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Yet Another Zombie Defense HD...

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Yet Another Zombie Defense HD (eShop)

„Yet Another Zombie Defense HD“ beweist mit seinem Titel eine gesunde Portion Selbstironie, haben die Entwickler doch scheinbar erkannt, dass Zombies mittlerweile ausgelutschter sind als matschige Hirnmasse. Problematisch ist nun, dass der Titel schon einige Jahre auf dem Buckel hat und die vorliegende HD-Auflage lediglich eine Neuauflage für die Xbox One mit Hilfe der Unity-Engine war. Kann der Titel auch Jahre nach seiner Erstveröffentlichung immer noch überzeugen, oder hätte der Titel nicht wiederbelebt werden sollen?

Same Procedure as every game 

Die Ausgangssituation von „Yet Another Zombie Defense HD“ sollte niemanden überraschen. Verpackt im Gewand eines Top-Down Twinstick-Shooters muss sich der Spieler immer stärker werdender Wellen von Zombies erwehren. Neben konventionellen Waffen wie Schrotflinten und Maschinenpistolen stehen auch Energieblaster zur Verfügung. Getötete Gegner hinterlassen dabei Powerups, die Vorteile wie ein höheres Lauftempo oder Unbesiegbarkeit verleihen. Die Waffen fühlen sich dabei nicht unterschiedlich an und auch das Trefferfeedback ist nicht sonderlich befriedigend. Ohne spaßige Splattereffekte kommt keinerlei Freunde an der trashigen Schlachtplatte auf.

Bauen ist doch gerade modern?

Angereichert wird diese bekannte Formel mit Elementen aus Towerdefense-Spielen. Gegner hinterlassen Geldbündel, die nach einer abgeschlossenen Welle gegen Barrikaden, neue Waffen oder Hilfsmittel wie Landminen eingetauscht werden können. Außerdem dürfen noch permanente Verbesserungen wie ein schnelleres Nachladetempo oder zusätzliche Lebenspunkte freigeschaltet werden. Anschließend werden die Hilfsmittel geschickt platziert, um die Untoten möglichst lange aufzuhalten. In der Theorie klingt „Yet Another Zombie Defense HD“ nach einem soliden Titel, zumal auch Mehrspielerfunktionen integriert worden. Sowohl online als auch lokal können bis zu vier Spielern an der Partie teilnehmen. Allerdings entpuppt sich der Titel schnell als Enttäuschung.

Wandelnde Leiche 

Denn das Zusammenspiel aus den Shooterpassagen und Elementen aus einem Towerdefense möchte nicht richtig funktionieren. Das liegt vor allem an der KI der Gegner. Denn diese greifen stumpf die aufgestellten Barrikaden an, auch wenn der Spieler nur wenige Schritte entfernt steht. Als Folge werden einfach nur Blockaden um die Spielfigur errichtet, sodass die Zombies hirnlos gegen sie anrennen und leichte Ziele darstellen. Als Konsequenz steht der Spieler in seinem kleinen eingezäunten Planquadrat und schießt stumpf auf die mehr oder weniger wehrlosen Untoten. Eine Abweichung von dieser Strategie wird aus verschiedenen Gründen nicht nötig. Denn mit jeder anstürmenden Welle werden die Zombies stärker, erhalten mehr Lebenspunkte, laufen schneller und teilen härter aus. Ohne Deckung durch Barrikaden kann man sie aufgrund ihrer Masse nur schwer überwinden, da sie letztlich doch an der Spielfigur knabbern. Dieser Umstand verstärkt dadurch wiederum die Trostlosigkeit des Spielerlebnisses, denn Spieler pumpen unsagbar viele Magazine in die Modermienen, ohne einen echten Effekt zu beobachten. 

Auch das Kartendesign ist eine Enttäuschung und absolut nicht zeitgemäß. Eine einzige schmucklose Karte in der Gestalt einer Asphaltfläche lässt sich auswählen. Ohne Hindernisse oder verschiedene Zugangswege lässt diese verschiedene strategische Ansätze überhaupt nicht zu. Auf dem Papier gibt es zwar verschiedene Gegnertypen, diese unterscheiden sich jedoch nur in marginalen Punkten wie Lauftempo oder Schadenswerte. Durch die Skalierung der Gegnerwerte werden diese Unterschiede irrelevant. 

Wenig Fleisch am Knochen

Neben einem Spielmodus, in dem abwechselnd Zombies bekämpft und Barrikaden gebaut werden, gibt es noch einen Endlosmodus und eine Deathmatch-Variante. Der erstgenannte Modus kommt ohne die Bauphase aus und lässt die Zombies auf den schutzlosen Spieler los. Upgrades und Waffen werden zufällig gespawnt. Aufgrund der dämlichen Gegner rennt man eigentlich nur im Kreis herum und feuert auf die treudummen Zombies, die brav hinterher traben. Deathmatch spielt sich ähnlich, nur dass nun vier Spieler gegeneinander antreten und nicht nur die Zombies, sondern auch die Mitspieler erledigt werden wollen. Diese beiden Modi sind für einige Minuten spaßig, doch dann sorgt das langweilige Gegnerdesign und die fehlende Kartenvielfalt für unangenehme Monotonie.

Frisch aus dem Grab

Als Spieler ist man bei Indie-Spielen durchaus wohlwollend, sollten technische Mängel auftreten oder eine abgespeckte Präsentation geboten werden. „Yet Another Zombie Defense HD“ überstrapaziert diese positive Grundhaltung nach Minuten. Bereits die lieblos gestalteten Menüs verheißen nichts Gutes. Die visuelle Präsentation ist nicht zeitgemäß. Animationen wirken lachhaft und mehr als eine handvoll verschiedene Gegnermodelle gibt es nicht. Die Karte besteht aus einer einzigen langweiligen Asphaltfläche und nach einigen Runden langweilt der Hintergrund. Auch die Neuauflage in der Unity-Engine kann nicht verändern, dass „Yet Another Zombie Defense HD“ einfach nicht zeitgemäß aussieht. Auch die Ohren des Spielers werden nicht mit ansprechenden Klängen beschallt. Generisches Stöhnen der Zombies, lasche Waffensounds aus einer kostenlosen Datenbank und ein belangloser Soundtrack vermischen sich zu einem langweiligen Brei. Wenigstens die Bildrate bleibt konstant, wobei diese nur ein schwacher Trost ist.

Weiterführende Links: Forum-Thread

Fazit & Wertung

Für ein paar Runden mit Freunden und einem Kasten Bier könnte „Yet Another Zombie Defense HD“ Spaß machen. Doch schnell würde der eintönige Ablauf und die fehlende Variation den Spielspaß aussaugen, wie der Zombie das saftige Gehirn. Der Titel wirkt in seiner simplen Struktur aus der Zeit gefallen. Dass die wenigen Mechaniken nicht nahtlos ineinander übergehen, ist mit der lieblosen Präsentation der letzte Sargnagel.

Bisher gibt es einen Kommentar

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  • Avatar von Br1ind31d
    Br1ind31d 30.04.2019, 17:35
    Ouch. Habe Goldpunkte dafür genutzt weil es mir sehr zugesagt hatte, aber konnte es bisher nicht spielen, aufgrund Zeitmangels. Nach diesem Review will ich es auch gar nicht mehr spielen :/