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Return to Monkey Island

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Return to Monkey Island

Als „Return to Monkey Island“ angekündigt wurde, bebte die Fangemeinde. Das Versprechen, endlich eine Auflösung des Cliffhangers aus „Monkey Island II“ zu erhalten, generierte bereits Vorfreude, ohne dass irgendetwas gezeigt wurde. Kontrovers war dann der Zeichenstil, der bei einigen wenigen für Unmut sorgte, doch zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass sich die eigentliche Kontroverse erst nach der Veröffentlichung offenbaren würde. Wieso wir enttäuscht aus einem wunderbaren Spiel gegangen sind, erfahrt ihr im Test.

Die komplizierte Geschichte der Reihe

Die Geschichte beginnt nicht dort, wo „Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge“ endete, auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht. Stattdessen übernehmen Spielende die Rolle von Boybrush, der zusammen mit seinem Bruder in einem Freizeitpark unterwegs ist. Ohne zu verraten, was es damit auf sich hat: Hiermit wird die Rahmenhandlung der eigentlichen Geschichte gesponnen. Obwohl das sehr gut funktioniert und überaus charmant geworden ist, wirkt dieses Stilmittel aufregender als es am Ende ist. 

Sowieso ist das fertige Spiel etwas anders geworden, als zuvor versprochen. Die Ereignisse aller bisherigen „Monkey Island“-Spiele sind nämlich tatsächlich geschehen - von der Versteinerung Elaines, über die Hochzeit bis hin zu den Pocken. Das verrät Guybrush in einem Buch, allerdings sind einige Teile der Handlung aus den Spielen nie geschehen, zum Beispiel die Enthüllung des Geheimnisses am Ende des dritten Teils oder die Offenbarung, wer Herman Toothrot eigentlich ist. Das mag etwas merkwürdig wirken, funktioniert aber überraschend gut, denn diejenigen, die die gesamte Reihe kennen, dürfen sich somit auf viele Anspielungen freuen.

Das Geheimnis um das Geheimnis

Die eigentliche Geschichte beginnt exakt so, wie der erste Teil: Guybrush kommt auf Mélée Island an und spricht zuerst mit dem Lookout. Diesmal will er aber kein Pirat werden, sondern das Geheimnis von Monkey Island finden - eine komplexere Einleitung braucht niemand erwarten, was wunderbar der simplen Prämisse des ersten Spiels ähnelt. Schon bald muss der tollpatschige Held aber erkennen, dass sich nach all den Jahren eine ganze Menge geändert hat. Die drei Oberpiraten wurden ausgetauscht, die Voodoo-Lady macht ihren Laden dicht und Carla ist die neue Gouverneurin. Auch Guybrush benötigt deswegen eine neue Herangehensweise, und entscheidet sich deshalb, LeChuck’s Crew zu infiltrieren, die ebenfalls nach dem Geheimnis sucht.

Die Handlung ist exakt so, wie man sie erwartet: Irrwitzige Situationen, verrückte Charaktere und Rätsel, durch die man jeden Ort bestens kennenlernt. Es ist überaus spannend herauszufinden, wo die Charaktere nach all den Jahren gelandet sind, zum Beispiel Wally, der jede Karte erschaffen kann, oder Murray, der einmal mehr leiden muss. Insgesamt gibt es definitiv weniger Momente, in denen man laut loslachen muss, und an einigen Stellen bleibt der Titel ein wenig zu brav. Alleine die Nostalgie macht das aber wieder mehr als wett, denn sowohl bekannte als auch neue Orte zu erkunden lässt jedes Fanherz aufspringen.

Klassisch abgebaut

Auch, wenn „Return to Monkey Island“ noch immer ein Point-and-Click-Spiel ist, benötigt die heutige Zeit ein anderes Interface. Insgesamt ist das Spiel deshalb sehr viel simpler ausgefallen: Kleine Kreise geben an, mit welchen Objekten interagiert werden kann, und diese darf man sich entweder anschauen, oder sie aufnehmen - mehr nicht. Insgesamt sorgt das aber für einen besseren Spielfluss, da man sich nicht allzu lange damit aufhalten muss, zu viele Optionen durchzugehen. Auch das Inventar kehrt zurück, allzu komplizierte Kombinationen, oder gar unlogische, kommen aber zum Glück nicht vor. Allgemein dürfte niemand Probleme damit haben, bis zum Ende zu kommen, solange man die zahlreichen Dialogoptionen mit allen Charakteren durchgeht. Knobeleien gibt es wenige, dafür aber umso mehr Aufgaben, wegen derer man immer wieder alle möglichen Orte aufsuchen muss. Die daraus entstehenden Situationen sind immer unterhaltsam und motivieren auch, optionale Dinge zu erledigen.

Sowohl für diejenigen, die es einfacher haben möchten, als auch für die, die es lieber schwieriger mögen, gibt es entsprechende Optionen. Jederzeit lässt sich nämlich ein hilfreiches Buch aufrufen, das in mehreren Schritten Tipps gibt, wie die einzelnen Aufgaben zu lösen sind - im letzten Schritt wird dann einfach die Lösung verraten. Leider benötigt das noch einige Updates, denn manchmal fehlen wichtige Zwischenschritte. Für die anderen gibt es einen Hard-Mode, der die Rätsel nicht unbedingt schwieriger macht, dafür aber viele weitere Zwischenschritte einfügt. Das ist nicht nur etwas für Veteranen, sondern auch für diejenigen, die einen weiteren Durchgang starten wollen.

Die Nostalgiekeule

„Return to Monkey Island“ ist ein Nostalgiefest. Die Anspielungen an vergangene Abenteuer, die Meta-Kommentare über die Branche und das Genre sowie die zahlreichen Momente, die man nur deshalb lustig findet, weil sie in einem gewissen Kontext geschehen, werden Fans regelmäßig zum Jubeln bringen. Dahinter verbirgt sich aber leider auch ein Spiel, das viele Neulinge eher abschrecken dürfte. Ja, alle wichtigen Punkte der Geschichte werden erneut erklärt, der Mix aus bekannten und neuen Charakteren funktioniert bestens und auch spielerisch ist jeder willkommen. Dann erhält man aber nur noch ein gutes Adventure statt der Nostalgiebombe. Das ist nicht unbedingt schlecht, denn die Macher haben ihre Zielgruppe klar definiert und diejenigen werden zum Großteil sehr glücklich sein. Als Einstiegspunkt eignet sich der Titel aber nicht.

Die echte Kontroverse

Natürlich soll an dieser Stelle nicht gespoilert werden, was es schwierig macht, über das Ende zu reden. Einige werden die etwas kunstvolle Gestaltung, den Meta-Kommentar und die damit verbundene Kreativität mögen, in meinem Fall lässt sich aber sagen: Eine derart große Enttäuschung habe ich bezüglich eines Endes in der Videospielwelt noch nicht erlebt. Egal, wie man dazu steht, die kontroversen letzten Minuten dürften für eine Menge Gesprächsstoff sorgen, doch wer sich das erhofft hat, was die Reihe eigentlich kann, wird massiv enttäuscht. So stark sogar, dass man sich fragen muss, ob es das überhaupt wert war, sich durch das ansonsten unterhaltsame Abenteuer zu klicken. Es ist schade, dass keine Lösung gefunden wurde, um alle glücklich zu machen, die seit so vielen Jahren darauf warten, was Ron Gilbert eigentlich für das Finale geplant hatte. „Return to Monkey Island“ ist nämlich nicht das Spiel, das in den 90er Jahren erschienen wäre, sondern ein Spiel, das die Lasten all der Jahre auf sich trägt - die dann auch die originale Version verändert haben.

Piraten im neuen Look

Der Grafikstil musste einiges an Kritik einstecken, doch auch hier wird sich die persönliche Meinung unterscheiden. Insgesamt sieht die überzeichnete Optik wunderbar aus, und sobald man sich an die Charaktermodelle gewöhnt hat, funktioniert der Stil bestens. Egal ob die liebevollen Animationen oder die großartigen Hintergründe, es wird immer etwas Neues geboten, um Spielenden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Auch die englische Synchronisation ist absolut perfekt und erweckt jeden einzelnen Charakter genau so zum Leben wie man sich ihn vorstellt. Die musikalische Kulisse gerät dabei in den Hintergrund, zumindest die bekannten Melodien stechen aber hervor. 

Mittlerweile ist sogar eine deutsche Synchronisation erschienen, die beweist, wie wichtig die Reihe hierzulande ist. Diese überzeugt durch wunderbare Sprecher, die die Charaktere fast genauso gut verkörpern, wie im Original. Lediglich einige wenige Stimmen passen nicht unbedingt zu ihren Figuren, allen voran die Voodoo-Lady. Allzu sehr stört das alles aber nicht und das Team verdient ein riesiges Lob dafür, das deutsche Publikum entsprechend zu feiern.

Die Steuerung ist ebenso gelungen. Guybrush lässt sich mit dem linken Stick steuern, während die Auswahloptionen mit dem rechten gelenkt werden. Das geht gut von der Hand, und da der Held sich wahnsinnig schnell bewegen kann, ist es kein Problem, längere Strecken laufen zu müssen. Einzig die Benutzung des Inventars ist etwas umständlich, denn hier muss man von einem Stick auf den anderen wechseln - insgesamt ist das aber ein kleines Problem. Und wer sich daran stört, darf gerne auf den Touchscreen wechseln, der so funktioniert, wie man es sich vorstellt. Zusätzlich bietet die Nintendo Switch-Version auch verschiedene Grafikmodi an, die die Bildqualität minimal ändern. Im höchsten Modus litt aber nur in einem Gebiet die Bildrate.

Weiterführende Links: Forum-Thread

Fazit & Wertung

„Return to Monkey Island“ ist ein Pflichttitel für alle Fans der Reihe. Der grandiose Humor, eine gigantische Portion Nostalgie sowie wunderbare Ortschaften, gefüllt mit erstklassig geschriebenen Charakteren und unterhaltsamen Rätseln sorgen für exakt das Spielerlebnis, das sich Fans gewünscht haben. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Neulingen zahlreiche Witze und Anspielungen vorenthalten werden, denn die Zielgruppe sind diejenigen, die zumindest die ersten beiden Teile erlebt haben. Schade also, dass das Finale einige von ihnen derart enttäuscht, dass sie sich am Ende fragen werden, ob es nicht besser gewesen wäre, die Reise nie angetreten zu haben. Zumindest werden die Diskussionen um das Spiel spannend - und wir hoffen auf weitere Abenteuer mit Guybrush und Elaine.

Bisher gibt es zwei Kommentare

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  • Avatar von bananenbär
    bananenbär 19.11.2022, 15:33
    Zitat Zitat von Alex Beitrag anzeigen
    Macht es eigentlich Sinn hier einzusteigen wenn man die anderen Teile nicht gespielt hat?
    Jein.

    Das Spiel ist natürlich absolut spielbar und stellt dich wohl bis auf die Quizfragen vor keinerlei Probleme, aber der größte Teil des Charmes geht schon von den Bezügen zu den beiden ersten Teilen aus.

    Alle anderen Teile kannst du aber getrost erst später mal spielen.
  • Avatar von Alex
    Alex 19.11.2022, 14:28
    Macht es eigentlich Sinn hier einzusteigen wenn man die anderen Teile nicht gespielt hat?