch die westliche Videospielewelt gebannt nach Japan. Auf der Messe hieß es, die Spiele seien zu 90 Prozent fertiggestellt – und diesmal scheint dies der Wahrheit entsprochen zu haben, denn am 21. November 1999 erschien die zweite „Pokémon“-Generation tatsächlich in Japan.

Den Ansturm zur Markteinführung wollte Nintendo mit massiven drei Millionen Exemplaren bewältigen. Wegen des schlimmen Jiji-Erdbebens in Taiwan konnte allerdings nur die Hälfte davon tatsächlich produziert und geliefert werden. Trotz oder gerade wegen dieser unerwarteten Lieferengpässe verkauften sich „Gold“ und „Silber“ in Japan rasch millionenfach. Insgesamt konnte Nintendo sechs Millionen Exemplare in seinem Heimatland absetzen.


Oben links das Logo zu „Pokémon 2“ von 1997; rechts die aktualisierte Version von 1998 ohne die „2“, dafür mit den Zusätzen „Gold“ und „Silber“. Unten seht ihr die zwei finalen Logos zu den japanischen Fassungen von 1999.

Nintendo scheffelt Gold und Silber und verkauft Kristall

Diesmal musste Game Freak nicht lange überlegen, ob die Spiele auch im Westen auf den Markt kommen sollten. Im Rahmen der Lokalisation wurde nach Kritik der afroamerikanischen Autorin Carole Boston Weatherford die Hautfarbe des Pokémon Rossana geändert.

Am 15. Oktober 2000 erschien schließlich die zweite „Pokémon“-Generation auch in Amerika, wo sie mit 1,4 Millionen Absätzen innerhalb der ersten Woche einen Verkaufsrekord knackte. Nintendo of America rechnete sogar mit über zehn Million Verkäufen innerhalb eines halben Jahres. Ab dem 6. April 2001 waren „Pokémon Gold“ und „Silber“ schließlich auch endlich in den europäischen Ländern erhältlich. Weltweit gingen die zwei Spiele über 23 Millionen Mal über die Ladentheken – sie sind mit deutlichem Abstand nach „Blau“ und „Rot“ die zweiterfolgreichste „Pokémon“-Generation.

Eine Zusatzedition namens „Pokémon Kristall“ folgte im Dezember 2000 in Japan und 2001 auch in Amerika und Europa; sie generierte zusätzlich ein paar Millionen Verkäufe. Anders als „Gold“ und „Silber“ war „Kristall“ nur noch für den Game Boy Color ausgelegt und unterstützte das Ur-Modell nicht mehr. Hier kann der Spieler erstmals zwischen einer männlichen und einer weiblichen Spielfigur wählen – dies war angeblich bereits für „Gold“ und „Silber“ geplant gewesen.

Positive und negative Auswirkungen von Geld

An den ursprünglich angedachten Abschluss der „Pokémon“-Reihe dachte bei Nintendo und Game Freak angesichts des wiederholten Erfolgs niemand mehr. Ishihara sagte: „Nachdem ‚Gold‘ und ‚Silber‘ auf den Markt gekommen waren, und sich noch besser verkauften als ‚Rot‘ und ‚Grün‘, konnte ich ja nicht aus dem fahrenden Wagen springen und sagen: ‚Gute Arbeit, alle zusammen. Viel Erfolg noch!‘“ Da das Marketing rund um die Taschenmonster inzwischen derart riesig wurde, dass Ishihara es nicht mehr allein verwalten konnte, wurde dafür ein eigenes Unternehmen ins Leben gerufen – The Pokémon Company. Deren Gründung war eine von Satoru Iwatas ersten Aufgaben bei Nintendo.

Ist die erste „Pokémon“-Generation besonders für ihre zahlreichen Programmierfehler bekannt – siehe dazu „Inside Nintendo 92“ –, so ist der Programmcode von „Gold“ und „Silber“ zwar weitaus stabiler. Fehlerfrei ist er aber auch nicht, denn ein besonders folgenreicher Makel hat sich in der englischen Version der Spiele eingeschlichen. Setzt man dort den Münzkorb ein, direkt nachdem man den Ruf eines Pokémon gehört hat, so findet der Coin Case Glitch statt. Dieser führt zu einem Reset des Spiels, woraufhin es auf einem System mit Farbdisplay zu Grafikfehlern kommt. Unter besonderen Bedingungen ist durch diesen Glitch sogar die Ausführung arbiträren Codes möglich; so lässt sich unter anderem das ansonsten nicht zugängliche Memory-Minispiel aufrufen, von dem wir vorhin berichteten.


Fünf „Pokémon“-Entwickler in einem zeitgenössischen Interview, v.l.n.r.: Co-Director, Komponist und Game Designer Junichi Masuda, Programmierer und Grafiker Tetsuya Watanabe, Grafik-Director und Pokémon-Designer Ken Sugimori, Game Designer Koji Nishino sowie Programmierer, Game Designer und Pokémon-Designer Shigeki Morimoto.

Jetzt auch in der Virtual Console

Nachdem die erste „Pokémon“-Generation 2004 für den Game Boy Advance neuaufgelegt wurde, brachte Nintendo in Japan 2009 und im Rest der Welt im März 2010 die Remakes „Pokémon HeartGold“ und „SoulSilver“ für den Nintendo DS auf den Markt. Stellte in „Feuerrot“ und „Blattgrün“ die Nutzung des Wireless Adapter eine Innovation dar, so lieferte Game Freak die Neuauflagen der zweiten Generation mit einem Schrittzähler aus. Mit fast 13 Millionen Verkäufen zählen „HeartGold“ und „SoulSilver“ zu den erfolgreichsten DS-Spielen.

Die Remakes machten die zweiten „Pokémon“-Hauptabenteuer einer jüngeren Spielergeneration bekannt. Wer die Spiele lieber in ihrer Originalfassung für den Game Boy Color erstmals erleben möchte, oder wessen Spielmodul von anno dazumal inzwischen nicht mehr speichert, dem stehen „Pokémon Gold“ und „Silber“ ab dem 22. September auch auf der Virtual Console des Nintendo 3DS zur Verfügung. – Ob wir jedoch über die verschollene Beta-Version von 1997 jemals mehr erfahren werden, das steht in den Sternen.

Hauptquellen: Japanisches Entwicklerinterview unbekannter Herkunft von 1997, übersetzt von GlitterBerri.com; Iwata fragt – Pokémon Goldene Edition HeartGold & Silberne Edition SoulSilver (2010); NeoGAF: Pokémon Gold/Silver Spaceworld 1997 Demo info, 8. Februar 2010; GlitterBerri: The Case of the Missing Skateboard, 29. April 2013; GlitterBerri: Spaceworld ’97 Demo Play Account, 14. März 2017; The Cutting Room Floor.

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Die Kolumne mit dem Durchblick

Bisher gibt es fünf Kommentare

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  • Avatar von Naska
    Naska 18.09.2017, 11:52
    Und warum hasste diese Frau jetzt Ganguro Girls so sehr?
    Ja ich weiß sie hielt es für rassistisch, kann es aber ohne die Absicht damit eine Aussage über schwarze zu treffen wohl kaum sein.
    Ein weiteres Beispiel für stumpfe Zensur weil man andere für ignorant hält während man selber im Nebel lebt.
  • Avatar von Tobias
    Tobias 18.09.2017, 10:13
    Ich freu mich auf die Wiederveröffentlichung in der Virtual Console. Die neuen Pokémon-Spiele sind für mich irgendwie uninteressant geworden, aber bei den alten Generationen, die ich noch nie gespielt habe, sieht das irgendwie ganz anders aus.

    Zitat Zitat von virus34 Beitrag anzeigen
    Ich finde wieder super geschrieben, danke für die Informationen und einen Daumen hoch.
    Danke schön!

    Zitat Zitat von Pikarobbi Beitrag anzeigen
    Ich schlage an diesem Satz zwei Änderungen vor:
    Hartfarbe -> Hautfarbe
    Jynx -> Rossana
    Ist korrigiert, danke für den Hinweis. Mit den ganzen Pokémon-Namen hab ich's nicht ganz so

    Zitat Zitat von tiki22 Beitrag anzeigen
    Ich wusste gar nicht, dass sich Pokemon Gold/Silber so stark verändert hat. Vielleicht wurden ja auch einige verworfene Ideen von früher in HG/SS umgesetzt.
    Da ich weder Gold/Silber noch die Remakes ausführlich gespielt habe, kann ich das natürlich nicht selbst beurteilen. Aber zumindest von den bekannten verworfenen Ideen scheint in HG/SS nichts eingebaut worden zu sein, ich habe zumindest bei der Recherche nichts dazu gelesen. Und wenn das der Fall gewesen wäre, hätten die Pokémon-Fans das ja sicher ausgiebig erwähnt
  • Avatar von tiki22
    tiki22 18.09.2017, 09:52
    Ich wusste gar nicht, dass sich Pokemon Gold/Silber so stark verändert hat. Vielleicht wurden ja auch einige verworfene Ideen von früher in HG/SS umgesetzt.
  • Avatar von Pikarobbi
    Pikarobbi 17.09.2017, 14:43
    Im Rahmen der Lokalisation wurde nach Kritik der afroamerikanischen Autorin Carole Boston Weatherford die Hartfarbe des Pokémon Jynx geändert.
    Ich schlage an diesem Satz zwei Änderungen vor:
    Hartfarbe -> Hautfarbe
    Jynx -> Rossana
  • Avatar von virus34
    virus34 17.09.2017, 12:39
    Ich finde wieder super geschrieben, danke für die Informationen und einen Daumen hoch.