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BioShock 2 Remastered

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BioShock 2 Remastered

„BioShock 2“ befindet sich auch heute noch in einer schwierigen Position. Nach dem Erfolg des ersten Teils, konnten sich viele nicht vorstellen, wie die Rückkehr nach Rapture ebenso spannend wie der erste Besuch werden sollten, während besonders im Nachhinein die anschließende Reise nach Columbia alleine durch die Abwechslung attraktiver wirkt. Doch wer dem Titel die Chance gibt, die er verdient, wird überrascht, wie Spieler nun auch auf Nintendo Switch herausfinden dürfen.

Daddy is here

Nachdem man im vorherigen Teil noch einen nichts ahnenden Bürger der Oberfläche spielte, darf der Spieler diesmal in die Rolle eines Big Daddy schlüpfen. Dieser ist nur als Subject Delta bekannt, der erste funktionstüchtige Big Daddy überhaupt, der allerdings ein schnelles Ende findet. Einige Jahre später wird er von seiner ehemaligen Little Sister geweckt, doch nach den Ereignissen des Erstlings hat Sofia Lamb Rapture übernommen und es sich zum Ziel gemacht, den menschlichen Egoismus zu vernichten. Der Spieler muss fortan die gescheiterte Utopie bereisen, um Eleanor, seine Little Sister, zu retten.

Die Prämisse kommt deutlich konkreter daher als noch der Vorgänger. Das liegt natürlich daran, dass Vorwissen verlangt wird, denn Rapture bleibt eine beeindruckende Kulisse, hat aber den mysteriösen Faktor verloren. Das ist den Machern bewusst, weshalb sie den Fokus von der Stadt auf die Charaktere umlenkt. Es gibt einmal mehr zahlreiche Audiologs mit interessanten Monologen sowie starke Charaktere, während insbesondere die Bindung eines Big Daddys zu seiner Little Sister erforscht wird. Spannend wird es auch durch Sofia Lambs Anhänger, denn war Rapture vorher noch im Chaos, sind die Bewohner nun organisierter und erinnern an eine Sekte, was interessante Konzepte mit sich bringt. All das wird erforscht und obwohl die Handlung nie die Höhen des ersten Teils erreichen kann, werden Fans nicht enttäuscht.

Rapture als Heimat

Weil man nun ein Bewohner Raptures ist, und nicht nur ein Besucher, ändert sich die gesamte Beziehung zur Kulisse. Diesmal besucht der Spieler unter anderem die ärmeren Viertel und erkundet neue Winkel der berüchtigten Stadt, auch wenn die Atmosphäre häufig ähnlich ist. Das wäre dann auch schon einer der größten Kritikpunkte, denn zu häufig ähneln die Gänge dem ersten Teil und bieten bis auf einige Ausnahmen nicht genug, um sich zu unterscheiden. Dadurch fühlt sich das Abenteuer wie mehr vom Selben an, anstatt ein ganz neues Kapitel darzustellen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Rapture nicht weiterhin beeindruckend bleibt. Die dunklen Gänge, zerstörten Orte und der Blick ins Meer bleiben faszinierend, auch wenn sie aufgrund der Wiederholung nicht mehr so beeindrucken wie im Vorgänger. Die Erwartungshaltung ist wichtig, denn die große Wende gab es erst im dritten Teil, während der zweite Ableger eine sehr konsequente und konservative Fortsetzung darstellt.

Dasselbe in grün

Glücklicherweise wurde das Kampfsystem an genau den passenden Stellen verbessert, um eine Weiterentwicklung darzustellen. Endlich kann man Waffen und Plasmide, die Superkräfte von „BioShock“, gleichzeitig nutzen, was die Kämpfe erheblich schneller und spaßiger gestaltet. Das ist auch notwendig, denn es gibt mehr Feinde, die nun auch aggressiver handeln – wenn auch nicht klüger. Und natürlich darf man den Bohrer benutzen, was niemals langweilig wird.

Die Plasmide haben sich auch weiterentwickelt, selbst wenn das auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennbar ist. Beim Aufleveln erhalten diese nun aber zusätzliche Effekte, wodurch sie nicht einfach nur effektiver werden, sondern mehr Kampfoptionen bieten. Das ist auch notwendig, denn man kann Fallen legen, Drohnen hacken und in Kampfarealen mit Strategie Horden von Feinden bekämpfen.

Retter der Little Sisters

Hier kommt die moralische Komponente zum Tragen, denn der Spieler trifft einmal mehr auf Little Sisters. Diese kann man töten und deren Adam aufsaugen, wodurch man seine Plasmide stärken kann. Das hat aber Auswirkungen auf die Handlung, und wer am Ende nicht als Bösewicht dastehen möchte, kann die kleinen Mädchen retten. Diese saugen anschließend Adam auf, müssen aber währenddessen beschützt werden. Diese Passagen resultieren in Kampfarenen, in denen man die Umgebung gut vorbereiten sollte, um die zahlreichen Gegner, die der Little Sister an den Kragen wollen, daran zu hindern.

Leider bleibt das die einzige Neuerung in Bezug auf die Helfer, was angesichts der eigenen Rolle enttäuscht. Insbesondere weil die Beziehung zu den kleinen Mädchen im Fokus steht, hätten die Macher die Mechanik komplett erneuern müssen, stattdessen wird sie nur erweitert. Deshalb fühlt man sich in den Passagen nur beim Retten als Big Daddy, doch da sie anschließend verschwinden, kann die emotionale Komponente nicht aufkommen.

Sinnvolle Verbesserungen

Ebenfalls zurückgekehrt sind die Tonika, von denen mehrere ausgerüstet werden können und die Fähigkeiten verändern. Durch diese können Objekte schneller gehackt werden, der Held kann sich unsichtbar machen oder die Bewegungsgeschwindigkeit wird erhöht. Die Vielfalt ist definitiv passend und man kann somit den Helden zumindest ein wenig an den eigenen Spielstil anpassen.

Auch das Hacking-System wurde überarbeitet und passt nun deutlich besser zum Spielfluss. Statt separate Rätsel zu lösen, muss der Spieler ein kleines Reaktionsspiel lösen, das flott geht und einen nicht so herausreißt wie noch im Vorgänger. All das macht deutlich, wie viel flotter das Spiel abläuft – leider wird man aber immer wieder zum Backtracking gezwungen, was diesen besseren Spielfluss erheblich abschwächt.

Große Feinde

Während die Gegner größtenteils bekannt sind und nur wenige neue Arten bieten, sind die Big Sisters die beeindruckendste Neuerung. Diese ehemaligen Little Sisters sind nun groß geworden und stellen einen wunderbaren Kontrast zu den Big Daddys dar, denn sie sind erheblich schneller und agiler, was die Schlachten hektisch gestaltet. Mehr neue Gegnerarten wären wünschenswert gewesen, doch da die Big Sisters denselben Effekt wie die Big Daddys im vorherigen Teil haben, ist es schwer, darüber enttäuscht zu sein.

Mehr als nur ein Zusatz

Nintendo Switch-Besitzer dürfen sich über das volle Paket freuen, denn beide DLCs sind mit an Bord. Während der erste nicht sonderlich spannend ist und lediglich den Horde-Modus von der Kampagne separiert, ist „Minerva’s Den“ ein Grund zum Feiern. Zu viel soll hier nicht verraten werden, denn die Geschichte gehört zu dem Besten, was die „BioShock“-Reihe zu bieten hat, doch mit einem neuen Big Daddy darf sich der Spieler auf eine emotionale Reise gefasst machen, die ihn nicht so schnell wieder loslässt. Dank neuer Fähigkeiten und starkem Level-Design dürften einige hier noch mehr Spaß haben als in der Kampagne – auch, wenn die zusätzliche Kampagne sich anfangs nicht allzu stark vom Bekannten unterscheidet.

Tolle Portierung

Auch auf Nintendo Switch sieht „BioShock 2“ sehr gut aus. Natürlich handelt es sich hier nicht um einen brandneuen Titel, doch insbesondere dank der Lichtgebung weiß Rapture genauso zu fesseln, wie schon in den bisherigen Veröffentlichungen. Besonders die Soundkulisse überzeugt, denn obwohl man den Feinden meist überlegen ist, kommt eine bedrückende Stimmung auf. Alleine die fehlende Bewegungssteuerung ist ein Versäumnis, doch abgesehen davon dürfen sich Nintendo Switch-Besitzer zufrieden zeigen.

Weiterführende Links: Forum-Thread

Fazit & Wertung

„BioShock 2 Remastered“ ist ein Muss für Fans des ersten Teils. Der Fokus wird von der Kulisse auf seine Bewohner gelenkt, der neue Held beweist sich als große Überraschung und auch der Spielfluss stellt eine klare Verbesserung dar. Auch wenn nicht alle Ideen aufgehen, bleibt es bemerkenswert, wie viel die Entwickler aus Rapture herausholen konnten, was sie einmal mehr mit dem erstklassigen DLC beweisen. Die Nintendo Switch-Version ist vor allem dafür da, neue Spieler mit der Reihe vertraut zu machen, weshalb man sie nicht unbedingt mit den anderen Konsolen vergleichen kann. Wer aber Rapture unterwegs bereisen möchte, darf bedenkenlos zugreifen.

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