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Rage in Peace (eShop)

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Rage in Peace (eShop)

Wie schwierig darf ein Spiel sein? Dieser Frage sind in den letzten Jahren zahlreiche Entwickler auf den Grund gegangen, mal mit mehr, mal mit weniger großem Erfolg. „Rage in Peace“ möchte ebenfalls ein kniffeliges Abenteuer bieten, überschreitet dabei aber bewusst die Grenze zwischen knackiger Herausforderung und schlichtweg brutalem Schwierigkeitsgrad. Ob dieser Ansatz zu Spaß oder Frust führt, haben wir herausgefunden.

Fallenwelt

Das Spielprinzip ist eigentlich schnell erklärt. Der Hauptcharakter Timmy muss wie in einem klassischen Jump and Run Hindernissen ausweichen und mit seinem Doppelsprung das Ende verschiedener Level erreichen. Der große Clou an „Rage in Peace“ ist jedoch, dass nahezu jede Falle unfair platziert ist. Mal springt ein Geist aus einem Bürostuhl, mal bewegen sich Sägeblätter in einem unvorhersehbaren Muster, mal tauchen Gegner aus dem Nichts auf und töten Timmy, sodass der Spieler vom letzten Checkpoint aus starten muss. Demnach besteht das Spielprinzip daraus, die Position der Fallen auswendig zu lernen und immer wieder an ihnen zu sterben, bis man fehlerfrei zum nächsten Checkpoint gelangt. Bereits im Büro, in dem das Abenteuer beginnt, ist das nicht unbedingt einfach, und in den späteren Leveln erhöht sich der Schwierigkeitsgrad kontinuierlich.

Die Gründe der Wut

In den ersten Momenten wirkt die Idee noch interessant. Es gibt nicht viele Spiele, in denen der Spieler trotz perfekter Reaktionen nicht jede Herausforderung bestehen könnte. Leider entwickelt sich das Spiel zur reinsten Frustration. Die Formel wird nie aufgelockert und in späteren Gebieten weiß man, dass jeder Schritt zu einer Falle führt und man keine Chance hat, möglichst schnell das Ende zu erreichen. Neben dem Gedächtnis wird auch das Reaktionsvermögen auf die Probe gestellt, denn Sprünge müssen mitunter perfekt ausgeführt werden, damit man nicht stirbt. Zumindest steigt man schnell wieder in das Geschehen ein, wenn eine Falle zum Tod führt, und ein Zähler am oberen Bildschirmrand zeigt an, wie oft man gestorben ist. Bereits die Gegner verändern willkürlich ihr Verhalten, sodass man sich die Position merken muss um zu wissen, ob ein Frosch Stacheln ausfährt oder doch zwei Zungen ausstreckt. Ja, die Level werden sehr surreal.

Das große Problem ist der fehlende Spielspaß. Das Auswendiglernen ist absichtlich unfair gestaltet und somit kommt es automatisch zu frustrierenden Situationen. Dem Spieler wird nie die Chance gegeben, rechtzeitig zu reagieren, denn jede Falle wurde in dem Gedanken gestaltet, dass der Spieler im besten Fall mindestens einmal daran scheitert. Die ständigen Wiederholungen können nur eine bestimmte Zeit lang unterhalten und die Machtlosigkeit wird schnell dazu führen, dass jeder einzelne Schritt zur Qual wird da man weiß, dass der Erfolg erst möglich ist, wenn man mehrfach gestorben ist. Das stellt keine Herausforderung dar, sondern eliminiert den Spielspaß konsequent.

Fesselnde Handlung

Normalerweise schreckt die Tatsache, dass das Gameplay nur frustrierend ist, direkt ab. Das Tragische an „Rage in Peace“ ist allerdings, dass jeder andere Aspekt des Spiels sehr überzeugen kann. Das beginnt schon bei der Geschichte. Timmy ist kein typischer Held, sondern eine Person, deren Leben eintönig verläuft. Als der Tod plötzlich erscheint und ihm sagt, dass er stirbt, wirkt der Hauptcharakter zwar kurz verwundert, gerät jedoch nicht in Panik. Merkwürdigerweise will der Tod sein Leben aber nicht sofort nehmen, sondern gewährt ihm die Chance, seinen Traum zu erfüllen – gemütlich im eigenen Bett zu sterben. Das klingt merkwürdig, und hinter den sehr amüsanten und lustigen Dialogen steckt eine tiefere Geschichte, die zum Nachdenken einlädt. Was haben Zwischensequenzen mit der Handlung zu tun, die über komplett andere Themen spricht? Wieso hilft der Tod Timmy? Und wieso entwickelt sich die Welt um ihn herum zur Hölle, in der sich sogar sein Boss in ein Biest verwandelt? Die Geschichte bleibt faszinierend und man möchte sich durch die zähen und frustrierenden Level durchbeißen, alleine um das Finale zu erleben. Etwas einfacher wird das durch den Goldfisch-Modus, in dem die Zahl an Checkpoints deutlich erhöht wird, was den Ablauf leicht angenehmer gestaltet.

Lebendige Zeichnungen

Auch der gezeichnete Still weiß zu überzeugen. Die kleinen Details in den Leveln, die verschiedenen Kulissen sowie die liebevollen Charaktere sind durchweg ansprechend. Hinzu kommt ein wunderbarer Soundtrack, der mit hoffnungsvollen sowie melancholischen Tönen hantiert und die besten Momente in der Geschichte noch stärker macht. Alles in „Rage in Peace“ zeugt von einem talentierten Team, das in allen Punkten Volltreffer landen konnte, außer im wichtigsten: dem Gameplay. Am Ende bleibt lediglich die Frage offen, ob die Handlung stark genug ist, um einen Durchlauf zu rechtfertigen. Da man mehr Zeit damit verbring, ständig unfairen Fallen auszuweichen als den Dialogen zu folgen, lautet die Antwort für viele Spieler leider „nein“.

Weiterführende Links: Forum-Thread

Fazit & Wertung

„Rage in Peace“ wartet mit einer interessanten und starken Geschichte auf, die durch einen schönen Artstil und einen fantastischen Soundtrack begleitet wird. Leider stellt das Gameplay das genaue Gegenteil dar, denn die unfairen Fallen motivieren bereits nach kurzer Zeit nicht mehr, die Positionen auswendig zu lernen. Stattdessen ergibt sich eine Frustspirale, bei der man bereits ahnt, dass jeder Schritt zum vorherigen Checkpoint führt. Das ist extrem schade, denn mit einem spaßigerem Spielprinzip hätte sich das Spiel zu einer echten Indie-Perle entwickeln können.

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