Ubisoft hatte in den vergangenen Jahren mit diversen Schwierigkeiten rund um die Unternehmensstruktur, die Geschäfte und den eigens produzierten Videospielen zu tun. Nun kündigte man angesichts der sich zuspitzenden wirtschaftlichen Lage deutliche Umstrukturierungen an, die das Ziel von Einsparungen und Effektivitätssteigerungen mit sich bringen sollen. In einem Interview mit gamesindustry.biz erläuterte Senior Vice President of Studio Operations Marie-Sophie de Waubert welche Änderungen nun auf das Unternehmen zukommen.
Gestrichene Spiele & Studioschließungen
Hinsichtlich laufender Projekte bedeutet dies: Sechs Spiele wurden gestrichen, darunter auch Projekte aus bekannten Marken sowie drei neue IPs. Zusätzlich werden sieben weitere Spiele verschoben, um laut Ubisoft höhere Qualitätsstandards zu erreichen. Berühmtestes Opfer der Streichungen ist dabei das Remake zu Prince of Persia: The Sands of Time.
Dies geht einher mit Studioschließungen. Zuletzt wurde bereits Ubsisoft Halifax und nun das Studio in Stockholm geschlossen. Ubisoft beschäftigt auch in Deutschland rund 800 Mitarbeitende, ob es auch hierzulande Auswirkungen geben wird, ist derzeit nicht klar.
Creative Houses: Neue Struktur bei Ubisoft
Auch die Unternehmensstruktur wird einer Generalkur unterzogen. Fünf Creative Houses übernehmen künftig die vollständige kreative sowie finanzielle Verantwortung für die im Unternehmen vorhandenen Markenportfolios – von Open-World-Abenteuern bis hin zu Service-Games und familienfreundlichen Titeln. Welche Studios welchem Creative House zugeordnet werden wird, ist bisher unklar. Im Detail gestaltet sich die Struktur nun so:
Creative House 1: Vantage
Schwerpunkt: Open-World-Blockbuster & langlebige Marken
Typische Spiele: Assassin’s Creed, Far Cry, Rainbow Six
Eigenheiten:
- Fokus auf große AAA-Franchises
- Starke Ausrichtung auf Markenpflege und Langzeit-Strategien
- Mehrere internationale Studios unter einem Dach
- Hoher Anspruch an technische Qualität und Produktionswerte
Creative House 2: Competitive & Co-op Shooter
Schwerpunkt: Taktische und kompetitive Actionspiele
Typische Spiele: Ghost Recon, Splinter Cell, The Division
Eigenheiten:
- Konzentration auf Shooter mit Multiplayer- und Koop-Fokus
- Stärker service-orientierte Weiterentwicklung bestehender Reihen
- Zielgruppe: Core-Gamer und kompetitive Communities
Creative House 3: Live Experiences
Schwerpunkt: Laufend erweiterte Online- und Action-Erlebnisse
Typische Spiele: Brawlhalla, For Honor, Riders Republic, Skull and Bones, The Crew
Eigenheiten:
- Fokus auf Live-Service-Modelle
- Regelmäßige Updates, Events und Seasons
- Kombination aus Action, Sport und experimentelleren Konzepten
Creative House 4: Narrative & Fantasy Worlds
Schwerpunkt: Story-getriebene und fantastische Spielwelten
Typische Spiele: Anno, Beyond Good and Evil, Might and Magic, Prince of Persia, Rayman
Eigenheiten:
- Stärkerer Fokus auf Erzählung, Weltaufbau und Atmosphäre
- Mischung aus etablierten Klassikern und kreativen Nischenmarken
- Soll kreative Vielfalt und Identität stärken
Creative House 5: Family & Casual Games
Schwerpunkt: Zugängliche Spiele für ein breites Publikum
Typische Spiele: Just Dance, UNO, Hungry Shark, Hasbro-Lizenzen
Eigenheiten:
- Ausrichtung auf Familien, Casual-Spieler und Mobile
- Hohe Reichweite, einfache Zugänglichkeit
- Stärker auf regelmäßige Releases und Markenkooperationen ausgelegt
Alle Mitarbeiter sollen zudem wieder fünf Tage pro Woche im Büro arbeiten, ergänzt durch ein jährliches Homeoffice-Kontingent. Ubisoft sieht darin einen wichtigen Faktor für Effizienz und Kreativität.
Große Maßnahmen - Ein Ziel
Ziel der umfangreichen Maßnahmen ist vornehmlich die Kostensenkung von 200 Millionen Euro in den kommenden 24 Monaten. Insgesamt sollen die Fixkosten bis 2028 um rund 500 Millionen Euro sinken.
Hinsichtlich der Anzahl der in Zukunft zu veröffentlichen Spiele äußerte sich Chief Financial Officer (CFO) von Ubisoft wie folgt:
In der Tat reduzieren wir die Anzahl der Produkte, damit wir für jedes einzelne Projekt und jedes einzelne Genre die besten Kernteams haben. Das erfordert von uns, dass wir uns tief und eng spezialisieren, und genau das ist der Zweck dieses Neustarts. (via gamesindustry.biz)
Weiterhin bestätigte man die Arbeit an vier neuen IPs.
Die Umstrukturierungsmaßnahmen sind ein wahrer Paukenschlag, von der die Gamesbranche sicher mehr als nur eine Notiz machen wird. Laut Ubisoft möchte man in Zukunft effektiver und erfolgreicher sein und zu den Besten im Gamesbereich zu gehören. Die Zukunft wird zeigen, wie effektive die nun bekanntgegbenen Maßnahmen fruchten.





