Inside Nintendo 130: Das Miiverse – Aufstieg und Fall von Nintendos sozialem Netzwerk

Am 8. November 2017, wenige Tage vor seinem fünften Geburtstag, wird dem Miiverse der Stecker gezogen: Nintendo schaltet sein hauseigenes soziales Netzwerk ab, das mit der Markteinführung der erfolglosen Wii U an den Start gegangen war. Kurz vor dem Ende des Miiverse möchten wir uns dessen Geschichte noch einmal vom Anfang bis zum Ende vor Augen führen, um angemessen von dem Service Abschied nehmen zu können.

The Social Network

Nachdem Nintendos Online-Systeme jahrelang unter anderem aufgrund fehlender Kommunikationsmöglichkeiten in der Kritik standen, erschien Ende 2011 für den 3DS mit dem „Nintendo-Briefkasten“ eine Art Chatprogramm für befreundete 3DS-Nutzer – die ganze Geschichte hinter der Download-Software erfahrt ihr in „Inside Nintendo 107“. Auch wenn die Online-Funktionen von „Nintendo-Briefkasten“ bereits 2013 eingestellt wurden, kann dieser Service als durchaus wegweisend für Nintendo gelten. Denn zum Start der Wii U führte der japanische Videospielkonzern das Miiverse ein: Nicht nur einfach ein Chatprogramm, sondern Nintendos Antwort auf das Phänomen der sozialen Netzwerke.

In Communities zu den einzelnen Wii-U-Spielen konnte man Beiträge, Zeichnungen und Screenshots zum jeweiligen Spiel anfertigen und veröffentlichen. Beiträge anderer ließen sich kommentieren und beantworten, was einen regen Austausch zwischen Spielern ermöglichte. Seien es Fragen zum Fortschritt an einer schwierigen Stelle, besondere Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen, fachliche Diskussionen oder auch scherzhafte Beiträge – all das fand im Miiverse seinen Platz, solange sich die Beiträge denn um Videospiele drehten. Wer seinen Nachrichten mehr Charakter verleihen wollte, konnte sie handschriftlich anfertigen und mit Zeichnungen versehen. Viele begabte Nutzer veröffentlichten wahre Kunstwerke im Miiverse – zurecht meinte Nintendo-Präsident Satoru Iwata: „Wenn viele Leute zusammenkommen, entsteht eine umwerfende kollektive Kreativität.“

Natürlich durften Funktionen, die aus anderen sozialen Netzwerken bekannt sind, nicht fehlen. Es ließen sich Beiträge und Kommentare mit einem „Yeah!“ versehen, dem Nintendo-Äquivalent zum Daumen nach oben, und natürlich konnte man auch anderen Nutzern folgen und dadurch stets über deren Aktivitäten auf dem Laufenden bleiben. Freundschaftsanfragen und private Unterhaltungen waren ebenfalls möglich. Bei alledem stellte Nintendo kindgerechte Anonymität sicher, indem die Spieler die Identität ihrer Mii-Charaktere annahmen. Davon leitet sich auch der Name des Service ab, der eine Kurzform von „Mii-Universe“ ist.

Spielend kommunizieren

Während in sozialen Netzwerken wie Facebook Spiele in den Service integriert sind, machte es Nintendo genau umgekehrt: Das Miiverse wurde in die Spiele integriert. Von Haus aus ist der Service auf jeder Wii U vorinstalliert, gehört in Form der WaraWara-Lobby zum Homebildschirms der Heimkonsole und Spiele können direkt auf das Miiverse zugreifen. So ließen sich aus vielen Wii-U-Titeln Beiträge zu den einzelnen Levels anfertigen. In „Nintendo Land“, „Super Mario 3D World“, „Splatoon“, „Super Mario Maker“ und vielen anderen Hochkarätern wurden Miiverse-Beiträge dann direkt im Spiel eingeblendet. Dieses Feature machte mitunter viel vom Spielspaß aus, schließlich konnte man in manchen Spielen auch Stempel sammeln, mit denen sich Miiverse-Beiträge verzieren ließen.

Seit 2013 war das Miiverse nicht mehr auf die Wii U begrenzt, sondern auch von PCs, Smartphones und Tablets aus erreichbar. Noch im selben Jahr machte Nintendo den Service im Rahmen eines Systemupdates auch auf dem 3DS zugänglich. Dort entwickelt sich das Miiverse ebenfalls zum festen Bestandteil mancher Spiele.

Einige Entwickler des Miiverse, v.l.n.r.: Die Produzenten Junya Kondo und Kiyoshi Mizuki, Grafiker Kazuyuki Motoyama, Director Yoshiomi Kurisu, Programmierer Shunsaku Kato und Director Hideto Yuzawa. Neben mehreren Nintendo-Abteilungen und Hatena wirkte außerdem das Studio Denyu-sha mit, das auch am „Nintendo-Briefkasten“ beteiligt gewesen war. Man merkt, dass die Entwicklung eines umfangreichen Online-Service ein aufwändiges Unterfangen ist, das die Expertise verschiedener Unternehmen erfordert!

Gespräche für das Empathie-Netzwerk

Werfen wir nun einen Blick auf die Entstehung des Miiverse. Es fing an mit einer Idee von Nintendo-Mitarbeiter Kiyoshi Mizuki zu einem Online-Service für die nächste Nintendo-Heimkonsole. Mizuki war Director von Spielen wie „Mario Kart: Double Dash!!“ und „Nintendogs“ sowie einiger Systemprogramme gewesen. Ganz grob inspirierte ihn Wii no Ma, ein Video-on-Demand-Dienst von Nintendo, der nur in Japan von 2009 bis 2012 für die Wii verfügbar war. Da nur Nintendo die Verantwortung für Wii no Ma getragen hatte, war es den zuständigen Mitarbeitern schwergefallen, den Nutzern regelmäßig neue und interessante Inhalte zu bieten. Dieses Problem wollte Mizuki mit einem Online-Service umgehen, der auf nutzergenerierten Inhalten basiert.

Mizuki besprach sich mit Yusuke Beppu, dem Präsidenten der für Wii no Ma zuständigen Nintendo-Tochter und späteren Chef der Abteilung hinter dem Nintendo Network. Dieser regte an, eine für Nintendo repräsentative Software mit Mii-Charakteren zu entwerfen (alles über die Geschichte hinter Nintendos Avataren erfahrt ihr in „Inside Nintendo 80“). Ebenfalls schon früh hatte Mizuki die Idee für einen virtuellen Ort, an dem die Miis auf der Wii U herumwuseln sollen – die spätere WaraWara-Lobby. „Das ist eine Art Mini-Abbild dessen, was gerade so bei Miiverse los ist“, beschrieb es Director Hideto Yuzawa.

Damit sein Konzept mehr Form annimmt, führte Mizuki sowohl innerhalb als auch außerhalb von Nintendo viele Gespräche. Besonders ergiebig waren Unterhaltungen mit Kouichi Kawamoto, seines Zeichens unter anderem Director der StreetPass Mii Plaza für 3DS, dem für das Wii-U-Menü zuständigen Hisashi Nogami und dem Wii-U-Produzenten Katsuya Eguchi. Dass Nogami und Eguchi wichtige Entwickler der „Animal Crossing“-Reihe sind, mag seinen Beitrag zum besonderen Charme des späteren Miiverse geleistet haben. „Empathie“, so lautet nämlich das Schlüsselwort für das Miiverse – es sollte ein Ort sein, an dem sich Videospielfans ganz empathisch über ihr Lieblingsthema unterhalten können.

Erfahrene Webentwickler in einer Mietwohnung

Zuständig für die Entstehung des Miiverse war das Nintendo Network Business Department. Zum Zwecke der Entwicklung tat sich Nintendo zusammen mit Hatena, einem auf Internetdienstleistungen spezialisierten Unternehmen, das bereits den Online-Service zu Nintendos „Flipnote Studio“ programmiert hatte. Um die Zusammenarbeit einzufädeln, traf sich Nintendo-Boss Iwata persönlich mit Hatena-Chef Junya Kondo. Dieser hatte Nintendo einen ähnlichen Netzwerk-Service wie das spätere Miiverse sogar schon einmal vorgeschlagen. Da die Firmensitze von Nintendo und Hatena beide in Kyoto liegen, konnten sich die Teammitglieder regelmäßig treffen – zu Beginn sogar in einem von Hatena gemieteten Wohnraum. „Da waren also zehn Erwachsene in eine Einzimmerwohnung gezwängt“, erinnerte sich Director Yuzawa lachend zurück.

Während Ideengeber Kiyoshi Mizuki zusammen mit Hatena-Chef Kondo und Nintendo-Network-Leiter Beppu als Produzenten fungierte, übernahm Hideto Yuzawa von Nintendo die Projektleitung. Er hatte zuvor an der Gründung eines Web-Service für Yahoo mitgewirkt. Auch Co-Director Yoshiomi Kurisu hatte vor dem Miiverse an einem ähnlichen Service mitgewirkt – aber für Hatena, sodass er und Yuzawa also Konkurrenten waren. Dennoch vertrauten die beiden einander und bereicherten die Arbeiten am Miiverse-Projekt durch ihre Erfahrung mit Webentwicklung.

Zu Beginn der Arbeiten am Miiverse bastelte Grafikdesigner Kazuyuki Motoyama das Wii U GamePad aus Karton nach. Oben ließ sich ein Zettel durchschieben, was einen scrollenden Bildschirm simulierte. Motoyama: „Wir konnten ja nicht wissen, wie es sich anfühlen würde, wenn wir es nicht selber in den Händen halten konnten, aber weil es noch kein fertiges Produkt gab, blieb uns nichts anderes übrig, als selber eins anzufertigen. Ich habe mitten in der Nacht die Kartonstücke ausgeschnitten und zusammengeklebt.“

Die Erschaffung des Mii-Universums

Als das Miiverse-Projekt Fahrt aufnahm, war die Wii U selbst noch in der Entwicklung. Darum waren damals weder der für die Anwendung zentrale Browser noch das GamePad fertiggestellt, was das Team stark einschränkte. Gegen Mitte der Entwicklung kam die Idee auf, sich das GamePad für handschriftliche Beiträge wie auch im „Nintendo-Briefkasten“ zunutze zu machen, schließlich vermögen ja schriftliche Notizen Emotionen besser zu vermitteln, als ein getippter Text es kann. Die Benachrichtigungs-Funktion, die den Spieler darüber in Kenntnis setzt, wenn eigene Beiträge kommentiert oder mit einem „Yeah!“ versehen wurden, war für Nintendo hingegen nicht so selbstverständlich, wie man meinen würde – erst Hatena brachte die Idee ein und setzte sie dann kompetent um.

Ein wichtiges Anliegen war es den Machern des Miiverse außerdem, dass man auch in Wii-U-Spielen Beiträge verfassen kann. Die genaue Umsetzung der Miiverse-Implementierung sollte aber den Entwicklern der jeweiligen Spiele überlassen bleiben. Der erste Prototyp des Programms zum Miiverse-Posten aus den Spielen heraus stieß bei den externen Entwicklern übrigens auf wenig Begeisterung – die Software startete viel zu langsam. Bis zur finalen Version bemühte sich das Team darum um eine möglichst naht- und übergangslose Integration des Service.

Together, Better

In der Pre-E3-Ausgabe von Nintendo Direct am 3. Juni 2012 stellte Nintendo das Miiverse erstmals der Öffentlichkeit vor – und zwar am Beispiel eines Spielenerds mit seiner „Non-Specific Action Figure“, die übrigens nach der Veröffentlichung des Videos in Fankreisen ein gewisses Eigenleben entwickelte. Auch der Wii U Chat und die WaraWara-Lobby wurden damals gezeigt, wobei Letztere noch auf den Namen „Mii WaraWara“ hörte. Falls ihr euch jetzt fragt, was „WaraWara“ überhaupt bedeutet: Es meint im Japanischen etwas wie „geschäftig“ oder „betriebsam“ und fängt damit die Grundstimmung des Wii-U-Menüs gut ein.

Wie aus dem Ankündigungsvideo deutlich hervorging, wollte Nintendo mit der Wii U Menschen wieder zusammenbringen, und einen wichtigen Beitrag zu diesem hehren Ziel sollte das Miiverse leisten. Iwata erklärte einmal: „Auf diese Weise ist jemand, der für sich allein zu Hause spielt, durch Miiverse dann doch nicht wirklich allein. Ich denke, dies [ist] die größte Neuerung in Bezug auf das Spielen vor und nach Miiverse.“ Dass das Miiverse eine bestimmte Zielgruppe abholen sollte, daraus machte Nintendo keinen Hehl, etwa in den Worten von Chefpgrogrammierer Shintaro Sato: „Ich hoffe, dass die Leute, die soziale Netzwerke noch nicht so ausgiebig genutzt haben, und die Leute, die sich von den bisherigen sozialen Netzwerken nicht so angesprochen gefühlt haben, es bei uns einmal ausprobieren.“

Die Erstvorstellung des Miiverse mit einem Nerd und der Non Specific Action Figure. Der relevante Abschnitt beginnt ab 12:44. Wie man in dem Material erkennen kann, war das Design des Service damals noch ein bisschen anders.

Bühne frei für das Miiverse

Am 7. November 2012 stellte Nintendo in einer weiteren Nintendo Direct die finale Version des Miiverse sowie von Wii-U-Menü und Wii U Chat vor. Da der Arbeitstitel „Mii WaraWara“ offenbar gut angekommen war, wurde der finale Name „WaraWara Plaza“ bekanntgegeben, in Deutschland „WaraWara-Lobby“. Wenige Tage später, am 18. November, kam die Wii U in Nordamerika auf den Markt, und damit ging auch das Miiverse an den Start. Ende des Monats erschien die Konsole mit dem vorinstallierten sozialen Netzwerk auch in Europa und Anfang Dezember schließlich in Japan. Nintendos zwei Launch-Titel „Nintendo Land“ und „New Super Mario Bros. U“ nutzten das Miiverse bereits ausgiebig.

Doch die Entwickler des Miiverse konnten sich nach der Markteinführung der Wii U nicht zurücklehnen, im Gegenteil: „[B]ei allen Netzwerkdiensten beginnt der Kampf erst nach der Veröffentlichung. Und damit beginnt die Entwicklung eigentlich erst jetzt“, sagte Iwata damals. Schließlich mussten das reibungslose Funktionieren des Service sichergestellt, sämtliche Beiträge moderiert und neue Funktionen erarbeitet werden.

Wendepunkt mit Zukunft

Ein eigenes soziales Netzwerk stellte eine große Wende für Nintendos Online-Politik dar – dessen war sich auch Iwata bewusst: „Miiverse hat die Online-Netzwerkstrategie von Nintendo grundlegend verändert. Wir wollten unsere Nutzer immer vor fragwürdigen Zusammentreffen mit Fremden im Internet schützen. Deshalb haben wir auf Freunde ausgerichtete Netzwerke eingerichtet.“ Erstmals entstand nun ein zuvorderst auf Fremde ausgerichtetes Netzwerk. Um trotzdem eine für Kinder sichere Umgebung gewährleisten zu können, sicherte Nintendo zu, dass sämtliche Beiträge im Miiverse von menschlichen Administratoren kontrolliert würden. Anstößige Beiträge konnte man natürlich jederzeit melden, und sogar eine nützliche Spoiler-Markierung gab es.

Schon im Juni 2012 hatte Iwata angekündigt, dass das Miiverse ein langfristiger Service sein solle und auch für den 3DS sowie für Smartphones, Tablets und PCs erscheinen würde. Ausdrücklich schloss er darin auch „zukünftige Nintendo-Geräte“ mit ein. Dass das Miiverse auf der darauffolgenden Nintendo-Konsole nicht mehr unterstützt werden würde, schien man damals nicht abgesehen zu haben.

In diesem Video wurden kurz vor Markteinführung der Wii U das Miiverse und der Wii U Chat noch einmal ausführlich präsentiert. Mit dabei: Der erste Videoanruf über den Wii U Chat zwischen Iwata und Reggie.

Das Miiverse kommt in Fahrt

Das Webportal zu Nintendos sozialem Netzwerk ging am 25. April 2013 online; seitdem war das Miiverse auch über PCs, Smartphones und Tablets erreichbar. Die Webversion war aber sehr begrenzt und erlaubte unter anderem nicht das Verfassen eigener Beiträge – der Service sollte sich weiterhin hauptsächlich an Nintendos Spielekonsolen richten. Die 3DS-Version des Miiverse schließlich war, nachdem sie in einer Nintendo Direct im November 2013 vorgestellt worden war, ab dem 9. Dezember 2013 verfügbar. Auf dem Handheld erwiesen sich jedoch die sehr langen Ladezeiten als großes Hemmnis.

Das Miiverse selbst wuchs indessen unbeirrt weiter, denn jedes neue Spiel für Wii U und 3DS, auch alle eShop- und Virtual-Console-Neuerscheinungen erhielten automatisch eine eigene Community. Die Aktivität in den einzelnen Communities entsprach der Beliebtheit der jeweiligen Spiele. Besondere Highlights waren spezielle Communities, etwa zum 25. Jubiläum der „Zelda“-Reihe oder zu Nintendos E3-Auftritten, sowie offizielle Miiverse-Accounts von diversen Nintendo-Mitarbeitern wie etwa Iwata höchstpersönlich und einigen Indie-Entwicklern.

Der Anfang vom Ende

Im Laufe seines Lebens erhielt das Miiverse eine ganze Reihe an Updates, die neue Funktionen und vielfältige Änderungen mit sich brachten. Leider können wir hier nicht näher auf die einzelnen Aktualisierungen eingehen – bis auf eine Ausnahme: Das große Miiverse-Redesign vom 29. Juli 2015 änderte die Struktur des Netzwerks total. Der Community-Bereich zu den einzelnen Spielen wurde aufgeteilt in die Kategorien „Zeichnungen“ und „Fragen“, außerdem erhielt man die Möglichkeit, ein persönliches Spieltagebuch anzulegen und Screenshots in einem Album zu speichern.

Was in der Theorie ganz gut klang, sorgte in der Praxis für eine große Unübersichtlichkeit. Dabei hatten die Entwickler schon 2012 betont, dass sie aus dem Miiverse gerne ein persönliches Spielertagebuch würden machen wollen, Iwata etwa sagte damals: „Es wäre schön, wenn eine Art Spieltagebuch in der Cloud daraus werden würde.“ Aber noch umstrittener am Juli-2015-Update waren Neuerungen wie eine Begrenzung auf 30 Posts pro Nutzer und Tag. Damit sollte die ursprüngliche Idee für das Miiverse von Einzug haltenden Chattendenzen befreit werden, doch so stieß das Update auf überwiegend negative Resonanz, reduzierte die Beliebtheit des Miiverse und veranlasste viele Nutzer dazu, dem Service den Rücken zuzukehren.

Zudem zeichnete sich 2015 der Misserfolg der Wii U schon deutlich ab und Nintendo fuhr parallel immer stärker auf die Facebook- und Twitter-Schiene auf, was weiter zum allmählichen Niedergang des Miiverse beitrug. Besonders Nintendo-Spieler älteren Semesters hatten den Service außerdem schon seit seiner Einführung dafür kritisiert, dass er besonders von Kindern genutzt würde, die kaum sinnvolle Beiträge verfassten.

Ein Blick in den Admin-Bereich des Miiverse. Am Launchtag der Wii U hatte ein Nutzer völlig ungewollt einen Programmierfehler gefunden, der ihm Zugriff auf den Admin-Bereich des Miiverse gewährte. Nintendo behob den Fehler jedoch auf der Stelle. Angeblich wurde aber, wer diesen Vorfall oder bloß den Begriff „Hacker“ im Miiverse auch nur erwähnte, von den Administratoren des sozialen Netzwerks umgehend gesperrt. Die strikte Administration sowie der manchmal übereifrige Wortfilter schränkten für manche Nutzer den Miiverse-Spaß deutlich ein.

Ein soziales Netzwerk geht vom Netz

Anfang 2017 wurde bekannt, dass das Miiverse von Nintendos nächster Konsole, der Switch, nicht mehr unterstützt werde. Da sich die Wii U in den folgenden Monaten dem Ende ihres Marktzyklus näherte, schien sich langsam abzuzeichnen, dass auch der Miiverse-Service nicht mehr langfristig unterstützt werde – anders als es der mittlerweile verstorbene Iwata 2012 noch versprochen hatte.

Nintendos Ankündigung vom August 2017 kam trotzdem unerwartet: Zum 8. November 2017 werde das Miiverse eingestellt. Sämtliche mit dem Service verbundenen Inhalte seien dann nicht mehr aufrufbar und die vielen Miiverse-Funktionen in den einzelnen Spielen würden ab dann nicht mehr unterstützt. Einen Grund für diese Maßnahme nannte Nintendo zwar nicht, aber der große Aufwand für den Unterhalt des Miiverse wird sich nicht mehr rentiert haben angesichts von Twitter, Facebook und Co., die zudem gewissermaßen kostenlose Werbung für Nintendo darstellen. Unterm Strich erwies sich das Miiverse als nicht ganz gelungenes Experiment.

Abschied vom Miiverse

Dennoch traf die Nachricht die verbliebenen Miiverse-Nutzer und -Fans wie ein Schlag. Sie hielten die Einstellung für verfrüht und bedauerten das Ende „ihres“ sozialen Netzwerks. Schließlich gab es ja viele Miiverse-Nutzer, die bewusst auf andere soziale Netzwerke verzichteten – einige haben über das Miiverse echte Freundschaften geschlossen, für manch einen war es ein ganz zentrales Mittel zur Kommunikation mit Gleichgesinnten. So war aus dem Miiverse über die Jahre eine Community mit einer ganz eigenen Atmosphäre geworden, die manchem zusagte, manchem eben nicht.

Hinzu kommt, dass der 3DS ja noch unterstützt wird und sich weiterhin sehr gut verkauft. Darüber hinaus existiert ein Äquivalent zu den Funktionen des Miiverse auf der Nintendo Switch noch nicht, sodass Nintendos Online-Politik tatsächlich einen Rückschritt tätigt. Dass der Service nicht nur deaktiviert, sondern gänzlich vom Netz genommen wird, verhindert es außerdem, noch einmal in Nostalgie auf das soziale Netzwerk von Wii U und 3DS zurückzublicken. Immerhin: Wer es bis zum Termin der Einstellung beantragt, erhält von Nintendo eine Datei mit sämtlichen selbst angefertigten Posts und Screenshots zugesandt. Darüber hinaus gehen aber alle Miiverse-Inhalte verloren.

Quellen: Iwata fragt: Wii U, Teil 2: Miiverse: Die Entwickler; Teil 3: Miiverse: Die Produzenten (2012)

Welche Erfahrungen habt ihr in den fünf Jahren mit Nintendos sozialem Netzwerk gemacht? Werdet ihr dem Miiverse hinterhertrauern, oder hat euch der Service überhaupt nicht überzeugen können?

Weiterführende Links: Forum-Thread
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Die Kolumne mit dem Durchblick

Bisher gibt es zehn Kommentare

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  • Avatar von Taurin
    Taurin 30.10.2017, 11:52
    ^^ @Tobias wie geil haha ... da hat Nintendo echt mega Arbeit geleistet mit dem Wortfilter.

    Spieleverlauf is ja vorhanden bei der switch (wann wie lange was gespielt wurde auf dem jeweiligen Profil) Ich würde es detaillierter wollen.
  • Avatar von Tobias
    Tobias 30.10.2017, 11:23
    Find's sehr schade, dass das Miiverse ersatzlos eingestellt wird. Gepostet hab ich zwar nur sehr selten, aber gern mal zwischen Spielsitzungen was gelesen. Sowas fehlt mir auf der Switch komplett. Ansonsten meide ich soziale Netzwerke auch komplett. Die Einbindung von Posts in die Spiele war eine echt tolle Sache, selbst wenn die meisten Posts keine eloquenten Meisterwerke waren. Nur der Wortfilter war leicht übertrieben – ich hab meist auf Englisch geschrieben, und die Präposition „after“ wurde leider nicht zugelassen.

    Zitat Zitat von smario66 Beitrag anzeigen
    Zum Bericht: Den Teil bezüglich der Umstrukturierung des Miiverse und dem damit angeblich einhergegangenen Verlust der Übersichtlichkeit, halte ich für ziemlich tendenziös. Es gibt nirgends offizielle Zahlen die Bestätigen das damals viele Nutzer das Miiverse "verlassen" haben. Und wirklich unübersichtlicher wurde ja auch nichts - im Gegenteil. Von einem einzigen Feed, in dem alle Nutzer einfach alles unstrukturiert reinposten zu einem geordneten System in dem man schnell die beliebtesten oder neusten Inhalte findet. Das soviel rumgemeckert wurde, war halt wieder typisch. Jede Veränderung muss ja direkt erstmal wieder niedergebrüllt werden.
    Ich muss zugeben, dass da natürlich zum Teil mein eigener Eindruck mitschwingt: Nach dem Update war das Miiverse für mich wesentlich unübersichtlicher und dadurch uninteressanter und es wirkte, als hätte die Aktivität auch stark nachgelassen. Im Internet habe ich ganz ähnliche Eindrücke gelesen – massenhaft, es gab kaum eine Stimme, die die Umstrukturierung wirklich gut fand. Es gibt ein Miiverse-Wiki, eine ziemlich verrückte Seite von komischen Leuten, wo jedenfalls der 29. Juli 2015 zum Tag des Untergangs des Miiverse stilisiert wurde (http://le-miiverse-resource.wikia.co...verse_Redesign). Auf Nintendo-Online konnte ich die News zu dem Update leider nicht mehr finden, die dortigen Reaktionen wären ja auch sehr interessant gewesen. Aber auch in anderen News war manchmal zu lesen, dass jemand nach dem 2015-Update kaum noch im Miiverse unterwegs war.


    Wie man der betreffenden Passage im Artikel aber entnehmen kann, war die Umstrukturierung selbst gar nicht der problematischste Teil an diesem Update: „Aber noch umstrittener am Juli-2015-Update waren Neuerungen wie eine Begrenzung auf 30 Posts pro Nutzer und Tag.“
  • Avatar von Naska
    Naska 30.10.2017, 11:07
    Erfolge und Trophäen sind mir relativ egal, sind im bestenfall etwas an dem man sich entlang hangeln kann.
    ABer stimme zu bei Chat, Gruppeneinladung und würde sagen dazu bitte stabilere Serverseitige perfomance bei Splatoon.
    Bin nicht sicher was du bei Spielverlauf genau mit meinst, was man dort bei Freunden noch sehen sollte aber ein Chat zum Nachrichten schreiben und nachsehen für Freunde wär sinnvoll.

    Wenn das Abo kommt setze ich zumindest einen Teil dieser Dinge langsam auch vorraus.
  • Avatar von Taurin
    Taurin 30.10.2017, 10:54
    Ich finds traurig weil Nintendo da n Schritt nach vorn gegangen ist! Fa's ohne Freundescode. Leute für ein Spiel zum zocken gefunden. War wirklich begeistert von den Zeichnungen. Ich hatte auch schon time outs weil ich xbox geschrieben hatte oder discord.... dass war echt kleinlich. Hoffe auf eine Art Ersatz! Muss ja kein Miiverse werden! Aber ein Feed von Freunden in der Freundesliste wär doch nich schlecht. nur privat! Und der Chat is so was von überfällig. Ich könnt eigentlich trollen (zurecht), aber erspar euch das, dafür gibts den virus ^^ .

    Im nächsten Jahr kommt das kostenpflichtige Abo - ich erwarte einen vernünftigen Chat, Gruppeneinladungen, Spielverlauf und feed unter Freunden - und eigentlich sprachchat / der ja schon tot ist zwecks anschlussmöglichkeit - fehlt am Kontroller.

    Bin immer noch gespannt was nintendo da geplant hat

    will ja endlich erfolge oder trophäen bei n games
  • Avatar von smario66
    smario66 30.10.2017, 00:29
    @schurik Wenn du es ganz genau wissen willst, hier: https://miiverse.nintendo.net/settings/download_request

    Zum Bericht: Den Teil bezüglich der Umstrukturierung des Miiverse und dem damit angeblich einhergegangenen Verlust der Übersichtlichkeit, halte ich für ziemlich tendenziös. Es gibt nirgends offizielle Zahlen die Bestätigen das damals viele Nutzer das Miiverse "verlassen" haben. Und wirklich unübersichtlicher wurde ja auch nichts - im Gegenteil. Von einem einzigen Feed, in dem alle Nutzer einfach alles unstrukturiert reinposten zu einem geordneten System in dem man schnell die beliebtesten oder neusten Inhalte findet. Das soviel rumgemeckert wurde, war halt wieder typisch. Jede Veränderung muss ja direkt erstmal wieder niedergebrüllt werden.
    Das Problem des Miiverse waren immer die Nutzer. Gerade zum Ende hab ich dort häufiger irgendwelche Off-Topic-Diskussionen von irgendwelchen Kiddies gelesen (wenn man überhaupt identifizieren konnte, was sie mitteilen wollten). Die Admins hätten mal lieber solchen Kram konsequent löschen sollen.
  • Avatar von Tropicallo
    Tropicallo 29.10.2017, 19:55
    @schurik
    https://www.nintendo.de/News/2017/August/Wichtige-Information-zur-Einstellung-des-Miiverse-Service-1261237.html
  • Avatar von schurik
    schurik 29.10.2017, 19:52
    sehr gut geschriebener und erarbeiteter Artikel! gibt immer seltener sowas. Also ein Lob von mir!

    Ich würde ausserdem gerne wissen wie man den Kommentar bewerkstelligen kann:

    "Wer es bis zum Termin der Einstellung beantragt, erhält von Nintendo eine Datei mit sämtlichen selbst angefertigten Posts und Screenshots zugesandt. Darüber hinaus gehen aber alle Miiverse-Inhalte verloren."

    Habe dazu bei Nintendo nix gefunden.
  • Avatar von Spade
    Spade 29.10.2017, 18:25
    Kommentare anderer Spieler nach einem Level zu lesen war z.B. bei New Super Mario Bros. U ziemlich cool. Aber seit zukünfitge Spiele dann immer Stempel dabeihatten mussten ist das Feature ziemlich gestorben. Plötzlich sah man nur noch inhaltslosen Stempelspam.

    Ansonsten war das Miiverse eigentlich nur mein Tool Screenshots auf den PC zu übertragen.Screenshot im Miiverse posten und über den PC aufrufen. Sehr praktisch.
  • Avatar von Naska
    Naska 29.10.2017, 11:39
    Abgesehen von ca. 2 Wochen Facebook habe ich alle sozialen Netzwerke gemieden... alle? Nein, das Miiverse habe ich genutzt und gemocht.
    Ich finde es Schade das es nicht mehr da ist.
  • Avatar von Starkirby
    Starkirby 29.10.2017, 10:20
    Ich hab das Miiverse hin und wieder zum Zeichnen genutzt. Was war das nicht für ein Krampf! Es gab kaum Werkzeuge, keine Zoomfunktion usw. und wenn man dann Pixel für Pixel setzen muss und die Hand ganz gaaanz ruhig halten...
    Urgh... Aber wenn ein Bild dann fertig war, fand ich schon, dass es sich irgendwie gelohnt hat. Zumindest will ich das glauben...