Viele von euch erinnern sich sicherlich noch an ihren ersten Kontakt mit den Pokémon im Jahr 1999. Mit „Pokémon Blau & Rot“ fing eine Erfolgsgeschichte an, die damals wohl niemand in diesem Ausmaß erwartet hätte. Mehr als 13 Jahre sind seitdem vergangen, wir alle sind älter geworden und trotzdem geht den Taschenmonstern nicht die Puste aus und begeistern sowohl Jung und Alt immer wieder aufs neue. „Pokémon Schwarze & Weiße Edition 2“ läuten in diesem Jahr die nächste Runde der Erfolgsgeschichte ein. Wer sich nun über die zwei im Namen wundert: Ihr habt euch keineswegs verlesen, denn zum ersten Mal in der Historie der Reihe gibt es eine direkte Fortsetzung zum Vorgänger-Spiel, anstatt einer Neuauflage, wie zuletzt „Pokémon Platin“. Mit Pokébällen gewappnet haben wir uns in das Abenteuer gewagt.

Willkommen zurück in Einall


Lange wurde über ein „Pokémon Grau“ spekuliert, bis Game Freak schließlich mit „Pokémon Schwarze & Weiße Edition 2“ die Katze aus dem Sack ließ. Anstatt der traditionellen Spezial-Edition, die sich seit „Pokémon Gelb“ durch die Reihe erstreckt, lässt man die Pokémaniacs dieses Mal auf einen echten Nachfolger los. Doch was hat dies zu bedeuten? Seit den Ereignissen aus „Pokémon Schwarze & Weiße Edition“ und dem Sieg über Team Plasma sind mittlerweile zwei Jahre vergangen. Zwar findet die Handlung wieder in der Region Einall statt, doch vieles hat sich geändert. In der Rolle eines neuen Helden trifft der Spieler während seiner Reise auf alte Bekannte, wie Bell und Cheren, die als Assistentin und Arena-Leiter eine neue Aufgabe gefunden haben. Mit dem Ziel, der beste Pokémon-Trainer zu werden, muss mit Schrecken festgestellt werden, dass G-Cis und Team Plasma mit einem neuen teuflischen Plan zurückgekehrt sind. Mit zunächst nur einem Pokémon seiner Wahl und einer Hand voll Pokébällen geht es somit wieder auf eine Reise voller Geheimnisse, Abenteuer und Gefahren.

Der Geist der Zeit – Aus alt wird neu


Wie schon angesprochen hat sich in Einall einiges geändert. Da wäre beispielsweise das neue Anfangsdorf Eventura City, welches in einem Bereich der Region liegt, der vorher noch unbesiedelt war. Hier haben sich die berühmten Filmstudios Pokéwood ansässig gemacht, doch dazu später mehr. In Stratos City hingegen ist die Kanalisation zugänglich, die mit einem alten Fluchtweg quer durch die Region verbunden ist. Die Baustelle in Richtung Rayono City zeigt mit den ersten Wohnhäusern zudem auch seine Erträge. Im Endeffekt sind die Veränderungen so zahlreich, dass wir sie nicht alle auflisten können, ohne den Rahmen zu sprengen. Denn abseits von neuen Orten und Einrichtungen, findet das geübte Auge etliche kleine Details, die sich geändert haben.

Für Neueinsteiger und Veteranen


Besonders diejenigen, die bereits „Pokémon Schwarze & Weiße Edition“ gespielt haben, dürften sich fragen, ob sich die neuen Spiele überhaupt lohnen. Während Neueinsteiger aufgrund des Umfangs sowieso etliche Stunden brauchen werden, bis sie alles entdeckt haben, sorgt Game Freak durch die zahlreichen Veränderungen in Einall dafür, dass tatsächlich auch Kenner der Vorgänger Spaß am zweiten Teil der Spiele finden werden. Denn alles, was einem vertraut ist, fühlt sich doch anders an. Das fängt bereits damit an, dass man in einer komplett neuen Stadt beginnt und die Städte und Orte in einer anderen Reihenfolge als zuvor besucht. Wahre Spielfreude kommt jedoch dann auf, wenn man auf seine alten Freunde trifft und ihre Geschichten hört.

Besonders interessant dürfte jedoch die Funktion Einall-Link sind. Mit dieser ist es möglich seinen Spielstand aus „Pokémon Schwarze & Weiße Edition“ auf sein neues Spiel zu übertragen und somit neue Inhalte freizuschalten. Diese eröffnen dem Spieler neue Perspektiven und erzählen detailiert, was in der Zwischenzeit zwischen beiden Spielen passiert ist. Diese Erzählungen tauchen an den unterschiedlichsten Orten auf und zeigen beispielsweise, was aus dem Charakter N geworden ist.

Was ist neu?


Doch wollen wir nun endlich konkret werden, was in „Pokémon Schwarze & Weiße Edition 2“ tatsächlich neu ist. Kommen wir zunächst zurück zu Pokéwood. Wie sich bereits an der Namens-Anlehnung an den berühmten Stadteil in Los Angeles vermuten lässt, dreht sich alles um echte Film-Blockbuster. So lassen sich hier kleine Kurzfilme drehen, die man sich im Anschluss in einem Vorführraum ansehen kann. Dabei steht nicht nur der Spieler vor der Kamera, sondern selbstverständlich auch seine Pokémon. In vorgefertigen Drehbüchern müssen die richtigen Attacken der Pokémon ausgewählt werden, damit der Film im Anschluss möglichst erfolgreich wird und ein hohes Einspielergebnis erzielen kann. Zwar sorgen die Filme für keinen spielerischen Fortschritt, sind aber durchaus eine Bereicherung, in die einige Stunden Spielzeit fließen, bis alle Filme der unterschiedlichen Reihen abgeschlossen sind.

Wer sich hingegen lieber in taktischen Kämpfen misst und die Pokémon-Liga als keine Herausforderung sieht, sollte unbedingt in der Pokémon World Tournament-Einrichtung vorbeischauen. Hier kann man in etlichen Wettbewerben gegen Arena-Leiter, Rivalen oder Champs aus den anderen Regionen, beziehungsweise älteren Pokémon-Spielen antreten. Da wäre beispielsweise das Champturnier, indem ihr auf die stärksten Trainer sämtlicher „Pokémon“-Editionen trefft oder das Arenaleiter-Turnier, das alle jemals auftauchenden Arena-Leiter der Pokémon-Reihe umfasst. Über die Nintendo Wi-Fi Connection sollen zudem regelmäßig weitere Turniere angeboten werden. Den Anfang machen die Gewinner-Teams der letzten Pokémon-Weltmeisterschaft.

Das Medaillen-System führt in „Pokémon Schwarze & Weiße Edition 2“ erstmals ein Erfolgssystem ein. Insgesamt gibt es über 200 Medaillen, die für das Absolvieren besonderer Dinge oder Aufgaben verteilt werden. Wer beispielsweise regelmäßig aus reiner Vorsicht seinen Spielstand speichert, wird glatt mit einer Medaille belohnt, die man sich im Pokécenter abholen kann. Nach erstmaligen Spielabschluss ist zudem das Schlüssel-System zugänglich. Dieses ermöglicht einzelne Anpassungen im Spiel. So werden einige spezielle Orte durch andere ersetzt und drei verschiedene Schwierigkeitsstufen eingeführt, die zur Folge haben, dass auftauchende Trainer und Pokémon entweder stärker oder schwächer sind. Wer übrigens einen 3DS besitzt, sollte sich die kostenpflichtige Software „Pokémon Traumradar“ näher anschauen. Das Spiel ist im eShop des 3DS erhältlich und ermöglicht es, dort gefangene Pokémon und gesammelte Items auf seinen „Pokémon Schwarze & Weiße Edition 2“-Spielstand zu übertragen. Näheres dazu findet ihr in unserem passenden Review.

Gemeinsam tauschen, gemeinsam kämpfen


Im Vordergrund der „Pokémon“-Reihe steht seit eh und je das soziale Spielerlebnis. Angefangen mit Kämpfen und Tauschen über das Link-Kabel des GameBoys, wurden die Mehrspieler-Funktionen über die Jahre immer weiter ausgebaut. Auch in „Pokémon Schwarze & Weiße Edition 2“ lassen sich so die Pokémon in die Dream World schicken. Dies ist ein Ort, der sich lediglich im Internet am Computer aufrufen lässt und es ermöglicht, Pokémon und Items zu sammeln oder kurze Minispiele zu spielen. Im GTS hingegen können Pokémon zum Tausch angeboten oder gesucht werden. Ebenso könne Zufallskämpfe mit Pokémon-Trainern aus der gesamten Welt ausgefochten werden.

Natürlich können auch über die lokale Drahtlosverbindung Kämpfe ausgetragen und Pokémon-Tauschereien durchgeführt werden. Im Mittelpunkt steht hier das C-Gear, ein Interface, das seinen Platz auf dem Touchscreen findet. So zeigt dieses nützliche Gadget an, wenn ein weiterer „Pokémon“-Spieler sich in der Nähe befindet. Durch wenige Menüpunkte lässt sich so ratzfatz miteinander interagieren. In „Pokémon Schwarze & Weiße Edition 2“ werden übrigens Begegnungen mit anderen Pokémon-Trainern in gewisser Weise honoriert. In der neuen Einklangspassage übernimmt der Spieler den Job als Manager und muss dafür sorgen, dass neue Geschäfte gegründet und Besucher angelockt werden. Getroffene Spieler tauchen in dieser Einkaufspassage auf und können als Ladenbetreiber angeheuert oder zu Käufen verführt werden. Natürlich hat man auch selber etwas davon, denn so kann man die zahlreichen Dienstleistungen der Geschäfte in Anspruch nehmen und so auf einfache Weise an sonst mehr oder weniger seltene Items gelangen.

Technik


In technischer Hinsicht hat sich seit „Pokémon Schwarze & Weiße Edition“ nichts Augenscheinliches getan, was darauf schließen lässt, dass die Engine nun tatsächlich an die Grenzen des DS gestoßen ist. Die eigentliche 2D-Spiellandschaft überzeugt an vielen Stellen durch hübsche 3D-Spielereien und Effekte. Die Sprites und Animationen der Pokémon überzeugen nach wie vor, ebenso wie die detaillierte Gestaltung der zahlreichen Orte und Umgebungen. Der Soundtrack besteht hauptsächlich aus bereits bekannten Stücken, wurde jedoch durch einzelne neue Melodien erweitert, die sich wie für die Reihe üblich im Ohr einnisten und so schnell dort auch nicht mehr rauswollen.