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World of Final Fantasy Maxima...

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World of Final Fantasy Maxima (eShop)

Die Welten von „Final Fantasy“ sind schier unendlich. Neben zahlreichen Hauptablegern, Spin-Offs und anderen Projekten, die mit der Marke verbunden sind, erschien 2016 ein Spiel, das die Reihe feiern wollte. „World of Final Fantasy“ wurde zwar nicht zum großen Wurf, überzeugte die Fans aber und wusste durch seinen unvergleichlichen Charme zu begeistern. Ob das auch noch heute gilt, und ob die erneuerte Fassung „World of Final Fantasy Maxima“ Gründe bietet, sich ein weiteres Mal in das Abenteuer zu stürzen, haben wir für euch herausgefunden.

Doppelte Amnesie

Die Geschichte beginnt eigentlich normal, schließlich will der junge Lann nur zur Arbeit. Dort sucht ihn seine Schwester Reynn auf, die bemerkt, dass sich keine anderen Menschen in der Stadt befinden. In einer recht wirren Szene wird den beiden erklärt, dass sie ihre Erinnerungen verloren haben und einst eine Horde an Mirage geführt haben, kleine Wesen in Form von Gegnern aus der „Final Fantasy“-Reihe. Sie sollen fortan die Welt Grymoire bereisen, um ihre Fähigkeiten wiederzuerhalten und den zahlreichen Bewohnern zu helfen. Bereits früh wird aber deutlich, dass eine finstere Macht unterwegs ist und droht, alles zu vernichten.

Die Geschichte bietet einige ernste und emotionale Momente, allgemein ist sie jedoch nicht so komplex, wie man nach dem wirren Anfang vermuten würde. Die Geschwister reisen an neue Orte, lernen dort bekannte Helden kennen und ziehen fortan zu ihrem nächsten Abenteuer. Durch die Dialoge wird deutlich, dass sich die Charaktere nicht allzu ernst nehmen, weshalb eine große Portion Humor das Geschehen auflockern soll. Leider sind die Witze meist flach und insbesondere Lann kann einem im späteren Verlauf gehörig auf die Nerven gehen. Es ist nur bedingt lustig, wenn sich ein Hauptcharakter in nahezu allen Situationen dumm anstellt. Wer das verkraften kann, erhält eine schöne Erzählung, die sich oft streckt, durch die Unterhaltungen mit bekannten Charakteren aber unterhaltsam bleibt und in einem wunderschönen Finale ihr Ende findet.

Final Niedlichkeit

Die Welt, die die Spieler bereisen, fällt vor allem durch ihren Stil auf. Die Bewohner sehen nämlich wie Chibi-, beziehungsweise Funko Pop-Figuren aus. Die Gestaltung ist gut gelungen und es ist schon lustig, Cloud mit seinem ernsten Ton in einem solchen Design zu sehen. Die Welt selber bietet neben eigenen Gebieten viele Kulissen, die Serienfans aus anderen Teilen kennen. So schön diese auch sind, spielerisch verändert sich selten etwas. Die gesamte Erkundung besteht aus wenigen Abzweigungen, die nach einigen Schritten ihr Ende finden. Deshalb ist die Welt sehr linear gestaltet und wer auf serientypische – zumindest in vielen Teilen – weite Landschaften oder komplexe Dungeons gehofft hat, wird sie hier nicht finden.

Obwohl sich die Vielfalt auf die Optik beschränkt, ist das Reisen in „World of Final Fantasy“ stets unterhaltsam. Überall erhält man Belohnungen, trifft auf neue Helden und begegnet zahlreichen Mirages. Leider muss man die Welt oft verlassen, um in die Hub-Welt zu reisen. Diese ist leer, farblos sowie langweilig gestaltet und bietet nichts Sinnvolles bis auf einen Shop und eine Schnellreise zu den bereisten Ortschaften. Es ist immer wieder eine Qual, wenn man zurückreisen muss; glücklicherweise muss man im späteren Verlauf seltener in den zentralen Bereich.

Aktives Warten

Das Kampfsystem bietet klassische Elemente mit einigen interessanten Neuerungen. Ganz typisch kann man Gegner angreifen oder seine Spezialfähigkeiten nutzen um zu siegen. Neulinge dürfen sich auf ein vereinfachtes Menü verlassen, durch das Gegner automatisch angewählt werden, während Kenner lieber zum klassischen System wechseln sollten, das mehr taktische Möglichkeiten bietet. Anstatt alleine zu kämpfen, können die Geschwister je zwei sogenannte Mirages in den Kampf nehmen. Diese Monster lassen sich je nach Gewicht über oder unter ihnen platzieren und geben dem jeweiligen Charakter zusätzliche Boni, wodurch sie extrem mächtig werden können. Man kann aber auch den Stapel auflösen, um mehrere Angriffe auszuführen, was natürlich Nachteile mit sich bringt. Das System wird im Tutorial sehr gut erklärt, erst im späteren Verlauf, wenn man mehr experimentieren kann, entfaltet sich jedoch das gesamte Potential. Man baut sich ständig neue Teams zusammen und lernt immer mehr über die verschiedenen Kombinationen

Leider ist das Kampfsystem selbst zu simpel ausgefallen. Das gesamte Geschehen basiert auf dem ATB, man kann demnach an einer Leiste erkennen, welcher Charakter als nächstes dran ist. Die entsprechenden Symbole bewegen sich an der Leiste entlang und somit muss man oft warten, bis überhaupt etwas geschieht. Zwar lässt sich das Geschehen per Knopfdruck beschleunigen, selbst das dauert aber ein wenig zu lange. Das wird weiter dadurch verschlimmert, dass die meisten Kämpfe sehr einfach sind und man selten länger überlegen muss, um zu siegen. Boss-Gegner benötigen zwar eine bestimmte Taktik, abseits dessen wird man aber zahlreiche Stunden damit verbringen, ohne Herausforderung die Geschichte voranzutreiben.

Schnapp sie dir alle!

Die Mirages, die man im Kampf stapeln kann, muss man im Spielverlauf erst fangen. Dafür müssen bestimmte Bedingungen erfüllt werden, anfangs reicht es aber, einfach nur den Gegner zu schwächen, ein Prisma auszuwerfen und sich anschließend über seinen neuen Kampfgefährten zu freuen. Das klingt gefährlich nach einer gewissen anderen Spiele-Reihe, da sich die Monster sogar in eine verbesserte Form verwandeln können, überzeugt jedoch durch eigene Kniffe. Jedes Mirage verfügt nämlich über ein eigenes Fähigkeitenbrett, sodass man entsprechende Fähigkeit in und außerhalb der Kämpfe nutzen kann. Können zwei Mirages zum Beispiel Feuer, kann man im Kampf Feura zaubern. Zudem ist die Größe wichtig, denn das Gewicht der Mirages entscheidet, an welcher Position es stehen darf. Langzeitziel ist es, alle Mirages zu fangen, womit man zahlreiche Stunden verbringen kann. Wer nur die nötigsten einfangen möchte, kann das glücklicherweise auch tun.

Die Hauptcharaktere verfügen derweil über die Fähigkeit, sich außerhalb von Kämpfen jederzeit selbst in eine Chibi-Version zu verwandeln. Die Formen entscheiden auch, welche Mirages man in den Kampf nehmen kann, schließlich kann man nur auf den Monstern reiten, wenn man selbst nicht zu groß ist. Das wird für einige Passagen auf der Oberwelt benötigt, entscheidender ist es jedoch, sich frei zwischen zwei Kampfteams pro Charakter zu entscheiden.

Klassentreffen

Die große Feier darf natürlich nicht ohne die großen Ikonen stattfinden, die man auch außerhalb der Hauptgeschichte antrifft. Während die meisten Nebenaufgaben simpler kaum sein könnten, gibt es auch Missionen, die im Zeichen anderer Helden stehen. Meistert man diese, kann man fortan legendäre Hilfe im Kampf anfordern, was stets durch eine schöne Sequenz mit passender Musik ausgeführt wird. Es lohnt sich, die besonderen Aufgaben abzuschließen, denn dann darf man die gesamte Fülle genießen. Ansonsten gibt es noch ein Kolosseum, in dem man einzigartige Gegner trifft und sehrt gute Belohnungen erhält. Und keine Angst, Esper gibt es auch!

Wer keine Kämpfe absolvieren möchte, darf sich einigen Nebenbeschäftigungen widmen. Davon gibt es viele, zum Beispiel muss man Kaktoren schlagen oder Invasoren im „Angry Birds“-Stil bewerfen. Neu dabei ist das Angeln mit Noctis, das zwar nicht lange fesselt, für einige Minuten aber zur netten Abwechslung wird. Es gibt eine ganze Menge zu tun, und selbst nach dem Ende der Geschichte gibt es weitere Inhalte, die man abarbeiten kann.

Maximaler Inhalt

„World of Final Fantasy Maxima“ ist weniger ein DLC als eine Überarbeitung vieler verschiedener Aspekte. Man kann zwei weitere Mirages bei sich tragen, neue Gegner und fangbare Mirages wurden hinzugefügt und einige andere Elemente angepasst. Große Highlight sind derweil ein neuer Dungeon, der vom ersten „Final Fantasy“ inspiriert wurde sowie eine New Game Plus-Option. Ein neuer Schwierigkeitsgrad sorgt derweil dafür, dass auch diejenigen, die das Spiel bereits zuvor beendet haben eine Herausforderung erhalten. Es gibt noch zahlreiche weitere Neuerungen, zum Beispiel Steine, durch die man sich in berühmte „Final Fantasy“-Charaktere verwandeln kann.

Anders als bei vielen anderen Portierungen auf Nintendo Switch, handelt es sich bei „World of Final Fantasy Maxima“ nicht bloß um eine Fassung mit DLCs, sondern um ein rundum erneuertes Paket, das mehr Optionen und Beschäftigungen einführt, deren Effekte man bereits während der Kampagne spürt. Für die anderen Plattformen ist dieses Upgrade per DLC erhältlich, allerdings entfaltet sich das gesamte Potential erst, wenn man ein neues Spiel beginnt. Deshalb bietet die Nintendo Switch-Fassung sowohl ein starkes Paket für Neulinge als auch Fans des Spieles, um die beste Fassung handelt es sich leider trotzdem nicht.

Staubig

Obwohl der Artstil sehr ansprechend ist, leidet das Spiel unter diversen Mängeln. Zum einen wäre da die Bildqualität, die im portablen Modus das insgesamt schöne Gesamtbild verwischt. Noch schlimmer wirkt die schwache Kantenglättung, sodass die Gebäude oder Charaktermodelle in Zwischensequenzen nicht gerade strahlen. Im Dock gibt es diese Probleme auch, dafür sind sie weniger stark. „World of Final Fantasy“ hätte ein grafisches Upgrade vertragen, schließlich waren auch die bisherigen Versionen nicht gerade die schönsten. Dafür sind im Test keine Fehler aufgetreten, und die Ladezeiten sind ebenfalls nicht zu lang. Merkwürdigerweise hat die Konsole sehr viel Zeit benötigt, um Videos zu verarbeiten, und die Rückkehr ins Home-Menü geschieht oftmals verzögert.

Uneingeschränkt klasse ist der Soundtrack. Bekannte Melodien, teilweise neu arrangiert, begleiten die Reise. Kopfhörer sind Pflicht, denn zusammen mit den passenden Kulissen und der gewohnten Orchester-Qualität kommt eine Nostalgie auf, die kaum herzerwärmender hätte sein können. Da kann man die schwankende Qualität der englischen Synchronisation verzeihen, oder direkt zu den japanischen Sprechern wechseln.

Weiterführende Links: Forum-Thread

Fazit & Wertung

„World of Final Fantasy Maxima“ stellt ein gelungenes Upgrade eines bereit guten Spieles dar. Die neuen Inhalte sowie Überarbeitungen fügen sich wunderbar in das Spielgeschehen ein, das einerseits die Reihe feiert, andererseits durch eigene Kampfmechaniken und den Sammelwahn fesselt. Auch auf Nintendo Switch spielt sich das RPG wunderbar, selbst wenn das optische Bild schöner hätte sein können. Wer sich aber nur die wunderbaren Charaktere, ikonischen Kulissen und Vielfalt an Mirages anschaut, wird sein „Final Fantasy“-Herz nicht vor dem Spiel verschonen können.

Bisher gibt es einen Kommentar

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  • Avatar von Dedenne
    Dedenne 30.11.2018, 15:23
    Sieht nett aus. War auf der PS4 immer am überlegen, aber da hab ich noch die Remaster von X/X2 verstauben. Werde hier wohl zuschlagen, muss sich aber weit hinten anstellen.