Dass ein Publisher eine neue Marke im Jahr 2026 ins Rennen schickt, ist nicht all zu üblich. Mit „Pragmata“ sendet Capcom die Spieler:innen auf den Mond und bringt damit nicht bloß eine neue IP sondern auch einen ungewöhnlichen Gameplay-Ansatz mit. Ob dem Studio die Innovationen gut gelungen sind oder wir eher von einer gescheiterten Mondmission reden müssen, klärt unser Test.
Nicht lange fackeln!
Schon in der ersten Stunde macht „Pragmata“ ziemlich klar, worauf es hinauswill: auf temporeiche Gefechte, das Zusammenspiel aus Schusswaffen und Hacking sowie eine dichte Atmosphäre, die den Mondschauplatz überzeugend in Szene setzt.
Dabei gelingt dem Spiel ein starker Einstieg, der uns direkt abgeholt hat, wenn dieser auch nicht sonderlich innovativ ist. Hauptprotagonist Hugh verliert seine Teamkameraden auf dem Mond und muss sich fortan alleine durch das lunare System kämpfen, wobei ihm natürlich schnell die Androidin Diana zur Seite gestellt wird.
Das Setting wirkt von Anfang an schlüssig, die Heranführung funktioniert, und der Mix aus Erkundung, Action und technischen Kniffen greift früh. Gerade weil „Pragmata“ nicht lange um seinen eigentlichen Spielkern herumschleicht, fällt es leicht, sich auf das Abenteuer einzulassen.
Eine tragende Geschichte, der etwas mehr Tiefe gutgetan hätte
Die Grundgeschichte von „Pragmata“ ist durchaus interessant und trägt das Spiel auch ohne größere Probleme. Vor allem der fortwerfende Austausch zwischen Hugh und Diana gibt der Handlung ein emotionales Fundament, das weit über eine reine Zweckgemeinschaft hinausgeht. Immer wieder tauschen sich die zwei über Gesehenes aus oder Hugh erklärt dem Mädchen, was es bedeutet ein Mensch zu sein und wie das Leben auf der Erde funktioniert. Besonders Diana bleibt dabei im Gedächtnis: Ihre neugierige, naive, aber nie belanglose Art bringt eine eigene Dynamik in viele Szenen und sorgt dafür, dass der oft kühle Sci-Fi-Rahmen spürbar aufgelockert wird.

Erzählerisch bleibt das Spiel dabei insgesamt klar und verständlich, ohne auf ein paar Geheimnisse zu verzichten. Dennoch sind einige Entwicklungen der Story nicht besonders erfrischend und wirken wenig gewagt, gerade im Vergleich zum sonst so mutigen Gameplayansatz. Das ist nicht per se ein großes Problem, nimmt der Story aber an einigen Stellen etwas von ihrer möglichen Wucht, in die wir vielleicht auch zu viele Erwartungen hinein gesetzt haben. Setting und Grundidee haben uns hier eventuell zu viel versprechen wollen. Natürlich gibt es durchaus starke Storymomente, doch nicht alle davon sind so geschrieben oder inszeniert, wie wir es uns erhofft hätten.
Die Geschichte ist deshalb nicht gleich bloß funktional. Dafür trägt sie das Spiel zu zuverlässig und bietet genug, um uns auch abseits der Action bei der Stange zu halten. Trotzdem bleibt, wie gesagt, der Eindruck, dass hier erzählerisch noch mehr möglich gewesen wäre.
Shooting und Hacking greifen erfreulich gut ineinander
Die eigentliche Stärke von „Pragmata“ steckt ganz klar im Gameplay. Der spielerische Kern aus Third-Person-Shooting, Hacking über Diana und Erkundung funktioniert ausgesprochen gut und bleibt über weite Strecken motivierend. Insbesondere hat uns dabei das Hacking richtig gut gefallen. Es Sorgt stets dafür, dass eine gewisse Anspannung während aller Kämpfe aufrecht erhalten wird. Es verlangt von den Spielenden jederzeit Präzision sowie schnelles Reagieren, mal eben ein bisschen ballern gibt es hier nicht. Jeder Gegner will gescannt, gehackt und dann mit dem sich stetig erweiternden Waffenarsenal bearbeitet werden.
Dazu kommt, dass die Steuerung zuverlässig arbeitet. Zwar braucht es eine gewisse Eingewöhnung, bis alles wirklich flüssig sitzt, doch die Lernkurve ist überaus fair und belohnt mit einem überzeugenden Flow.
Zwar wird „Pragmata“ durch das Gameplay nicht zum großen Genre-Umbruch, aber es schafft etwas, das oft wichtiger ist: ein spielerisches Konzept, das durchgehend motiviert und sehr kurzweilig ist.
Abwechslungsreiche Kämpfe ohne größere Leerlaufphasen
Die Bot-Vielfalt ist ebenso ein positiver Punkt des Spiels. Von kleineren Standard-Bots über unsichtbare Widersacher und krabbelnden Robotorwesen, bietet „Pragmata“ eine breites Feld an Kanonen- und Hackingfutter. Das Spiel erweitert seine Mechaniken zudem im Laufe der Spielzeit sinnvoll, etwa durch temporäres Autohacking oder gut inszenierte Finishing Moves.
Bei alldem bleibt der Gameplay-Loop im Kern relativ konstant, doch weil die Mechaniken Schritt für Schritt ergänzt werden und das Spiel mit rund neun bis elf Stunden eine passende Länge mitbringt, kippt diese Konstanz nie in echte Eintönigkeit.

Kleinere Abnutzungserscheinungen gibt es dennoch: Wiederkehrende Finisher-Animationen und immer gleiche Punchlines von Hugh nutzen sich mit der Zeit etwas ab. Im Gesamtbild bleibt das aber eher ein Randproblem als ein echter Störfaktor.
Linear, fokussiert und angenehm frei von Ballast
„Pragmata“ ist ganz klar linear strukturiert ohne dabei zu einengend zu wirken. Die diversen Areale laden durchaus zum Erkunden ein und belohnen dies auch immer wieder. So gibt es neben Upgrades und Verbesserungen auch optionale Herausforderungen zu finden. Das reicht, um den linearen Verlauf etwas aufzulockern, ohne dass das Spiel sich künstlich größer macht, als es sein will.
Insgesamt ist das Pacing eine große Stärke des Spiels. Durchhänger gibt es praktisch keine. „Pragmata“ zündet früh, hält sein Tempo über weite Strecken und kann auch gegen Ende noch einmal Akzente setzen. In einer Zeit, in der viele Spiele unnötig aufgebläht wirken, ist dieses straffe Vorgehen eine Qualität für sich. Wer also die Linearität eines „Resident Evil Requiem“ mochte, dem wird auch dieser Spielaufbau gefallen.
Starke Atmosphäre auf dem Mond
In Sachen Atmosphäre macht „Pragmata“ ebenfalls viel richtig. Die Mondkulisse, die technische Umgebung und der grundsätzliche Ton des Spiels greifen sauber ineinander. Darüber hinaus birgt die Idee das auf dem Mond riesige 3D-Drucker die Umgebung gestalten unfassbare Möglichkeiten, die Capcom auch nutzt. Gerade die Version von New York, ist auf jeden Fall beeindruckend aber auch die anderen Gebiete lassen einen immer wieder staunen.
Der Soundtrack hält sich bei der Erkundung eher zurück, unterstützt aber in den Kämpfen die hektischere Gangart wirkungsvoll. Die deutschen Sprecher hinterlassen dabei einen sehr guten Eindruck.

Gute Technik auf Switch 2
Capcom bietet mit der Veröffentlichung von „Pragmata“ auf Nintendo Switch bereits den dritten plattformübergreifenden Release im Einklang mit PlayStation, PC und Xbox. Und auch dieses Mal ist die Umsetzung richtig gut gelungen.
Die Bildqualität ist für die Switch 2 sehr ordentlich, auch wenn eine dynamische Auflösung erkennbar bleibt. Dazu kommen kleinere Framedrops die das Spielerlebnis aber kaum trüben. Ähnlich wie in „Resident Evil Requiem“ gibt es Areale mit 60 FPS aber eben auch Abschnitte mit geringere Bildrate, was im Kontrast dann eben auffällt.
Unterm Strich liefert „Pragmata“ auf Switch 2 also eine überzeugende Umsetzung ab, die sich keine gravierenden Schwächen leistet und das Spielgeschehen auch auf Nintendo Switch 2 zum Erlebnis macht.
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