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Nairi: Tower of Shirin (eShop)

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Nairi: Tower of Shirin (eShop)

Die Masse an Spielen, die jeden Tag erscheinen, macht es unmöglich einen Überblick zu behalten. Sicherlich, die Veröffentlichung der namhaften Firmen werden durch ausgedehnte Marketingkampagnen in das Bewusstsein der Spieler gehämmert, doch kleinere Indie-Titel fallen häufig unter den Tisch. Im Rahmen dieses Reviews werfen wir einen Blick auf „NAIRI: Tower of Shirin“ und sagen euch, warum dieses kleine Point-and-Klick Adventure ein paar Stunden gute Unterhaltung bietet.

Ein Fisch außerhalb des Wassers

Der Spieler schlüpft in die Rolle von Nairi, einem kleinen Mädchen, dasn in einer Familie der Oberschicht aufwächst und isoliert von der Umwelt tägliche Unterrichtseinheiten ihres Hauslehrers ertragen muss. In der Stadt Shirin erbaut der König einen riesigen Turm, um der Gottheit des örtlichen Glaubens ein Denkmal zu setzen. Dieser Alltag wird durch unvorhersehbare Ereignisse auseinander gerissen und das Mädchen wird von ihrer Familie getrennt. Der Beginn von „NAIRI: Tower of Shirin“ wirkt zunächst wie ein kindliches Abenteuerspiel, bricht diese Erwartung jedoch bereits wenige Sekunden nach dem Spielstart mit einer erstaunlich erwachsenen Thematik. Während der folgenden Spielstunden verzaubert der Titel mit seiner Mischung aus kindlicher Naivität und einer Handlung, die Themen wie gesellschaftliche Ungleichheit, Verlust und Verrat oder letztlich religiösen Fanatismus, einbindet. Über den Verlauf der Abenteuergeschichte wird aus dem kleinen Mädchen eine echte Heldin. Die grundlegende Marschrichtung einer solchen Wandlung ist wahrlich nicht innovativ, funktioniert im vorliegenden Fall jedoch aufgrund der Spielwelt erstaunlich gut. 

Liebenswürdige Bewohner

Die Stadt Shirin wird von Tierwesen und Menschen gleichermaßen bewohnt und der Spieler trifft auf viele verschiedene Figuren, die alle mit viel Liebe zum Detail gestaltet sind. Jede Macke der charmanten, putzigen Figuren zieht den Spieler weiter in die Spielwelt hinein. Die Welt wird auch durch diese Figuren und mit ihnen verknüpfte Nebenhandlungen oder humoristische Einlagen ergänzt. Schade ist allerdings, dass „NAIRI: Tower of Shirin“ nur eine Spieldauer von rund fünf Stunden aufweisen kann und die Handlung und ihre Mysterien nicht abschließt, sondern den Spieler mit einem extremen Cliffhänger entlässt. Der aufkeimende Wunsch, den weiteren Verlauf und das Ende der Handlung zu erleben, spricht allerdings für die Qualität des Titels. Es bleibt also zu hoffen, dass eine Fortsetzung produziert wird.

Mit Wasserfarben gemalt

Die niedlichen Figuren und die Spielwelt werden erst durch den wunderschönen Zeichenstil zum Leben erweckt. Alle Charaktere wirken wie mit Wasserfarben gezeichnet, wodurch die quirlige und kindliche Art des Spiels unterstrichen wird. Die Hintergründe profitieren ebenfalls von dem malerischen Stil und strotzen vor Details. Weiter aufgewertet werden die Kulissen durch eine gelungene Beleuchtung, die entweder lebensecht wirkt oder eine abenteuerliche Atmosphäre erschafft. Als Resultat macht es einfach Spaß durch die Umgebungen zu klicken, die verschiedenen Ecken des Spiels zu erkunden und mit den Figuren zu interagieren. Eigentlich eine Nebensächlichkeit, aber auch die Menüs wurden in diesem verträumten, kindlichen Stil gehalten und erzeugen beim Start des Spiels die Vorfreude auf das Universum. 

Märchen für die Ohren

Auch die akustische Untermalung fügt sich nahtlos in dieses positive Gesamtbild ein. Der reduzierte Soundtrack beinhaltet Stücke, die das orientalische Setting perfekt untermalen oder die kindliche Grundhaltung unterstreichen. Zu keinem Zeitpunkt drängt sich die Musik in den Vordergrund, sondern bleibt eine stimmige Untermalung der Geschichte. Schade ist jedoch, dass „NAIRI: Tower of Shirin“ auf eine Synchronisation seiner Figuren verzichtet. Auch wenn es der Qualität nicht schadet, hätte eine gelungene Synchronisation die quirligen Figuren noch liebenswürdiger gemacht. 

Klassische Rätsel

Das eigentliche Gameplay setzt sich aus zwei Faktoren zusammen. Neben Dialogen, die wenig überraschend die Handlung vorantreiben, erkundet der Spieler die verschiedenen Kulissen und löst simple Rätsel. Hierbei wird der Genre-Standard wie Kombinationsrätsel oder Schalterrätsel verwendet, die alle durchgehend gut funktionieren. Der Schwierigkeitsgrad fällt dabei sehr moderat aus, da die wichtigen Gegenstände in den meisten Fällen leicht zu erkennen sind, und Dialoge oft Hinweise beinhalten. Da die Rätsel durchgehend logisch aufgebaut sind und die Problemstellungen und die benötigten Lösungen greifbar sind, dürfte niemand ernsthafte Probleme mit den Aufgaben haben. 

Cleveres Rätseldesign sorgt außerdem für einen angenehmen Spielfluss und minimiert im gleichen Atemzug nerviges Backtracking. Im frühen Spielverlauf wird ein Charakter mit einem spezifischen Gegenstand eingeführt und nach einigen Rätseln wird eben dieser spezifische Gegenstand benötigt. Wer aufmerksam die Spielwelt beobachtet hat, kann die Lösung ohne Probleme identifizieren. Da es nur eine Lösung gibt, muss der Spieler nicht erst herumrätseln welcher Gegenstand in der Spielwelt die erforderliche Aufgabe erfüllen könnte, sondern kann ohne Hindernisse die Geschichte fortsetzen. 

Kinderleicht

Die Bedienung von „NAIRI: Tower of Shirin ist kinderleicht, da der Entwickler jede mögliche Steuerungsoption anbietet. Egal ob mit einem oder zwei Joy Con, einem Pro-Controller oder dem Touchscreen, alle Varianten sind möglich. Über weite Teile geht die Steuerung gut von der Hand, nur bei einigen Schieberätseln ist die Bedienung mit den Analogsticks etwas überempfindlich und der Touchscreen ist die bessere Option. Abgesehen davon ist es jedoch erfreulich, dass der Titel in jeder Position ordentlich gesteuert werden kann. 

Weiterführende Links: Forum-Thread

Fazit & Wertung

Unterm Strich ist „NAIRI: Tower of Shirin“ ein niedliches Pont-Klick-Adventure, das durch eine charmante Handlung, liebevoll gestaltete Figuren und einen wunderschönen Stil überzeugen kann. Die Rätsel sind grundsolide Kost, dürften Genre Veteranen jedoch zu einfach sein. Einzig die kurze Spieldauer und der fehlende Abschluss der Handlung sind echte Wermutstropfen.

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