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Nintendo: Saudi Arabien erwirbt erneut Anteile

von

Marco Lipke

15. Februar 2023
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Es ist eine erneut beunruhigende Entwicklung: Der Public Investment Fund von Saudi Arabien hat weitere Anteile an Nintendo erworben und besitzt somit insgesamt 7,08% des japanischen Videospielherstellers. Der PIF ist für die Verwaltung des Staatsgeldes verantwortlich und wird von Kronprinz Mohammed bin Salman selbst geleitet.

Bereits im Mai vergangenen Jahres schockierte der Erwerb von 5,01% die Videospieler*innen, seinerzeit bestätigte Nintendo aber, dass das Unternehmen selbst nichts von bin Salmans Vorhaben gewusst habe. Erst im vergangenen Monat folgte dann eine weitere Investition, weshalb davon auszugehen ist, dass es bei der nun dritten nicht bleiben wird. Die Strategie des Landes ist dabei eindeutig: Um nicht mehr so stark vom Öl abhängig zu sein, wird aktuell aggressiv in die Videospielwelt investiert. So wurden bereits 5% von Capcom erworben, und große Investitionen in Activision Blizzard und Electronic Arts getätigt. Zudem hat das Land 13,3 Milliarden Dollar zur Seite gelegt, um einen führenden Publisher zu erwerben.

Solch eine News lässt sich nicht niederschreiben, ohne sie in einen Kontext zu setzen. Saudi Arabien ist nämlich in den vergangenen Jahren neben seinen Investitionen und dem Ausbau der Städte für seine Menschenrechtsverletzungen regelmäßig in den Schlagzeilen. Am profiliertesten war der Fall des kritischen Journalisten Jamal Khashoggi, der im saudi-arabischen Generalkonsulat in der Türkei ermordet wurde. Berichten zufolge soll dies auf dem ausdrücklichen Wunsch von Mohammed bin Salman geschehen sein, vor wenigen Monaten empfahl die US-Regierung allerdings, die juristische Immunität des Kronprinzen zu respektieren, weshalb Khashoggis Witwe in den USA keine Anklage erheben kann. Auch abseits davon gehört die systematische Diskriminierung von Frauen zum Alltag, während Homosexualität nicht nur verboten ist, sondern auch mit der Todesstrafe sowie chemischen Kastrationen geahndet werden kann. Dass unabhängige Journalist*innen, Akademiker*innen und weitere kritische Stimmen eingesperrt und gefoltert werden, gilt leider ebenfalls als bestätigt.

Sollte Saudi Arabien seinen Einfluss auf die Videospielindustrie erweitern, könnte das durchaus negative Folgen haben. Somit wäre nämlich die Darstellung queerer Personen, die sich in den vergangenen Jahren stark verbessert hat, ebenso undenkbar wie politische Kommentare, auf die Videospiele seit mehreren Generationen aufbauen. Zumindest aktuell besteht die Gefahr aber noch nicht, denn zwar gehört Saudi Arabien zu den größten Anteilseignern von Nintendo, ein Mitspracherecht steht ihnen deshalb aber nicht zu. Derweil ist Nintendo vor einigen Monaten in den Schlagzeilen gewesen, weil die Firma die homosexuellen Partnerschaften der eigenen Mitarbeiter ebenso wertet, wie heterosexuelle Ehen - obwohl japanische Gerichte weiterhin die gleichgeschlechtliche Ehe verbieten. 

videogameschronicle.com

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