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RICO

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Rico (eshop)

Shooter waren auf Nintendo-Konsolen traditionell ein rares Gut. Die Veröffentlichung von „Doom“ und „Wolfenstein“ auf der Switch waren dementsprechend durchaus eine Überraschung und haben das Portfolio der Konsole bereichert. Doch abseits der AAA-Titel wagen sich auch  kleinere Entwickler an das Genre. Mit „Rico“ erscheint ein Rogue-Like Shooter für Erwachsene auf der Switch. Was sich genau dahinter verbirgt, klären wir im Review.

Wie Gotham nur ohne Batman

Der Spieler schlüpft in „Rico“in die Rolle eines Beamten der gleichnamigen Spezialeinheit. In San Amaro blüht das Verbrechen und die Regierungsbehörden sind machtlos. Die bösen Buben entgehen durch Gesetzeslücken immer wieder einer jahrelangen Haftstrafe. Da die Regierung nicht auf die Hilfe eines maskierten Superhelden setzen kann, muss nun eine Spezialeinheit ohne Regeln den Job übernehmen und die Schurken erledigen. Eine echte Geschichte gibt es in „Rico“ nicht, sondern die kurze Einleitung dient nur als Aufhänger für die in einem Rogue-Like verpackte Polizeigewalt. Nach dem Einstieg wird eine der vier Spielfiguren ausgewählt und sich ins Getümmel gestürzt. 

In drei Schwierigkeitsgraden wird alle 24 Stunden ein neuer Fall generiert, den der Spieler abarbeiten muss. Je nach gewählter Abzweigung ändert sich die Verteilung der Missionen. Stirbt der Spieler in einer Mission, ist der Fall gescheitert und der Spieler muss erneut am Anfang starten. Bricht er den Auftrag vorzeitig ab, ist der Fall noch nicht verloren, sondern es muss ein alternativer Pfad zum Bandenchef genommen werden. Dieses Prinzip funktioniert genretypisch, doch nach einigen Bildschirmtoden fällt negativ auf, dass vor jeder Runde immer wieder die Tutorialmission abgeschlossen werden muss. 

Carsten Stahl wäre Stolz 

Das Gameplay ist nun vergleichsweise simpel. Ziel ist es, zufällig generierte Räume zu räumen, dabei eine Anzahl an Beweiskoffern zu finden und das Gebäude zu verlassen. Ein Raum gilt als geräumt, wenn alle Gegner darin ausgeschaltet wurden. Wie es sich für echte Polizisten gehört, wird die Tür jedes Raums eingetreten. Dafür wird der Spieler mit einer Bullet-Time belohnt, die es erlaubt, die überraschten Ganoven gemütlich auszuschalten. Wer jetzt ein taktisches „Rainbow Six” erwartet, wird enttäuscht werden. „Rico“ ist arcadiger und flotter und ein Raum muss nicht erst minutenlang ausgekundschaftet werden. Auch das Handling und Gefühl der Waffen ist darauf ausgerichtet. Diese fühlen sich zwar griffig und wuchtig an, es braucht aber kein jahrelanges Training, um die Gegner präzise auszuschalten.

Aufgelockert wird der Spielfluss durch zufällige Zusatzaufträge. Mal müssen Geldbündel gesammelt oder eine bestimmte Anzahl von Kopfschüssen verteilt werden. Die ersten Durchläufe sind diese Aufgaben noch motivierend, wiederholen sich jedoch zu schnell, um langfristig Abwechslung zu bieten. Einige der Zusatzaufträge sind eher sinnlos als motivierend. So müsst ihr ein spezifisches Ziel erledigen oder einen Server zerstören. Diese Aufträge tauchen jedoch erst auf, wenn der entsprechende Raum mit den Zielen geöffnet wird. Sie werden ohne taktische Überlegungen im vorbeigehen erledigt und fügen dem Spielfluss keine zusätzliche Spannung hinzu. Lichtblick sind auftauchende Bomben, die innerhalb eines Zeitlimits entschärft werden müssen. Manchmal sind sie hinter Rolltoren versteckt, die erst geöffnet werden können, wenn Konsolen zerstört wurden. Sonst kann der Spieler sein Tempo nach eigenen Wünschen anpassen und wird dadurch aus der Reserve gelockt und muss schnell reagieren.

Während das eigentliche Gameplay trotz der kleinen Macken durchaus unterhaltsam ist, stellt sich schnell Monotonie ein. Währung, die es für den erfolgreichen Abschluss eines Auftrags gibt, kann für den Kauf neuer Waffen und Zubehör verwendet. Das Arsenal hat eine ordentliche Größe, besteht jedoch nur aus Standard-Schießprügeln und lässt Überraschungen vermissen. Auch die Levelumgebungen und Gegnertypen lassen Abwechslung vermissen. Im Laufe eines Falles stellen sich den staatlichen Problemlösern die Führungsriege der Verbrecher und schließlich deren Chef in den Weg. Diese werden jedoch nicht in Szene gesetzt und echte Befriedigung kommt nicht auf, wenn ein Fall abgeschlossen wurde.

Roguelike gescheitert

„Rico“ arbeitet genretypisch mit zwei Fortschrittssystemen. Innerhalb der Missionen kann der Spieler Lebenspakete, Waffen und Zubehör kaufen. Nach dem Scheitern eines Falls gehen diese Gegenstände verloren und nur Talentpunkte, die durch den Aufstieg des Spielerlevels freigeschaltet werden, bleiben erhalten. Zu jeder Zeit können drei dieser Punkte eingesetzt werden. Echte Motivation, diese Talentpunkte freizuschalten, gibt es jedoch nicht, denn sie haben wenig spannende Auswirkungen oder erleichtern nicht wie in vergleichbaren Titeln den nächsten Durchgang. Mehr Munition oder kürzere Nachladezeit sind nett, aber auch nicht entscheidend. Für Spieler, die mehrmals scheitern, wären mehr Leben oder ein extra Medikit sinnvoll, allerdings gibt es solche Talentpunkte nicht. Darunter leidet die Langzeitmotivation.

Was gibt es noch?

Star von „Rico“ ist der Mehrspielermodus. Online oder lokal können zwei Spieler gemeinsam die Kriminellen pulverisieren. Besonders lokal fallen die Macken weniger ins Gewicht und zusammen mit einem Freund steigt der Spaßfaktor der flotten Schießereien. Der Entwickler hat auch mitgedacht und für den Onlinemodus eine Pingfunktion oder einen Timer eingefügt, damit das Stürmen eines Raums koordiniert werden kann. 

Zusätzlich können Spieler einen zufällig generierten Auftrag starten oder ihre Überlebenskunst in einem Hordemodus unter Beweis stellen. Leider krankt dieser Modus an Inhalt, denn es ist lediglich eine Karte spielbar. Dort wurde viel Potential verschenkt. Der letze Spielmodus treibt den Spaßfaktor jedoch in die Höhe. Im täglichen Spiel stehen fünf wechselnde Karten zur Verfügung, in denen solo oder im Mehrspieler auf Zeit alle Räume geräumt werden müssen. Immer wieder eine Sekunde herauszuholen und den perfekten Weg durch die Level herauszufinden ist unglaublich spaßig und wird zum eigentlich zentralen Spielmodus. Durch diesen Modus lassen sich Punkte verdienen, die in Waffenskins investiert werden können. Einige sind hübsch anzusehen, der Großteil ist jedoch eher langweilig. Kein Beinbruch, aber ein Ausbau dieses Spielmodus wäre wünschenswert.

Papierkram nicht vollständig

Optisch setzt „Rico” auf einen Cel-Shading Look, der die drastische Gewalt entschärft und das überzogene Thema wirksam unterstreicht. Die Soundeffekte der Waffen hören sich wuchtig an und besonders das charakteristische Geräusch, wenn die ausgeworfenen Hülsen den Boden erreichen, wurde stilsicher umgesetzt. Auch Granaten, Nahkampfangriffe oder splitternden Türen klingen ordentlich. Die Gegner erfreuen den Spieler mit einigen überraschten Ausrufen oder animalischem Gebrüll, sollten sie auf ihn einstürmen. Dabei hat es ungewollt für Lachanfälle gesorgt, da das Gebrüll über die ganze Karte zu hören war, egal ob der Gegner in der Nähe war. Der Soundtrack besteht aus einem einzigen Stück und wird schnell langweilig. Eine anspruchsvollere Untermalung der Level, etwa durch treibenden Hip-Hop amerikanischer Machart, hätte das Setting sinnvoll unterstützt.

Die Bildrate bleibt während der gesamten Spielzeit stabil, unabhängig davon, ob im Handheld oder auf dem Fernseher gespielt wird. Auch die Ladezeiten sind kurz und es kommt zu keinen langen Pausen zwischen den Spielrunden. Die Steuerung geht die meiste Zeit flüssig und problemlos von der Hand und auch die flüssige Bewegungssteuerung ergänzt die klassische Eingabemethode sinnvoll und ermöglicht präzises Zielen. Nur beim Stürmen nervt eine gelegentliche Zielhilfe, die automatisch den ersten Gegner anzuvisieren scheint. Dann lässt sich das Fadenkreuz nur schwer bewegen und nimmt dem Spieler die Kontrolle. Negativ fallen weiterhin die verschachtelten Menüs auf, die keine einheitliche Tastenbelegung bieten. Mal kann mit B aus einem Menü zurück zur Missionsauswahl gesprungen werden und mal nicht. Auch die Auswahl der Talente wird nicht wie die Waffenauswahl vor jeder Mission eingeblendet, sondern muss über ein Extramenü jedes mal neu aufgerufen werden. Bei der Auswahl der täglichen Missionen ist es nicht möglich, nach einer abgeschlossenen Runde einfach per Knopfdruck eine neue zu starten, sondern es muss jedes mal der Weg übers Hauptmenü genommen werden. Eine komfortablere Kontrolle wäre sicher möglich gewesen. Zuletzt lassen sich einige Übersetzungsfehler in der deutschen Version des Spiels finden. So wurde z.b „Officer down“ mit „Offizier am Boden“ übersetzt. Diese Fehler sind jedoch für das eigentliche Spielerlebnis unbedeutend, sorgen nur unfreiwillig für ein Schmunzeln.

Weiterführende Links: Forum-Thread

Fazit & Wertung

„Rico” ist ein grundsolides Spiel, das durch einen geringen Umfang und fehlende Fortschrittssysteme keine motivierende Gameplayspirale aufbauen kann. Eine flüssige Steuerung und ordentliches Gunplay sorgen jedoch besonders im lokalen Mehrspieler für einige Stunden gute Unterhaltung.

Bisher gibt es sechs Kommentare

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  • Avatar von Greg
    Greg 11.03.2019, 21:28
    Zitat Zitat von Garo Beitrag anzeigen
    Finde ich auch!
    War ja klar, dass du direkt wieder gegen mich feuern musst!

    Spoiler
    Spaß
  • Avatar von Garo
    Garo 11.03.2019, 21:22
    Zitat Zitat von Balki Beitrag anzeigen
    Mir erscheint die Wertung passend zum Text.
    Finde ich auch!
  • Avatar von Greg
    Greg 11.03.2019, 21:09
    Zitat Zitat von Balki Beitrag anzeigen
    Mir erscheint die Wertung passend zum Text.
    Mir jetzt auch, nach wiederholtem lesen. Bei dem Game finde ich den (Cel-Shading?) Look komisch, war schon damals bei XIII nicht mein Fall. Gameplaytechnisch sieht das aber ziemlich gut aus.
  • Avatar von Balki
    Balki 11.03.2019, 20:19
    Mir erscheint die Wertung passend zum Text.
  • Avatar von Thestalos
    Thestalos 11.03.2019, 20:00
    Zitat Zitat von Greg Beitrag anzeigen
    Das Fazit klingt irgendwie mehr als nach einer 6/10
    Mhh stimmt eigentlich. Hab mich ein wenig schwer getan, die leicht überdurchschnittliche Natur in Worte zu fassen. Es klang entweder viel zu abwertend oder etwas positiver. Am ende ist es dann die positive Variante geworden, da im Coop zwar die Rogue-Like Mechaniken egal werden, aber der Kram bei dem gemeinsamen Fratzengeballer nicht wirklich auffallen.
  • Avatar von Greg
    Greg 11.03.2019, 17:57
    Das Fazit klingt irgendwie mehr als nach einer 6/10