Schach, das Spiel der Könige. - Tödliche Duelle am Hof von Versailles
Schach, das Spiel der Strategen. - Rochade, Bauernopfer und Bauerntausch
Schach, die Sportart. - Turniere, Weltmeisterschaften und hohe Preisgelder
Schach, das politische Instrument. - Präsidentschaftswahlen in Russland
Schach, das Spiel für Jedermann - Freizeit und Hobby


Die Bedeutung von Schach in den vergangenen Jahrhunderten darf man geschichtlich gesehen nicht unterschätzen - viele bedeutende Persönlichkeiten der Geschichte waren von Schach begeistert und schlossen neue Bündnisse, trafen wichtige Entscheidungen und spannen ihre Intrigen in einer Phase höchster Konzentration. Auch heute noch kommt bedeutenden Schachspielern eine besondere Aufmerksamkeit zu, wenn Sie sich politisch engagieren um auf Missstände in Ihrem Land hinzuweisen. Zwar kommt dem Spiel der Könige (das persische „Schah“ steht für König) nicht mehr die große Bedeutung zu wie vorher, dafür existieren mittlerweile zu viele Unterhaltungsmedien, allerdings ist es trotzdem das Brettspiel dem medientechnisch die größte Aufmerksamkeit geschenkt wird. So dürfte einem zumindest die Namen des offiziellen ehemaligen und des existierenden Schachweltmeisters Kasparov und Kramnik mehr sagen, als der Name des ehemaligen, inoffiziellen Mau-Mau Weltmeisters Friedhelm Braun.

Bauer schlägt Pferd, Turm schlägt Dame, Schachmatt


Wii Schach bietet zehn unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, wodurch sowohl Anfänger als auch Profis einen würdigen Gegner finden werden. Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad entwickeln sich Partien allerdings zum Geduldsspiel, da der Computer gefühlte 20 Minuten pro Zug benötigt um den besten Zug mathematisch zu berechnen. So führen eventuelle eingestellte Zeitlimits (5 bzw. 20 Minuten) am Ende meist zu einem Punktsieg und nicht zum gestrebten Schachmatt. Wer möchte, kann gemachte Partien abspeichern und sich den Spielverlauf noch einmal anzeigen lassen bzw. aktuelle Partien abspeichern und später fortsetzen. Hat man einen Kollegen zu Besuch, kann man natürlich auch eine 2-Spieler-Partie beginnen, was wesentlich mehr Spaß macht als die Duelle gegen den Computer. Warum man allerdings in diesem Fall nicht lieber das alte Schachbrett seines Großvaters aus der Ecke holt und eine Runde spielt, bleibt unklar.

Wi-Fi


Herzstück von Wii-Schach ist aber der Onlinemodus und die damit verbundenen Duelle mit anderen menschlichen Spielern. Man tritt wahlweise gegen einen Freund, einen beliebigen Spieler oder einen Spieler auf ungefähr gleichem Niveau an. Leider sind zurzeit wenige Spieler online anzutreffen, wodurch vor allem die Spiele gegen Spieler auf ungefähr dem gleichem Niveau eigentlich nicht zu Stande kommt. Dann wird der naheliegendste Spieler gesucht, der unter Umständen schon 100 Partien bestritten hat und davon 80 für sich entscheiden konnte.

Schach, nicht mehr und nicht weniger


Traurig, ist das Fehlen von zusätzlichen neuen Spielvarianten - ein 3-Ebenen Schach wäre genauso interessant, wie ein Story-Schach. Puzzle Quest macht die Kombination aus Puzzle und Story gerade auf der Nintendo Wii vor - warum also nicht auch beim Schach. Auch das Nachspielen historischer Partien wurde nicht integriert. Gerade das Fehlen einer derartigen Spielvariante ist mir unverständlich, da in diesem Fall keine Experimente mit der Grafik, wie beim 3-Ebenen-Schach, oder beim Spielkonzept, wie beim Story-Schach, gemacht werden müssen. Somit versetzt Nintendo dem eigenen Produkt den endgültigen Todesstoß.

Grafik und Sound


Wii Schach befindet sich grafisch auf einem erschreckend niedrigen Niveau - das Wort zweckmäßig in den Mund zu nehmen trifft es nicht einmal annähernd. Zwar konnte man damit rechnen, dass optisch kein Feuerwerk abgeschossen wird, allerdings ist die triste 2D-Grafik überhaupt nicht zeitgemäß. Wirklich ärgerlich wurde ich allerdings als ich auf der Verpackung den Satz „Von klassisch bis modern werden eindrucksvolle Themen geboten!“ gelesen habe und dann mal die anwählbaren Themenbretter angewählt habe. Diese erreiche noch nicht einmal Bust-A-Move Niveau und sind so weit vom Wort eindrucksvoll weg wie Die Bahn von einer Einhaltung des Zugplans. Warum konnte man nicht wenigstens einen Editormodus o.ä. integrieren, mit dem man Themen via Wi-Fi tauschen kann? Auch beim Sound guckt man in die Röhre - weder Kommentatoren noch erwähnenswerte Soundstücke. Auch eigene Songs sind beispielsweise nicht via SD-Card integrierbar.