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Stranded Sails: Explorers of the Cursed Islands (eShop)

Es hätte ein fantastisches Abenteuer werden können. Eine karibische Atmosphäre, blauer Himmel und ein langer Sandstrand. So gut die Idee von „Stranded Sails: Explorers of the Cursed Islands“ ist, so wenig überzeugt es im Vergleich zu etablierten Genre-Größen wie „Harvest Moon“ oder „Stardew Valley“. Was „Stranded Sails“ dennoch einzigartig macht, erfahrt ihr in unserem Test.

Abenteuer ohne Aufregung

Die Story ist ein eher simpler Rahmen, der sich schnell zusammenfassen lässt. Gestrandet auf einer Insel versucht der Spieler den Rest seiner Mannschaft wiederzufinden. Nachdem Teile davon gefunden wurden, wird das eigene Camp ausgebaut und um die neuen Funktionen erweitert, mit denen die wiedergefundene Crew unterstützt wird. Danach beginnt dieses Schema erneut. Insgesamt lässt sich die Story in folgende Schritte unterteilen: Reise zu einer Insel, finde einen bestimmten Gegenstand oder eine Person, reise zur nächsten Insel. Hinzu kommt, dass bis zu dem Punkt, an dem der Spieler das Schema erkennt, die Story so schlecht eingeführt wird, dass man sich ständig fragt, warum man das, was man gerade tut, überhaupt tut. Die inhaltslose Story, gepaart mit dem sehr linearen Ablauf, lässt den Spieler also hoffen, dass zumindest das Gameplay motivierend wirkt. Für ein Genre, welches Spieler oft motiviert ihr eigenes Abenteuer zu erleben, fühlt sich „Stranded Sails“ zu oft an, als wäre man ein kleines Kind, festgehalten durch die starke Hand eines Erwachsenen. Man möchte entkommen um eigenständig loszuziehen, aber es klappt einfach nicht. 

Bestrafung ohne Konsequenzen

Egal ob „Harvest Moon“, „Stardew Valley“ oder „Animal Crossing“, alle Spiele verbindet eine gewisse Einfachheit und ein bis zu einem gewissen Grad repetitives Gameplay, während dessen man sich ein Leben aufbaut. „Stranded Sails“ scheint sich hier jedoch ein besonders großes Stück an Freiheit herauszunehmen. Viel zu oft fühlt sich das in anderen Spielen so befriedigende Gefühl, dem Tagesgeschäft nachzugehen und am Abend erschöpft in die digitalen Federn zu fallen, hier leider nur als lästige Beschäftigungstherapie an. Nicht zuletzt wegen des äußerst fragwürdig konzipierten Ausdauerbalkens, der kaum länger durchhält als die Aufmerksamkeitsspanne eines Dreijährigen. Was das ganze allerdings noch schlimmer macht, ist der Fakt, dass es nicht einmal eine richtige Bestrafung gibt, wenn dem Spieler die Ausdauer komplett ausgeht, die Figur wird schlichtweg zurück ins Camp teleportiert. Das gesamte Konzept scheint also nur darauf abzuzielen, den Fortschritt des Spielers zu begrenzen. Die einzige Aktion, welche nicht auf direktem Wege den Ausdauerbalken ins Nirvana katapultiert, ist das Gehen. Ob man einen Baum fällt, irgendwohin läuft, rudert, buddelt oder was auch immer, jede dieser Aktionen scheint die Spielfigur in einem unvorstellbaren Maße zu überanstrengen.

Um diesem Problem Abhilfe zu verschaffen, gibt es eine natürliche Gegenreaktion: Nahrung zu sich nehmen. Das gesamte Nahrungssystem im Spiel ist relativ komplex gestaltet und dreht sich komplett um die Kochstation. Ein wenig Neugier, Hang zum Raten und Einfallsreichtum führen den Spieler dazu, neue Rezepte für eine Vielzahl von Gerichten zu entdecken, wofür die wiederum noch größere Anzahl an Naturalien genutzt wird, welche im Spiel geerntet wird. Was nach einem interessanten und entspannendem kleinen Mini-Spiel klingt, wird allerdings schnell zur Geduldsprobe. Es existiert keinerlei Hilfestellung, welche Naturalien für was genutzt werden könnten, geschweige denn in welcher Kombination, es ist also ein komplettes Ratespiel. Zusätzlich muss die Nahrung auch in der richtigen Reihenfolge platziert werden, um das gewünschte Rezept zu erhalten, was bei einer Vielzahl von hinzuzufügenden Zutaten zur reinen Farce mutiert. Leider fühlt es sich im Falle eines Erfolges nicht einmal positiv an, ein neues Rezept gefunden zu haben. Viel mehr setzt ein Gefühl des dankbaren Abschließens einer undankbaren Haushaltsaufgabe ein. Die behäbige Steuerung im Menü und ein Cursor der sich nach Hinzufügen einer Zutat plötzlich an einer völlig unerwarteten Stelle wiederfindet, ist exakt die Prise Salz im Essen, die den Spieler letztlich dazu bringt, das Gericht einfach nur zurück in die Küche schicken zu wollen.

Vom Koch zum Handwerker

Neue Dinge in „Stranded Sails“ zu bauen ist zum Glück sehr viel spaßiger als zu kochen. Während seiner Reise wird der Spieler darum gebeten, eine Vielzahl von Behausungen für die gefundenen Mitglieder der Crew zu bauen, Brücken zu errichten um neue Areale zu erreichen und vieles mehr. Etwas zu bauen funktioniert wesentlich leichter als das besprochene Koch-Prinzip, da direkt klar ist, was gebraucht wird und wie viel davon. Die Materialien sind über der Insel verteilt und blinken kurz auf, wenn man in der Nähe steht. Wenn dann alles beisammen ist, wird völlig unkompliziert einfach das entsprechende Bauwerk errichtet, so einfach kann das sein. Die Landwirtschaft in „Stranded Sails“ ist wiederum leider ein wenig zu simpel und es fehlt an wirklicher Spieltiefe, wenngleich es eine subjektive Ansicht ist, ob das bestehende Prinzip ausreichend ist. Samen sammeln, diese einpflanzen, wässern und später ernten. So simpel und funktionstüchtig das Prinzip ist, entwickelt es sich jedoch im Spielverlauf nie weiter und bleibt somit einzig Mittel zum Zweck, den Spieler mit neuer Nahrung zu versorgen, also ganz wie im realen Leben. Dem Spieler bleibt zuletzt das Gefühl, dass es viel zu schade ist, dass diese Mechanik nicht weiter ausgebaut wurde.

Offene Spielwelt ohne offene Spielwelt

„Stranded Sails“ beschreibt sich selbst als Spiel mit einer offenen Spielwelt, leider ist diese offene Spielwelt nicht so offen wie sie es gern wäre. Man realisiert sehr schnell, dass es einen klar definierten Pfad durch das Spiel gibt, der schwer zu verlassen ist. Hauptsächlich der hohe Verbrauch an Ausdauer und dass gewisse Areale ohne später zu erlangendes Handwerkszeug nicht erreichbar sind, hindern den Spieler seinen eigenen Weg in dieser (nicht so) großen Welt zu finden. Das führt dazu, dass Spieler die gleichen Quests immer und immer wieder erfüllen müssen um voran zu kommen. Das Versprechen einer offenen Spielwelt, welche frei erkundet werden kann, wird also von den windigen Meeren von „Stranded Sails“ einfach davon geweht. 

Es fühlt sich an wie ein Abenteuer ohne richtiges Abenteuer. Selbst das Kampfsystem wirkt wenig motivierend. Nach etwa drei Viertels des Spiels erhält der Spieler ein Schwert und das damit einhergehende Kampfsystem setzt die Serie an unausgereiften Mechaniken des Spiels fort. Es ist nicht nur langweilig, sondern auch unerträglich herausforderungsarm, verbunden mit dem kompletten Fehlen eines Entwicklungssystems, so dass der Spieler hier erneut mit einem fragenden Kopfschütteln zurückbleibt.

Texturen im nassen Sand

Leider gibt es auch technisch nicht viel Positives zu berichten, mit Ausnahme der amüsanten Lauf-Animation, der angenehmen Klangkulisse, die den Spieler beim Spaziergang am Strand mit dem Rauschen des Meeres in die passende Atmosphäre versetzt und den relativ kurzen Ladezeiten beim Verlassen und Betreten von Gebäuden. Grafisch wirkt die Switch-Version, als ob über dem gesamten Spiel ein Unschärfe-Filter liegt, was im TV-Modus durch die teils matschigen Texturen noch stärker auffällt. Selbst im Handheld-Modus sind diese leider nicht viel schärfer und damit bietet „Stranded Sails“ grafisch kaum mehr als ein mittelprächtiges Handyspiel. Auch wenn das Spiel häufig automatisch speichert, so sind die kurzen Ruckler bei jeder dieser Gelegenheiten wenig förderlich für eine angenehme und flüssige Spielatmosphäre.

Weiterführende Links: Forum-Thread

Fazit & Wertung

„Stranded Sails: Explorers of the Cursed Islands“ fühlt sich an wie eine Backmischung, bestehend aus einer vielversprechenden Anzahl an Ideen, zusammengemischt und in den Ofen geschoben, dann jedoch viel zu früh wieder herausgeholt, mit dem Ergebnis einer noch unfertigen und wenig ansehnlichen Videospiel-Idee. Was bleibt, ist der Versuch eine wohlige Farm-Simulation mit einem Piraten-Abenteuer zu vermischen, was am Ende jedoch eher an ein aufgewärmtes Gericht aus der Mikrowelle erinnert: Ein wenig fad und ohne wirklichen Geschmack. Sich wiederholendes Gameplay, fehlende Spieltiefe und ein paar schlechte Spielmechaniken sorgen leider dafür, dass die anfängliche Vorfreude auf ein großes Piraten-Abenteuer mit einer Reise in den nicht so aufregenden Sandkasten endet. „Stranded Sails“ schafft es somit leider nicht, eine ernsthafte Alternative zu seinen Genre-Konkurrenten zu sein, da die entscheidenden Spielmechaniken entweder viel zu simpel sind oder so komplex, dass sie den Geduldsfaden des Spielers zu sehr strapazieren.
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