Ein Blick aus dem Fenster offenbart dieser Tage weitestgehend Tristesse und weckt nicht selten das Verlangen nach einem Urlaubstrip in wärmere Gefilde. Da sich dies in der Praxis aber nur schwer umsetzen lässt, bietet die Minispielsammlung „Go Vacation“ für Wii nun genau diese Möglichkeit für alle Frostbeulen. Doch nachdem der Markt von Spielen dieses Genres geradezu überflutet ist, wäre es allmählich wieder an der Zeit für einen würdigen Vertreter. Ob die Vielfliegermeilen also vorerst für den nächsten Urlaub aufgespart werden können, oder doch wieder das altgediente „Wii Sports“ für die nächste Party herhalten muss, erfahrt ihr im folgenden Reisebericht.

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Ab auf die Insel


Anders als viele Genrevertreter gibt sich „Go Vacation“ reichlich Mühe, die zahlreichen Minispiele angemessen zu präsentieren. Im Gegensatz zu anderen Titeln werden hier nicht nur spröde Menüs geboten, die zur Auswahl der Pausenfüller herhalten. Stattdessen steht eine ganze Insel zur Verfügung, die nach Herzenslust erkundet werden kann und einige Geheimnisse beherbergt. Bevor diese jedoch in Augenschein genommen werden dürfen, steht zu Beginn die Auswahl des eigenen virtuellen Abbildes auf dem Plan. Hier kann man aus einer Vielzahl an unterschiedlichen Charakteren wählen, oder auch auf die eigenen Miis zurückgreifen. Diese fügen sich allerdings nicht recht ins bunte Gesamtbild und stechen stets etwas unangenehm hervor.

Ist die Entscheidung getroffen, findet man sich auch schon auf der frei begehbaren Kawawii-Insel wieder, die sich aus den vier unterschiedlichen See-, Stadt-, Schnee- und Bergresorts zusammensetzt. Je nach Umgebung stehen dabei verschiedene Fortbewegungsmittel zur Verfügung, die von Geländewagen, über Skateboards bis hin zu Schneemobilen reichen und ein schnelleres Vorankommen ermöglichen. Mit diesen geht es nun auf Erkundungstour. Neben dem Finden von versteckten Schatztruhen, die mit neuen Kleidungsstücken gefüllt sind, gilt es vor allem, verschiedene Charaktere zu treffen, um Zugriff auf weitere Minispiele zu erhalten. Leider erschöpft sich der Erkundungsdrang schnell in Anbetracht der relativ tristen Umgebung, die trotz zahlreicher Bewohner etwas leblos wirkt und nicht genügend Geheimnisse birgt, um langfristig bei der Stange zu halten.

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Abwechslungsreicher Abenteuerurlaub


Im Endeffekt ist die weitläufige Kawawii-Insel aber nicht viel mehr als ein großzügiger Bonus, denn worauf es bei „Go Vacation“ eigentlich ankommt sind die 50 Minispiele, die sich an den vier verschiedenen Resorts ausrichten. So kann man in den verschneiten Bergen beim Eisfischen die Seele baumeln lassen oder sich bei einer Schneeballschlacht austoben, während die Stadt mit Tischhockey, Tanzen und Tortenschlachten aufwartet. Generell wird Abwechslung groß geschrieben und auch wenn sich ein paar Aktivitäten durchaus ähneln, ist die Auswahl sehr facettenreich.

Etwas durchwachsen ist jedoch die Qualität der Minispiele. Aufgrund der beinahe zwanghaften Implementierung der Bewegungssteuerung der Wii fühlen sich einige etwas zäh an, was sich unter anderem bei vielen Rennspielen bemerkbar macht. Im Großen und Ganzen geht Qualität aber dennoch vor Quantität, sodass die Mehrheit der Aktivitäten durchaus Spaß bereit.

Des Weiteren macht „Go Vacation“ ausgiebigen Gebrauch von der zahlreichen Wii-Peripherie, die sonst nur noch als Staubfänger fungiert. Sowohl der Zapper, Motion Plus, das Balance Board als auch das Wii Wheel finden Verwendung und bringen, je nach Spiel, einen großen Mehrwert. Sehr löblich dabei ist, dass die zusätzlichen Eingabegeräte niemals zwingend notwendig sind und alle Aktivitäten auch ohne diese problemlos gespielt werden können.

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Technik


Wie für eine Minispielsammlung üblich reizt auch „Go Vacation“ die Wii zu keinem Zeitpunkt aus und ist eher auf Zweckdienlichkeit getrimmt. Dennoch wäre etwas mehr Feinschliff an einigen Stellen durchaus wünschenswert gewesen, da das Spiel bei näherer Betrachtung doch einige unschöne Mängel wie stark verschwommene Texturen und schwache Effekte offenbart. Immerhin wirkt die Kawawii-Insel aber in sich stimmig und wird gerade jüngere Semester aufgrund der bunten Farbpalette und der knuffigen Charakter zu überzeugen wissen.

Wenig spektakulär ist auch die Klangkulisse. Ab und an vernimmt man kurze deutsche Sprachsamples von speziellen Personen, die ansonsten jedoch nur unverständliches Geblubber von sich geben. Ansonsten dudeln wenige und eher unauffällige Melodien während des Spielens vor sich hin, die aufgrund ihres repetitiven Charakters unter Umständen aber schnell nerven können und eher zum Abschalten denn zum Mitsummen animieren.

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