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Red Faction: Guerrilla Re-MARS-tered Edition

THQ Nordic hat einen großen Gefallen daran gefunden, ältere Spiele auf diverse Plattformen zu bringen. Im letzten Jahr geschah das mit „Red Faction: Guerrilla“ und der wunderschön betitelten „Re-MARS-tered“ Edition. Nintendo Switch-Spieler erhalten nun die Portierung dieser verbesserten Version – doch hält diese, was sie verspricht?

Faschismus auf dem Mars

In „Red Faction: Guerrilla“ geht es um die blanke Zerstörung – dabei kann man durchaus vergessen, dass es auch eine Handlung gibt. Diese dreht sich ganz um den Mars, der mittlerweile von den Menschen bevölkert wurde. Allerdings hat sich die böse Armee der EDF – ja, die Bösewichte heißen wirklich Earth Defense Foce – die Macht unter den Nagel gerissen und tötet jeden, der nicht nach den strengen Regeln lebt und für die großen Firmen arbeitet. Das muss auch Alec Mason am eigenen Leib erfahren, als sein Bruder nach dem Intro ermordet wird und auch er hingerichtet werden soll, weil er angeblich der Widerstandsbewegung Red Faction angehören soll. Ausgerechnet diese rettet ihn in letzter Sekunde, und obwohl er eigentlich nichts mir dem Drama zu tun haben möchte, ist er fortan eine der wichtigsten Figuren des Aufstandes.

Machen wir uns nichts vor: Die Geschichte ist nicht gut. Die Einleitung wird voller Klischees abgefrühstückt, es folgen einige unspannende Dialoge und schon geht es an die Missionen. Immer wieder gibt es Begegnungen mit der absurd bösartigen EDF, deren Kriegsschiff sogar Hydra genannt wird, Überraschungen oder andere spannende Entwicklungen sucht man aber vergebens. „Red Faction: Guerrilla“ ist kein Spiel, das man wegen der Geschichte spielt, sondern ausschließlich für das fantastische Gameplay.

Wreck-It Alec

Das Spielkonzept ist schnell erklärt, denn der Spieler muss meistens alles zerstören. Dank einer fantastischen Engine und einem überaus mächtigen Hammer darf man Türme zum einstürzen bringen oder ganze Häuser sprengen, während man genüsslich dabei zusieht, wie die Konstruktionen in sich auf überaus realistische Weise zusammenfallen. Schnell entwickelt sich der Titel zu einer fantastischen Spielwiese, denn der Spieler erhält immer wieder neues Spielzeug, das stets einen Zweck hat: Alles zu zerstören. Währenddessen darf man Materialien sammeln, um sein Arsenal zu verbessern. Das läuft zwar sehr simpel ab, bleibt aber wunderbar effektiv.

Allzu viel Komplexität darf man dabei allerdings nicht erwarten. Die Missionsarten wiederholen sich häufig, denn mal muss man Gebäude zerstören, mal Objekte beschaffen oder schlichtweg Gegner besiegen. Das geschieht in klassischer Third Person-Manier, fühlt sich aber etwas zu unpräzise an, sodass man häufig eher wild herumschießt, anstatt vorsichtig zu agieren. Dafür gibt es viele Freiheiten und da der Spieler stets die Umwelt in die Herangehensweisen einbeziehen kann, unterscheiden sich die Missionen je nach Gebiet angenehm voneinander, obwohl die Ziele ähnlich sind. Sogar einige verrückte Fahrzeuge dürfen genutzt werden, sodass Spielspaß ganz oben steht.

Tote Welt

Die Welt selbst ist leider nicht die größte Stärke. Zwar wird jeder Ort durch die zerstörbaren Gebäude interessant, allerdings ähneln sich die Missionsgebiete. Die Handlung auf dem Mars sorgt zudem dazu, dass es in der offenen Welt, die in mehrere Gebiete unterteilt ist, zu viele leere Flächen gibt, in denen man nicht einmal die Zerstörungswut loslassen kann. Der formulierte Aufbau mit Hauptmissionen, Nebenmissionen und anderen Punkten auf der Karte, an denen man stets denselben Aktivitäten folgt, dürfte ebenfalls nicht allen Spielern gefallen. Das liegt nicht unbedingt am Spiel selbst, schließlich folgte es der Formel und dem Open World-Trend seiner Zeit. Mittlerweile hat sich in Sachen Qualität aber so viel getan, dass sich der Ablauf durchaus veraltet anfühlt.

Zudem unterscheiden sich die Gebiete nicht sonderlich stark voneinander. Zwar gibt es überall Eigenheiten, mit einer Ausnahme könnte man aber nicht beim ersten Anblick erkennen, wo man sich befindet. All das verzeiht man dem Titel gerne, weil das Gameplay selbst derart viel Freude bereitet und sich sogar für kurze Runden bestens geeignet. Mehr optische Vielfalt würde aber die Motivation höher halten und verhindern, dass man sich in der zweiten Hälfte die frischen Ideen im Missionsdesign wünscht, die es im Gameplay gibt. Da hilft auch eine Moralanzeige nicht, die den Gemütszustand der Red Faction zeigt und sich je nach Aktion erhöht. 

Mehrspieler-Zerstörung

Ebenfalls im Paket enthalten ist die Erweiterung „Demons Of The Badlands“, in der die Vorgeschichte erzählt wird. In einem völlig neuen Areal gibt es neue Missionen, Waffen und Fahrzeuge. Wer das Hauptspiel mag, wird sich deshalb sehr daran erfreuen, schließlich wird mehr vom selben geboten. Darüber hinaus gibt es einen überraschend vielfältigen Mehrspielermodus. Lokal darf man nämlich mit bis zu vier Spielern in sechs Modi gegeneinander antreten, in denen es stets darum geht, innerhalb eines Zeitlimits möglichst viele Punkte zu erlangen. Dabei wird der Controller oder die Konsole rumgereicht, man braucht sich also keine Gedanken über kleine Bildausschnitte machen. Unser Favorit war „Totales Chaos“, wo man innerhalb von 60 Sekunden anhand von zufälligen Waffen möglichst viel Schaden anrichten muss.

Sogar online wird viel geboten, in acht Modi, in denen dann auch Spieler gleichzeitig gegeneinander antreten. Von klassischen Deathmatches über Capture the Flag und King of the Hill bis hin zu Demolition, bei dem man einen Zerstörer beschützen muss, wird eine Menge Vielfalt geboten. Egal ob gegen Fremde oder in einer privaten Lobby mit Freunden, die Verbindung war im Test durchweg hervorragend und kam ohne Lags daher. Da jede Option, sogar Friendly Fire, eingestellt werden darf, wird jeder die Matches bestreiten können, die er möchte.

Switch-MARS-tered

Auf Nintendo Switch ist die Überarbeitung nochmal interessanter als auf den anderen Konsolen, wobei alles in den Einstellungen anfängt. Dort darf man nämlich zwischen hoher Leistung und hoher Qualität wählen. Letzteres erzeugt ein schöneres Bild, dennoch sieht man dem Spiel an, dass es während der letzten Generation erschienen ist. Insbesondere im Handheld-Modus bleibt die Action dennoch ansehnlich und die Landschaften sehen ebenso toll aus wie die Animationen der zusammenfallenden Objekte. Leider gibt es in dem Modus einige Leistungsprobleme am TV, weshalb der Standard-Modus empfehlenswerter bleibt. Hier schwimmt die Bildrate meist um 30 Bilder pro Sekunde herum, was nicht stört und den Ablauf deutlich angenehmer gestaltet. Leider gibt es auch hier starke Schwankungen nach unten, wenn das Effektgewitter startet. Im Test hat sich der Handheld-Modus im Leistungs-Modus als beste Option entpuppt, wobei hier die Schwankungen sehr stark sind, da die Bildrate sehr stark zwischen 30 und sogar 60 schwankt. Wer sich nicht daran stört, erlebt ein flüssiges Erlebnis, bei hoher Qualität ist das Spiel hingegen stabiler.

Ansonsten gibt es nicht mehr viel zu sagen. Die Grafik selbst bleibt überzeugend, solange man sich mit den eintönigen Gebieten sowie starken Problemen mit der Kantenglättung anfreunden kann. Der Soundtrack ist derweil sehr beliebig und sticht nicht heraus, während die deutschen Sprecher einen guten Job leisten, mit Ausnahme des Hauptcharakters, der viel zu angestrengt klingt. Die Ladezeiten sind derweil akzeptabel, und sogar eine Bewegungssteuerung zum Zielen wurde dem Titel spendiert.

Weiterführende Links: Forum-Thread

Fazit & Wertung

„Red Faction: Guerrilla Re-MARS-tered” ist ein fantastischer Zerstörungsspaß, von dem man einfach nicht genug bekommen kann. Die tollen Waffen gepaart mit der Möglichkeit, alles in seine Einzelzeile zu zerschlagen, unterhält auch nach Stunden bestens und lässt die langweilige Geschichte in Vergessenheit geraten. Das Missionsdesign dürfte abwechslungsreicher sein, denn in der zweiten Hälfte erlebt man nicht mehr viele Überraschungen, dafür werden insbesondere diejenigen auf ihre Kosten kommen, die sich den Mehrspieler-Modi widmen wollen. Auch auf Nintendo Switch bleibt der Titel eine Empfehlung, selbst wenn das Alter deutlich sichtbar ist.

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