Es brauchte zwei neue Hauptteile, ein Remaster und zahlreiche DLCs für die Trilogie, bis der Ableger „Xenoblade Chronicles X“ endlich seinen Weg auf Nintendo Switch fand. Trotz einiger Verbesserungen stand dem Spiel aber auch auf der portablen Konsole die Technik im Weg, die zwar akzeptabel war, das Spiel aber zurückhielt. Viele Spekulationen um eine mögliche Nintendo Switch 2-Version bewahrheiteten sich dann endlich, als diese plötzlich erschien. Doch kann sie den hohen Erwartungen gerecht werden?

Aufbruch in eine neue Welt
Bereits zur Veröffentlichung vor knapp einem Jahr haben wir „Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition“ getestet. Kurzform: Das Abenteuer auf dem mysteriösen Planeten Mira konnte auch nach all den Jahren noch begeistern. Als Charakter, den Spielende selbst erstellen dürfen, geht es nach einer holprigen Landung nach New Los Angeles, wo der Plan deutlich wird: Den Planeten erkunden und das Überleben der Menschheit sichern.
Wer die drei Hauptteile kennt, muss sich ein bisschen umgewöhnen, denn die Handlung steht nicht immer im Fokus. Zwar gibt es interessante Charaktere, viele kleine Geschichten und natürlich die Hauptmotivation herauszufinden, was auf dem Planeten geschieht. Auf die großen beeindruckenden Wendungen und Zwischensequenzen muss man aber mitunter lange warten. Der Fokus liegt nämlich darauf, den Planeten selbst zu erkunden.

Gigantischer geht es kaum
Glücklicherweise ist Mira tatsächlich das Highlight des Spieles. Anfangs gibt es noch die klassischen grünen Flächen, der Planet bietet aber abwechslungsreiche Schauplätze, die beeindrucken und dafür sorgen, dass man sich in ihnen verliert. Genug zu tun gibt es ebenso, dank zahlreicher Quests, die den Charakteren Leben einhauchen, aber auch durch die verschiedenen Monster, Gegner und Geheimnisse, die man regelmäßig aufdeckt. Eine Karte mit Fortschrittsanzeige motiviert zudem, tatsächlich alles zu erforschen. Und wer das macht, wird definitiv über 100 Stunden beschäftigt sein.
Und dann gibt es natürlich den Wendepunkt in Form der Skells. Das sind Mechs, mit denen man nicht deutlich stärker unterwegs ist, sondern auch höher springen kann, um sogar Berge schneller zu erklimmen. Und sobald man mit ihnen fliegen kann, entfaltet sich das vertikale Design vollends und Mira erhält eine völlig neue Erkundungsebene. Offene Welten in Videospielen sind alles andere als einzigartig, und dennoch schaffte es „Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition“ einen authentischen Planeten zu erschaffen, den man nur ungerne verlässt.
Für das RPG-Herz
Das Kampfsystem ist für Fans der Reihe bekannt. Die Charaktere kämpfen automatisch, sobald eine Konfrontation mit Gegnern startet und von da an beginnt das Stellungsspiel. Je nachdem, wo man sich befindet, und welche besonderen Angriffe man manuell ausführt, werden Gegner nämlich umgeworfen oder erhalten mehr Schaden. Das System wird im weiteren Verlauf durchaus komplex, da es verschiedene Waffentypen gibt, zwischen denen durchgewechselt wird, und die Fülle an Fähigkeiten, Angriffen und Kombinationen schier unendlich wirkt. Doch da alle Systeme in einem angenehmen Tempo eingeführt werden, fühlt man sich nie überfordert. Auch Abseits der Kämpfe dreht sich alles darum, denn Spezifikationen, neue Partymitglieder und die Ausrüstung sorgen für einen wunderbaren Gameplay-Loop, bei dem man sich stetig verbessert und eindeutige Ziele verfolgt.

Eine enttäuschende Verschlimmbesserung?
All diese Lobeshymnen lassen sich auch schon auf die Nintendo Switch-Version singen. Doch das heiß begehrte Upgrade verspricht vor allem technische Verbesserungen. Das sind primär etwas schnellere Ladezeiten, die aber nicht weit hinter der Nintendo Switch 1-Version liegen, sowie – und das ist mit Abstand der größte Vorteil – endlich flüssige 60 FPS im gesamten Abenteuer. Nachdem die 30FPS bislang etwas hakelig waren, und auf der Vorgängerkonsole auch kleine Ausreißer nach unten hatten, ist das flüssige Erlebnis nun endlich perfekt.
Leider hört hier die Lobeshymne dann auf, denn wer von der Nintendo Switch 2-Version gelesen hat, dürfte wissen, dass die Bildqualität nicht nur enttäuschend, sondern mitunter schlechter als auf Nintendo Switch 1 ist. Dabei klingt das auf dem Papier erstmal anders: Bis zu 4K im TV-Modus und 1080p im Handheld-Modus werden versprochen und größtenteils auch abgeliefert. Das Problem liegt aber in der Nachbereitung: Da es sich nur um eine Hochskalierung handelt, nutzt der Titel möglicherweise eine Form von DLSS, die dafür sorgt, dass insbesondere Texturen im Hintergrund verwaschen aussehen - die exakten Gründe sind aber unbekannt. Auch abseits davon wirkt es, als ob ein Schleier über dem Bildschirm liegt. Das war für einige Grund genug, zurück zur ursprünglichen Version zu wechseln. Im Test lässt sich das Problem gemischt auswerten: Nach einiger Zeit gewöhnt man sich an das Bild und genießt die Vorteile der 60FPS, aber es sollte bei einem kostenpflichtigen Upgrade nicht der Fall sein, dass man sich mit einem unschöneren Bild zufrieden geben muss. „Xenoblade Chronicles X“ wird dadurch nicht unspielbar, das enttäuschende Problem ist aber auch für das ungeschulte Auge sichtbar. Kleines Trostpflaster: Am TV fällt das weniger auf.
Leider waren das auch schon alle Anpassungen. Insbesondere die aufploppenden Objekte bleiben bestehen, was in Städten derart stark auffällt, dass man sich immer wieder fragt, wieso nicht mehr Arbeit in die neue Version gesteckt wurde. Bleibt nur zu hoffen, dass Updates hier Besserung verschaffen – und bei weiteren Switch 2-Upgrades der Reihe aus den Fehler gelernt wird. Nach zwei Monaten ohne Informationen steigt allerdings der Frust.
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