Seit Anfang 2013 hat Nintendo anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Famicoms sieben NES- und SNES-Klassiker zum Spottpreis von 30 Cent im Wii U eShop veröffentlicht. Mit „Donkey Kong“ erschien nun das letzte 30-Cent-Spiel für die Virtual Console. Hierbei handelt es sich um ein Arcade-Spiel von 1981, das sich aus verschiedenen Gründen als eines der bedeutendsten Videospiele aller Zeiten erweist. Außerdem ist es unglaublich kultig und es ist der erste Auftritt von Mario und Donkey Kong. Die vorliegende Fassung ist aber nicht das Arcade-Original, sondern eine 1986 veröffentlichte NES-Portierung. Ob es heute noch spielenswert ist, erfahrt ihr hier.

Bild

It's on like Donkey Kong!

Der Tischler Jumpman, später bekannt als Mario, hat sich den Gorilla Donkey Kong als Haustier zugelegt. Jumpman ist ein ziemlich durchschnittlicher Typ. Von einem solchen eingesperrt zu werden, lässt sich der eigentlich liebenswürdige Gorilla nicht gefallen. Daher bricht er aus, kidnappt Pauline, die hübsche Freundin seines Herrchens, und verschanzt sich auf der Spitze eines Wolkenkratzers, der noch nicht fertig gebaut ist. Jumpman überlegt keinen Augenblick lang und nimmt trotz seiner körperlichen Unterlegenheit sofort die Verfolgung auf. Wird es ihm gelingen, seine Freundin aus den Händen des Gorillas zu befreien?

Das allererste Jump'n'Run

Von der Seitenperspektive wird Jumpman durch die je einen Bildschirm umfassenden Level gesteuert. Er kann springen, laufen und Leitern hinaufklettern. Über Gegner, Feuer oder hinunterrollende Fässer gilt es zu springen, ansonsten verliert er einen Versuch. In jedem Level gibt es Möglichkeiten, einen Hammer einzusammeln, der ihn kurzzeitig unbesiegbar macht – dafür kann er während dieser Zeit nicht mehr springen. Soweit also nichts Bahnbrechendes, doch der Schein trügt: „Donkey Kong“ gilt als allererstes Jump'n'Run-Videospiel.

Leider macht sich das Alter des Spiels – zum Zeitpunkt dieses Reviews erschien das Originalspiel vor etwa 32 Jahren! – im Umfang bemerkbar. Nach nur drei Leveln ist Pauline befreit und die „Handlung“ abgeschlossen (obwohl diese so minimalistisch ist, gilt „Donkey Kong“ auch als erstes Videospiel mit einer eigenständig erzählten Handlung). Der Spielverlauf jedoch ist noch nicht zu Ende; es gilt nun, die bisherigen Level so lange zu spielen, bis alle Versuche aufgebraucht sind oder die Zeit abläuft. Highscoreknacken halt. Alternativ gibt es in „Donkey Kong“ noch einen schwierigeren und einen Zweispieler-Modus.

Sehr positiv an den „Donkey Kong“-Leveln ist übrigens, dass sich diese sehr stark voneinander unterscheiden. So ist das Spiel zwar schon nach wenigen Minuten abgeschlossen, bietet aber verhältnismäßig viel Abwechslung. Der Schwierigkeitsgrad ist unserer Meinung nach moderat; das erstmalige Durchspielen wird mit dem mehrmaligen Betrachten des Game Over-Bildschirmes verbunden sein, aber danach kennt man die nötigen Tricks und Kniffe zum Abschluss eines Levels. „Donkey Kong“ ist übrigens das erste Videospiel des Entwickler-Gottes Shigeru Miyamoto, und dies wird deutlich ersichtlich dadurch, wie gut durchdacht das Spiel ist.

Bild

Mogelpackung?!

„Donkey Kong“ ist Miyamotos Debütwerk, hat ein Genre begründet und Story in die Videospielwelt gebracht, haben wir bis hierhin gelernt. Also sollte es jeder Videospielbegeisterte einmal gespielt haben. Der Haken daran ist: Die im Wii U-eShop veröffentlichte Fassung ist die NES-Portierung von 1986. In Japan kam sie schon 1983 zum Famicom-Launch heraus und sollte die Rechenleistung der Konsole veranschaulichen. Leider mussten dafür einige Kürzungen hingenommen werden. Neben einigen Animationen aus dem Arcade-Original und dem legendären Spruch „How high can you get?“ fiel ein ganzer Level unter das Schneidebrett. Ja, „Donkey Kong“ hatte ursprünglich vier Level, der sogenannte Zementfabrik-Level wurde in dieser Version aber aus Speicherplatzgründen gestrichen.

Abgesehen davon ist „Donkey Kong“ eher schlecht gealtert. Das Sprungverhalten Jumpmans ist ziemlich eigenartig – er kann in der Luft seine Richtung nicht ändern und nicht sehr hoch und weit springen. Fällt er außerdem schon aus mittlerer Höhe, so stirbt er. Andererseits soll er ja auch kein Superheld sein.

Technik

Die Grafik von „Donkey Kong“ lässt sich ganz einfach beschreiben: Zweckmäßig! Schlecht sieht das Spiel nicht aus; alle Spielelemente sind deutlich sichtbar und alles läuft flüssig. Trotzdem merkt man deutlich, dass diese Portierung ein Famicom-Launchtitel war. Andererseits ist die schlichte Cartoon-Sprite-Grafik kultig und zeitlos. Die Musik hingegen, falls man sie überhaupt so nennen kann, ist wirklich kein Glanzwerk. Im Grunde handelt es sich nur um mehrere Abfolgen einiger Töne, die ungefähr im Sekundenabstand wiederholt werden. Allzu aufdringlich ist dies aber auch nicht; außerdem sei anzumerken, dass die Stücke von Miyamoto selbst komponiert wurden. Die Soundeffekte, die übrigens nicht von ihm stammen, klingen besser.

Bild