Urban Legends, tödliche Flüche und eine Handvoll Fremder, die plötzlich in ein makabres Ritual verstrickt werden, klingt nach klassischem Horror Baukasten.„Paranormasight: The Mermaid’s Curse“ macht daraus jedoch weit mehr als eine simple Geistergeschichte. Statt billiger Schockmomente setzt das Adventure auf klug verzahnte Erzählstränge, moralische Grauzonen und ein Spiel mit Erwartungen, das immer wieder überrascht. Wir haben uns dem Fluch gestellt und geprüft, wie tief der Sog wirklich reicht.

Eine Insel voller Gerüchte
Diesmal führt die Reise nicht in eine Großstadt, sondern auf die abgelegene Insel Kameshima in der Ise Bucht. Hier lebt Yuza Minakuchi, ein junger Perlentaucher, der mit seinem Freund Azami Kumoi seinen Alltag zwischen Meer, Hafen und Dorfleben verbringt. Die Legende von Meerjungfrauen, die Unsterblichkeit versprechen sollen, ist auf der Insel mehr als nur eine alte Geschichte. Sie gehört zur Identität des Ortes, wird weitererzählt, diskutiert und belächelt, bis plötzlich niemand mehr lacht.
Was „Paranormasight“ hier besonders gut gelingt, ist die Atmosphäre. Kameshima wirkt nicht wie eine bloße Kulisse für Übernatürliches. Es ist eine Gemeinschaft mit Geschichte, mit unausgesprochenen Spannungen und mit Menschen, die etwas zu verlieren haben. Wenn das Unheimliche Einzug hält, fühlt es sich wie ein Bruch im Alltag an, nicht wie ein aufgesetzter Effekt.
Perspektiven statt Gewissheiten
Wie schon der Name vermuten lässt, bleibt es nicht bei einer einzigen Hauptfigur. Die Geschichte entfaltet sich aus mehreren Blickwinkeln. Ereignisse werden unterschiedlich beleuchtet, Informationen verteilen sich auf verschiedene Figuren, und manches Gespräch bekommt erst Stunden später sein eigentliches Gewicht.
Dieses Wechselspiel sorgt dafür, dass man ständig mitdenkt. Wer weiß was? Wer verschweigt etwas? Und wer glaubt vielleicht selbst an Dinge, die nicht ganz der Wahrheit entsprechen? Das Spiel traut seinen Spielenden zu, Verbindungen herzustellen. Es serviert Hinweise, aber keine fertigen Antworten. Gerade dadurch entsteht Spannung. Gerade, weil nicht ständig etwas explodiert und sich unter der Oberfläche ein Geflecht aus Motiven, Halbwahrheiten und alten Legenden spannt, das jederzeit reißen könnte.

Drehen, schauen, zweifeln
Spielerisch bleibt „Paranormasight: The Mermaid’s Curse“ ein Mystery-Adventure. Gespräche führen, Orte untersuchen, Informationen kombinieren. Präsentiert werden viele der Schauplätze in einer frei drehbaren 360-Grad-Ansicht. Statt eines statischen Hintergrunds blickt man sich um, sucht nach Details und entdeckt Dinge, die im ersten Moment leicht übersehen werden.
Die Struktur ist verzweigt. Entscheidungen und entdeckte Informationen öffnen neue Wege, während andere zunächst verschlossen bleiben. Scheitern gehört dazu, wird aber selten bestraft. Vielmehr fühlt es sich an wie ein weiterer Baustein im Gesamtbild.
Unter Wasser beginnt das Schweigen
Yuza ist nicht nur zufällig Perlentaucher. Das Meer spielt eine aktive Rolle. Tauchgänge sind fester Bestandteil des Abenteuers. Man verbringt Zeit unter Wasser, sammelt Infos und erkundet die Umgebung der Insel aus einer anderen Perspektive.
Diese Abschnitte wirken fast meditativ. Gleichzeitig tragen sie zur Welt bei. Die Legende der Meerjungfrau erhält eine greifbare Dimension, wenn man selbst durch das Wasser gleitet und das Gefühl bekommt, dass unter der ruhigen Oberfläche mehr verborgen liegt, als man ahnt.

Visual trifft auf Novel
„Paranormasight: The Mermaid’s Curse“ bleibt eine Visual Novel, doch der visuelle Anteil rückt im Vergleich zum Vorgänger stärker in den Vordergrund. Die stilisierten Hintergründe auf Basis realer Schauplätze wirken schöner und das Tageslicht der Insel ersetzt den alten Retro-Look. Der 360-Grad-Blick fühlt sich immersiver an, Figuren reagieren lebendiger, und auch die Benutzeroberfläche fügt sich stimmiger ins Gesamtbild ein. Technisch läuft alles stabil, ohne auffällige Schwächen. Die Musik bleibt dezent, setzt auf leicht unheimliche Motive und trägt die Atmosphäre, statt sie zu übertönen.
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