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Oh...Sir! The Hollywood Roast...

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Oh...Sir! The Hollywood Roast (eShop)

Die Beleidigungen gehen in die zweite Runde. Anstatt sich jedoch auf eine klassische Fortsetzung von „Oh... Sir!! The Insult Simulator“ zu stürzen, wollten die Macher von „Oh Sir…! The Hollywood Roast“ erforschen, ob das Spielprinzip auch mit Hollywood Stars funktionieren würde. Wieso sie damit jedoch die guten Ambitionen des Vorgängers untergraben, erfahrt ihr im Test.

Das bewährte Prinzip

Eigentlich hat sich am Spielprinzip nichts geändert. Noch immer sucht man abwechselnd aus einer Liste von Satzbausteinen Teile aus, um daraus eine Beleidigung zu formen. Das macht der Gegner jedoch auch. Daher muss man strategisch vorgehen, um in mehreren Runden den Lebensbalken des Feindes zu leeren. Der einzige Unterschied besteht im Comeback, einer Leiste, die sich im Laufe der Spieles füllt. Ist sie voll, darf man seine Beleidigung mit einer besonderen Bemerkung abschließen, die mindestens 16 Punkte wert ist. Dadurch kann man selbst im Rückstand zurückschlagen und ein scheinbar verlorenes Match umdrehen. 

Die positiven Punkte des Vorgängers bleiben bestehen. Es macht schlichtweg Spaß, Beleidigungen zu erstellen und den Gegner zu übertrumpfen. Leider ist das Comeback etwas unnötig, schließlich kann jemand, der zuvor schlechter geplant hat, so einen Vorteil erhalten. Über schlechtes Balancing kann man sich aber nicht beschweren, da sich diese Mechanik meist ausgleicht, wenn beide Spieler sie nutzen. Viele Spieler hätten sich definitiv eine spannendere Überarbeitung gewünscht, denn im Endeffekt erhält man dasselbe Spiel, bloß in einer anderen Verpackung. Und die ist ordentlich eingeknickt.

Die Hollywood-Pleite

Der Vorgänger konnte durch seine abstrusen Charaktere überzeugen, deren Humor durch die starken Kontraste entstand. Wenn eine ältere Frau die verrücktesten Sprüche von sich lässt, kann man nur schmunzeln. In „Oh Sir…! The Hollywood Roast“ handelt es sich jedoch um Star-Parodien. Deshalb hat man auch stets bestimmte Personen vor Augen, was den Beleidigungen mehr Bedeutung zufügt. Geschrieben sind sie aber komplett im Stil der Vorgängers, nur mit neuen Sätzen, die die Star-Branche berücksichtigen. Diese sind am Ende derart plump, dass es sich tatsächlich nur um stumpfe Beleidigungen handelt. Zusätzlich dürften die aktuellen Skandale dafür sorgen, dass gewisse Äußerungen zu unangebracht wirken.

Eine Stärke des vorherigen Spiels war die Allgemeinheit der Satzbausteine; hier bleibt aber alles so speziell, dass nicht alle Kombinationen lustig sind. Oftmals bekommt man einige Punkte für Sätze, die keinerlei Humor bieten und schlichtweg gemein sind. Gerade wenn es sich nicht mehr um Gruppen sondern um spezielle Personen handelt, muss aber der Humor stimmiger sein. Wenn man „Dirty Potter“ damit beleidigt, dass sein Manager in einem alten Haus lebt und seine Karriere tot ist, vermisst man die absurden Formulierungen. Deshalb kommt auch im Spielverlauf keine gute Stimmung auf und man wird weitaus weniger lachen als zuvor.

Das Problem kehrt zurück

Selbst bei den Modi hat sich bis auf die Namen nichts geändert. Langweilige Einzelspieler-Runden weichen schnell den besseren Multiplayer-Partien, die wieder einmal sowohl lokal als auch online möglich sind. Frustrierend ist weiterhin das Freischalten der Charaktere. Während man für einige schlicht den Einzelspieler-Modus mehrfach beenden muss, erhält man für andere keine Hinweise. Demnach ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass man den kompletten Inhalt gar nicht erst freischalten wird, vor allem nicht wenn das Spiel für den Mehrspieler-Modus gekauft wird. 

Es ist schade, dass die Macher die schlechtesten Aspekte des Vorgängers genommen haben und diese nicht überarbeitet wurden. Gepaart mit den unlustigen Beleidigungen möchte man lieber zurück und „Oh Sir…!! The Insult Simulator“ starten, das zumindest in diesem Punkt mehr Unterhaltung bietet. Nicht einmal die neue Mechanik schafft es, die Runden abwechslungsreicher zu gestalten.

Ein sauberes, langsames Paket

Optisch bleibt sich das Team der Reihe treu und setzt auf einen eigenwilligen Stil, der tatsächlich überzeugt. Die Charaktere sehen absurd aus und wurden zumindest gut gestaltet. Die Umgebungen sind hingegen wenig ideenreich und auch die Musik plätschert nur vor sich hin. Auf Nintendo Switch darf man sich natürlich darüber freuen, mit einem Joy-Con zu spielen, was besonders für die Mehrspieler-Partien geeignet ist. Doch wer irgendeine Überraschung bei der Präsentation erwartet, ist fehl am Platz. Einzig die guten Synchronsprecher sind zurück, jedoch wirkt es manchmal so, als ob sie ihre Sätze noch langsamer ablesen als noch im Vorgänger, was stets nervig ist.

Weiterführende Links: Forum-Thread

Fazit & Wertung

„Oh Sir…! The Hollywood Roast“ wagt spielerisch keine Experimente und ist somit nicht mehr als der Vorgänger im Hollywood-Gewand. Leider fällt schnell auf, dass der trockene Humor diese Umwandlung nicht überlebt hat, weshalb es nur bei plumpen Beleidigungen bleibt, die selten lustig sind. Gleichzeitig bemerkt man auch, dass das Spiel mit seinen Charakteren und Satzbausteinen nicht so kreativ ist wie der Vorgänger, der sowohl Tiefe als auch cleveren Humor aufweisen konnte. Hinzu kommt, dass alle Kritikpunkte übernommen, aber nicht verbessert wurden. Wer dennoch Interesse am Spielkonzept hat, sollte bei „Oh Sir…!! The Insult Simulator“ bleiben.

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