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Blacksad: Under the Skin

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Blacksad: Under the Skin

Auf den ersten Blick könnte man meinen, Telltale Games sei zurückgekehrt. Eine beliebte Comic-Vorlage? Check. Eine entsprechende Grafik? Check. Ein Adventure-Spiel, in dem der Spieler allem voran Hinweise sammelt und sich mit Charakteren unterhält? Check und Check. Allerdings steht hinter „Blacksad: Under the Skin“ Pendulo Studios, das mit „Runaway“ und „Yesterday“ zwei wundervolle Reihen erschaffen hat. Ob der Ausflug in die Welt der anthropomorphen Tiere ebenso gelungen ist, haben wir für euch herausgefunden.

Noir-nimals

Bei „Blacksad“ handelt es sich um eine Adaption der gleichnamigen Comic-Reihe, die trotz menschlicher Tiere definitiv kein „Zootopia“ ist. Vielmehr spielt die Geschichte in den 1950ern. Der Spieler muss als Protagonist John Blacksad einen Fall angehen, der zwischen den Ereignissen von „Arctic Nation“ und „Red Soul“ stattfindet. John ist das typische Film-Noir-Bild eines Detektiven, inklusive Mantel und Drang zum Whiskey. Eines Tages erhält er aber einen verzwickten Fall, denn der Besitzer eines Boxclubs soll Selbstmord begangen haben, während ein berühmter Boxer kurz vor einem wichtigen Match verschwand. Dahinter stecken natürlich zahlreiche Geheimnisse, die der Spieler fortan in linearer Manier auflösen muss.

Der Handlung gelingt es trotz eines langsamen Starts, das Interesse der Spieler durchweg zu halten. Das liegt allen voran an den Charakteren, denn obwohl einige bekannte Gesichter auftreten, wurden die meisten für das Spiel erschaffen, sodass auch Fans rätseln müssen, wer Geheimnisse zu verbergen hat. Dabei bleibt jede Unterhaltung interessant, und auch wenn einige Wendungen sich erahnen lassen, können alle einen regelrecht erschlagen. Über die rund zehn Stunden lange Spielzeit darf man sich auf einen spannenden Krimi freuen, der voller bunter Persönlichkeiten steckt.

Der eigene Blacksad

Wie es sich für ein filmisches Adventure-Spiel gehört, muss der Spieler ständig Entscheidungen treffen. Diese beeinflussen weniger den Verlauf der Handlung als die direkten Reaktionen der Charaktere. Der Spieler kann nämlich ein Bilderbuch-Detektiv sein oder Blacksad als korrupten Kerl daherkommen lassen und somit den Helden durchaus beeinflussen. Allzu tiefgreifend ist das leider nicht, denn die wichtigen Entscheidungen, die das Ende verändern, tauchen erst kurz vorher auf.

Dennoch bleibt es unterhaltsam, durch die Dialoge kleine Veränderungen herbeizuführen. Und auch deren Inhalt bleibt dank eines tollen Skripts bei jeder Option logisch. Hierin besteht auch der Hauptanteil der Reise, wobei es auch einige Action-Momente gibt.

Schnelle Reaktionen, leider

Sie konnten es sich nicht verkneifen: Es gibt Quick-Time-Events, die ebenso nervig sind, wie man sie gewohnt ist. Vor allem der Reaktionszeitraum ist viel zu klein ausgefallen, weshalb Spieler mit entsprechenden Problemen häufig fluchen werden. Zudem führen einige Fehler zum Tod, der zwar wenig ärgerlich ist, schließlich kann die Szene auf Knopfdruck erneut abgespielt werden. Dann gibt es aber solche Events, in denen ein Scheitern die Ereignisse verändert, was überaus ärgerlich ist.

Ansonsten gibt es Standardware, denn Blacksad läuft durch die diversen Orte, sammelt Hinweise, um neue Dialogoptionen freizuschalten, und denkt laut darüber nach. Interessant ist durchaus, dass Gedanken erst verbunden werden müssen, damit sie neue Hinweise ergeben – da man in diesen Szenen aber keine Fehler machen kann, ist das lediglich mehr eine kleine Streckung der Spieldauer als eine echte Rätselmechanik.

Kein Hit auf Switch

Was bislang noch nach einem soliden Titel klingt, dessen Narrative die Stärke darstellt, ist aufgrund der Portierung für Nintendo Switch eine kleine Katastrophe. Sobald nur ein wenig mehr Action stattfindet, ruckelt das Bild dermaßen stark, dass man diese Sequenzen niemals genießen kann und einige Shots sogar fast übersprungen werden. Das ist überhaupt nicht akzeptabel, insbesondere wenn man bedenkt, dass dabei die Quick-Time-Events abgespielt werden. Auch die Bildqualität ist grausig, mit verwaschenen Texturen und stufigen Umrissen, wobei das im Handheld-Modus zumindest weniger stark auffällt.

Das alles ist sehr schade, denn der Rest ist zumindest solide. Die Sprecher haben gute Arbeit geleistet, auch wenn in der deutschen Fassung die Tonabmischung so stark verhunzt wurde, dass die Lautstärke der einzelnen Charaktere häufig unterschiedlich ausfällt. Ansonsten können aber allen voran die englischen Sprecher überzeugen, während der Soundtrack die passende Atmosphäre erzeugt.

Weiterführende Links: Forum-Thread

Fazit & Wertung

Auf dem Papier – und auf anderen Konsolen – ist „Blacksad: Under the Skin“ ein gelungenes Abenteuer. Mit einer guten Geschichte und seichten Gameplay-Einlagen weiß das Abenteuer zu überzeugen, allen voran dank starker Charaktere und einer stimmigen Inszenierung. Dabei lassen sich die Schwächen gerne ignorieren, zumindest wenn es um spielerische Elemente geht. Die heftigen Ruckler entpuppen sich leider als Atmosphären-Killer, die regelmäßig dafür sorgen, dass man weder am TV, noch im Handheld-Modus wirklich glücklich wird. Solange Patches diese Probleme nicht beheben, sollte man sich gut überlegen, ob diese Version wirklich diejenige ist, in der man das gute Spiel erleben möchte.

Bisher gibt es zwei Kommentare

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  • Avatar von Duplikator
    Duplikator 12.01.2020, 02:12
    Sehr gutes Spiel. Portierung hingegen miserabel. Es laggt sogar wenn du in einem Büro mit 2x2m Druchmesser stehst. Es laggt sogar im Options Menu. Selten so ein sch...... Port gesehen.
  • Avatar von BIGBen
    BIGBen 10.01.2020, 22:56
    Eine Art Schand-Port