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Pokémon Tekken

Pokémon Tekken

Schon lange hatten „Pokémon“-Fansnach einem Prügelspiel aus der Reihe gefragt, in dem man direkt die Kontrolle der Monster übernehmen kann. Diese Idee wurde nun schon vor einiger Zeit zumindest für die Arcade-Hallen in Japan vom „Tekken“-Team umgesetzt. Jetzt steht auch endlich die Heimversion für die Wii U in den Startlöchern und wir haben uns ausführlich durch die Vollversion gekloppt. Unsere Meinung dazu gibt es in der folgenden Review.

Ich will der Allerbeste sein!

Wenn man sich das Hauptmenü anschaut, dann eröffnen sich einem zunächst die Sachen, die man auch erwarten würde. Eine Liga, die Einzelspieler zum Kämpfen motivieren soll, ein einzelner Modus für CPU-Matches, ein Training, und ein lokaler sowie ein Online-Modus. Konzentrieren wir uns zunächst in der Erklärung mal auf den wahrscheinlich interessantesten Modus, der für ganz viel Spaß und Motivation sorgen soll.

In der sogenannten Ferrum-Liga muss man als aufstrebender Trainer nach und nach die verschiedenen Ligen aufsteigen. Dafür bestreitet man zunächst eine Serie an fünf Matches, wodurch man dann im Rang aufsteigt. Sobald man zwischen einen der Plätze eins bis acht kommt, darf man an dem Champion-Turnier teilnehmen. Setzt man sich am Ende an die Spitze, dann kann man den bisherigen Meister in der Liga herausfordern und mit einem Sieg aufsteigen.

Ein Schatten über Ferrum

Überraschenderweise wartet nach einem Sieg in einer der Ligen aber tatsächlich nicht nur eine weitere Liga sondern auch neue Sets an Support-Kämpfer, Kampfarenen aber auch eine kleine Geschichte. Diese handelt von einem Mewtu, das von einem mysteriösen Mädchen begleitet wird. Jedoch erscheint das Pokémon mit sogenannten Synergie-Steinen, die dafür verwendet werden, damit die Trainer die Kraft von Gaia nutzen können, um mit ihren Partner-Pokémon eine Verbindung herstellen zu können. Aber durch die Kraft der Steine ist Mewtu nicht mehr er selbst und sorgt als Schatten-Mewtu für Aufruhr, da es unkontrolliert durch die Region von Ferrum reist. Dabei entzieht er nach und nach die Kraft von Gaia und natürlich liegt es am Spieler, die Bedrohung aufzuhalten.

Auf den ersten Blick ist die Liga und die Geschichte ein guter Rahmen für das Prügelspiel, jedoch macht sich schnell Ernüchterung breit. Das rührt nicht nur von der total belanglosen Story, die wirklich niemanden vom Hocker hauen wird, sondern auch von der viel zu abwechslungsarmen Liga. Im Grunde kämpft man sich nur durch die über 120 Kämpfe aber schon nach kurzer Zeit stellt sich eine Routine ein, weshalb ich innerhalb von knapp acht bis zehn Stunden auch schon als ungeschlagener Champion alle Ligen durch hatte. Aber spätestens schon nach der ersten Liga wurde es mehr zu einer Aufgabe als zu Spaß, sich immer wieder durch die gleichen Kämpfe durchzuquälen. An sich war die Ferrum-Liga eine wirklich gute Idee, um die Spieler an „Pokémon Tekken“ zu binden, jedoch macht diese durch den immer gleichen Aufbau irgendwann einfach keinen Spaß mehr.

Phasen-Wechsel

Das kommt aber auch durch das Gameplay an sich, das auch hier auf den ersten Blick eigentlich sogar überzeugen kann. Der Kampf ist in zwei Phasen unterteilt: die Feld- und die Kampfphase. In der ersteren, die aus einer 3D-Ansicht aus gesteuert wird, muss der Gegner durch eine Combo, einen Wurf oder einen Konter weggeschleudert werden. Vor allem hier sind Fernattacken vom Vorteil, die nicht nur guten Schaden machen, sondern oft auch als Combostarter verwendet werden können.

Wechselt die Phase zum Kampf, dann werden sich „Tekken“-Spieler aber auch Anfänger sofort zurechtfinden können. Denn mit dem Wechsel ist auch die Ansicht aus einem leicht angewinkelten 2D. Mit einfachen Combos, die nur wenig Skill an den Knöpfen benötigen, leert sich der Balken der Gegner relativ schnell. Damit aber nicht sofort Schluss ist, hat man sich noch mehrere Systeme einfallen lassen. Sehr offensichtlich dabei ist einmal das Support-Pokémon, das man abhängig von der Aufladungs-Zeit ein bis zweimal in einer Runde verwenden kann. Dafür stehen knapp 15 Sets aus verschiedenen Pokémon zur Verfügung, die entweder den Gegner angreifen, einen selbst durch Buffs helfen oder auch als Konter agieren, wenn der Kontrahent angreift. Leider sind diese Sets vorgegeben und können nicht untereinander ausgetauscht werden.

Synergie mit deinem Pokémon

Ist man selbst kurz vor dem Ende oder will den Kampf mit einem Knaller beenden, dann geht man in den Synergie-Boost. Durch diesen werden nicht nur der Angriff oder die Verteidung erhöht, sondern auch eine Spezial-Attacke ermöglicht, die zwar vom Gegner geblockt werden kann, aber bei einem Treffer dafür ordentlich Schaden macht. Alle vorhandenen Systeme im Kampf sind sehr leicht zu erlernen und benötigen so gut wie keine Prügelspiel-Erfahrung. Profis werden eigentlich nur dann ihre kurzweilige Freude daran haben, wenn sie große „Pokémon“-Fans sind.

Unbalanciertes Combo-Scaling

Leider hat Bandai Namco aber eine Sache total in den Sand gesetzt, was das Spiel zu einem Button-Mashing-Fest werden lässt. Denn auch wenn die Kämpfe an sich Spaß machen und schick aussehen, so ergibt es keinerlei Sinn, eine lange Kombo mit mehreren Fähigkeiten auszuführen, da das sogenannte Combo-Scaling sehr hoch ist. Um ungefähr zu erklären, welche Auswirkungen das auf den Kampf hat: Während man dem Gegner zum Beispiel mit einer 10-Hit-Kombo knapp 300 Schaden wegmacht, reicht es schon aus, die eingesetzten Moves einfach einzeln beziehungsweise in zweier bis dreier Kombos auszuführen, wodurch der Kontrahent meist schon aus dem Leben getreten ist, da die ersten Angriffe immer mehr Schaden machen. Wer also den Konter und vielleicht noch den Wurf oder den Synergie-Boost zusammen mit Button-Mashing perfektioniert, der kann jeden Kampf mit Leichtigkeit für sich entscheiden. Dadurch verkommt „Pokémon Tekken“, obwohl das Grundprinzip Spaß macht, zu einer hirnlosen Prügelei im „Pokémon“-Gewand.

Das „Pokémon“ in „Pokémon Tekken“

Genau dieses ist wahrscheinlich auch das, was die Fans am meisten interessieren wird: Wie viel „Pokémon“ steckt eigentlich in „Pokémon Tekken“? Da wäre zum einen die Möglichkeit, jedes der 16 Partner-Pokémon bis auf Level 100 trainieren zu können. Nach jedem Stufenaufstieg kann man sich für eine Erhöhung des Angriffs, der Verteidigung oder auch anderen Werten, die den Synergie-Boost und den Support verbessern. Jedoch ergibt dieses System wenig Sinn, da sich die Computer-Gegner an den eigenen Charakter anpassen, weshalb man auch mit einem Level-1-Taschenmonster ohne Probleme die letzte Liga schaffen kann. Zwar kann man im lokalen Modus das Level anwenden, aber auch dort macht das nur wenig Unterschied. Ansonsten findet es keinerlei Verwendung, weshalb man auch darauf hätte verzichten können.

Zum anderen gibt es in den Kämpfen tatsächlich auch Stati wie Paralyse, die aber natürlich in einem Prügelspiel nicht ganz so starke Auswirkungen haben. Dadurch sind die Aspekte, die aus den „Pokémon“-Spielen entnommen wurden, eher nur nebensächlich und werden nicht der Grund sein, wieso Fans zu „Pokémon Tekken“ greifen werden. Aber insgesamt ist das Spiel für zwischendurch schon in Ordnung und kann vor allem nach einer kurzen Eingewöhnungsrunde Spaß machen. Auch die vorhandenen Pokémon sind allesamt spielerisch nicht allzu unterschiedlich und mit 16 Kämpfern, wovon leider nur zwei freischaltbar sind, hat man schnell seinen Favoriten gefunden. Wir empfehlen übrigens die amiibo-Karte für Schatten-Mewtu nicht zu verwenden, da so ein großer Teil der Motivation, sich durch die Ferrum-Liga zu kämpfen, verloren geht.

Was erwartet die Einzelspieler noch so?

Weiter profiliert das Spiel nicht wirklich mit Umfang. Natürlich kann die Liga zu Beginn überzeugen, wird dann aber schnell langweilig. Die Einzelspieler-Kämpfe gegen die Computer sind kaum der Rede wert und das Training nur Nebensache, denn außer einem sehr flachen Combo-Training, einer kurzen Erklärung aller Moves und einem generellen Übungs-Modus, der nicht gerade durch Funktionen strotzt, kann man als Einzelspieler-Liebhaber nichts erleben. Noch nicht einmal ein typischer Time- oder Score-Attack sowie normaler Arcade-Modus ist vorhanden. Auch das erspielte Geld kann nur für Accessoires für den eigenen Avatar verwendet werden, was wirklich niemanden motivieren wird, die vorhanden Modi immer wieder anzugehen.

Lokales Ruckelfest

Deshalb bleibt einem danach nichts anderes übrig, als in den Multiplayer zu starten. Wie schon in der Vorschau angemerkt, ist der lokale Modus mit nur einer Wii U höchstens kurzweilig zu empfehlen, und lässt nur wenig Spaß aufkommen. Während der eine Spieler auf den Fernseher schaut, muss der andere zwingend auf das GamePad starren, was durch die doppelte Darstellung dazu führt, dass das Geschehen nur noch in 30 FPS dargestellt wird. Die Kämpfe sind am Anfang aber einfach viel zu wild und unübersichtlich, was bei dieser zu niedrigen Framerate, die bei Kampfspielen so hoch wie möglich sein sollte, jegliche Freude und Motivation, besser zu werden, komplett zerstört. Wer wirklich nur für den lokalen Prügelspaß mit nicht Videospiel versierten Freunden zugreifen möchte, der sollte doch lieber mit „Super Smash Bros.“ liebäugeln.

Spaßiger wird es dann schon im LAN-Modus, in dem jeder seinen eigenen Fernseher hat. Das Setup werden aber wahrscheinlich nur die wenigsten Spieler wirklich regelmäßig aufgebaut haben, aber wenn doch, dann steht dem Spaß für einen Abend nicht mehr viel im Wege. Ansonsten kann man auch auf die Online-Anbindung zurückgreifen, die mit Rang-Kämpfen und freien Matches zwar nicht viele Optionen bietet, aber dennoch seinen Zweck erfüllt.

Downgrade, aber dennoch hübsch

Grafisch muss man bei „Pokémon Tekken” im Vergleich zur Arcade-Fassung doch ein paar Abstriche vor allem in Bezug auf Schatten, Lighting und Texturen machen. Aber trotzdem sieht das Spiel vor allem auf dem GamePad echt schick aus und kann mit einer bunten Optik sowie schönen Modellen der Taschenmonster überzeugen. Die wahlweise japanische oder englische Sprachausgabe erfüllt ihren Zweck und der Soundtrack ist eher an die Elektro-Klänge aus „Tekken” angelehnt, was das Spielgeschehen aber passend untermalt.

Weiterführende Links: Forum-Thread

Fazit & Wertung

„Pokémon Tekken” ist vom Gefühl her ein sehr klassisches Prügelspiel, das die beiden Reihen auf den ersten Blick gut miteinander verschmelzen lässt, aber bei näherer Betrachtung doch einiges an Potenzial auf der Strecke liegen lässt. Keiner der beiden Fangemeinden werden große Begeisterungsstürme für das Spiel auslösen. Nichtsdestotrotz ist es toll, dass der Prügler endlich seinen Weg auf die heimischen Bildschirme gefunden hat, denn für eine kurze Runde taugt es allemal.
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Bisher gibt es zehn Kommentare

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  • Avatar von Lexx
    Lexx 16.03.2016, 13:05
    Thema lokaler multiplayer:
    Ruckelt es oder läuft es in 30 Frames? Wenn es lediglich 30 Frames sind, dann ruckelt es doch nicht ^^. Oder anders gefragt: Ruckelt nach meinung des testers auch Twilight princess hd?
  • Avatar von Brixo125
    Brixo125 15.03.2016, 21:17
    Also mir gefällt das "unbalancierte Combo-Scaling" nicht. Hätte es besser empfunden, wenn gelten würde, je mehr Hit-Kombos man macht, desto höher ist dabei der einzelne Schaden. Echt schade :/
  • Avatar von Tiago
    Tiago 15.03.2016, 18:29
    Irgendwie scheint die Kluft bei den Reviews schon recht weit auseinander zu gehen. Viele finden das Spiel richtig gut und loben vor allem die Zugänglichkeit und das Kampfsystem und wiederum andere nörgeln am Kampfsystem rum. Außerdem hängen sich recht viele auch am monotonen Singleplayer auf, wobei ich ehrlich gesagt nicht verstehen kann, warum jemand da etwas besonderes erwartet hat. Schon echt eine komische Sache. Ich denke mal, dass man als Pokémon- und Prügelspiel-Fan damit auf jeden Fall seinen Spaß haben kann, sofern man da jetzt nicht DAS PRÜGELSPIEL schlechthin erwartet. Ich für meinen Teil bleibe mal optimistisch und freu mich drauf.
  • Avatar von Heldengeist
    Heldengeist 15.03.2016, 17:17
    Etwas am hadern war ich schon noch, ob ich nicht doch zuschlage. Aber die Probleme und die mageren Reviews haben mich jetzt doch eher abgeschreckt. Eventuell gucke ich bei einer Abwärtskompatibilität von NX einmal genauer hinein. Vielleicht hätte man, aufgrund der technischen Limitierungen, die dem Spiel zu schaffen machen, daraus einen NX-Launchtitel machen sollen.
  • Avatar von Darkmask
    Darkmask 15.03.2016, 16:49
    Ich rieche eine Ultimate Editon für NX.
  • Avatar von $ilver
    $ilver 15.03.2016, 16:10
    man munkelt, es gäbe schon einen Patch!
  • Avatar von Laritou
    Laritou 15.03.2016, 16:06
    Zitat Zitat von Garo Beitrag anzeigen
    Der Punkt "Lokales Ruckelfest" hat's für mich besiegelt. Kauf ich nicht. Echt schade, hatte ziemlich Bock drauf.
    Sehe das ähnlich. Gerade in einem Spiel in der Art wie Tekken ist ein ruckelnder Lokal Multiplayer mmn ein No-Go. Vielleicht gibts ja die Möglichkeit, dass es noch ausgebessert wird und ein Patch erscheint?

    Hoffen darf man ja
  • Avatar von lacoti
    lacoti 15.03.2016, 15:56
    Hm, hört sich jetzt nicht so super an. Da warte ich lieber noch etwas und schlage dann zu, wenn es für etwas weniger Geld zu haben ist. An sich hab ich nämlich schon Interesse.
  • Avatar von $ilver
    $ilver 15.03.2016, 15:54
    Ok, recht interessant das Spiel, vor allem in Bezug auf die Reviews ...
    Habs für mich gar net in Erwägung gezogen, aber natürlich auch andere Reviews gelesen und muss sagen, dass es generell extrem gut wegkommt. Zumindestens viel besser als ich gedacht hätt. Zum Glück sind ja Reviews nie allgemeingültig.

    Ist echt interessant, dass einige Aspekte komplett anders betrachtet werden bei diesem Spiel, je nach Reviewer.
    Hab teilweise das Gefühl, das verschiedene Rezensionsexemplare rausgegeben worden sind.
    (Ist mir ganz krass bei eurer Kritik am Kampfsystem aufgefallen, weil gerade das bei anderen sogar gelobt wird. Die technischen Schwächen scheinen da auch nicht so ausgeprägt gewesen zu sein )

    Also für mich isses jetzt erstmal (auf Grund der meisten eher positiven Stimmen) auf die Wunschliste gerutscht, wobei ich wohl auch noch auf ne Preissenkung warten werde, sollte ich mich noch dafür entscheiden.
  • Avatar von Garo
    Garo 15.03.2016, 15:47
    Der Punkt "Lokales Ruckelfest" hat's für mich besiegelt. Kauf ich nicht. Echt schade, hatte ziemlich Bock drauf.