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Ring Fit Adventure

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Ring Fit Adventure

Dass Fitness schon immer ein wichtiges Thema für Nintendo war, haben wir zuletzt in einem Artikel festgestellt. Egal ob „Wii Sports“ oder „Wii Fit“, Bewegung beim Daddeln hat einen starken Markt erschaffen. Auf Nintendo Switch fehlte lange Zeit ein ebenso großer Hit, weshalb „Ring Fit Adventure“ die Lücke schließen möchte. Kann die Mixtur aus Rollenspiel und Sport aber auch an die goldenen Zeiten anschließen?

Kein Spielzeug!

Wer den Karton öffnet, findet neben dem Spiel natürlich den Ring-Con. Wer Angst um die Stabilität hat, darf beruhigt sein. Das elastische Material lässt sich mit viel Kraft zusammendrücken und auseinanderziehen, was sich extrem stabil anfühlt. Hier handelt es sich nicht um ein Spielzeug, sondern ein echtes Trainingsgerät. Der Test mit mehreren Personen hat auch bewiesen, dass es gar nicht so einfach für jeden ist, den Ring so weit wie möglich zusammenzudrücken. Somit darf jeder genau das Krafttraining erwarten, das für ihn am besten ist.

Schon vor dem Start kann es ordentlich in die Arme gehen, den Ring immer wieder zusammenzudrücken. Die Größe ist ebenfalls ordentlich, sodass man keine Sorge haben muss, dass irgendwem der Ring zu klein sein wird. Weiterhin liegt ein Beingurt bei, in den ein Joy-Con eingesetzt wird. Dieser ist sehr funktional, je nach Hose kann es aber durchaus sein, dass der Gurt verrutscht, was erheblich stört. Es dauert ein wenig, die perfekte Position und den perfekten Druck zu finden – dann sitzt aber alles bestens.

Abenteuer auf Pfaden

Der Kern des Spieles ist das Abenteuer. Dort geht es um einen bösen Bodybuilder-Drachen, der versehentlich vom Spieler befreit wird. Zusammen mit Ring, der die digitale Version des Ring-Con darstellt, geht es nun auf ein Abenteuer, um Monster zu besiegen und den Bösewicht davon abzuhalten, zu viel zu trainieren. Zumindest glauben wir das: Die Handlung ist definitiv das unwichtigste an dem Spiel und lediglich Mittel zum Zweck. Es gibt zwar einige unterhaltsame Nebencharaktere, deren Designs aus „The Legend of Zelda: Skyward Sword“ stammen könnten, bis auf wenige Dialoge darf man aber nichts erwarten.

Viel interessanter sind die eigentlichen Level, die mal in alten Ruinen, mal in der Wildnis stattfinden. Damit sich der Protagonist bewegt, muss der Spieler mit dem Ring-Con in den Händen auf der Stelle joggen. Das Gerät ist auf der Reise überaus nützlich, denn wer es zusammendrückt, kann Luftschüsse abfeuern, um Kisten und weitere Objekte zu zerstören oder aktivieren, während das Auseinanderziehen dafür sorgt, dass Münzen und Items angesaugt werden. Das Zielen ist zwar aufgrund der sich bewegenden Kamera nicht gerade einfach, Präzision wird aber auch nicht verlangt.

Das neue „Mario“?!

Obwohl das Spiel damit wirbt, ein Rollenspiel zu sein, handelt es sich bei diesen Passagen eher um Plattformer. Man muss Springen, manchmal Mechanismen aktivieren, schweben und Münzen einsammeln, wobei die Laufgeschwindigkeit stets wichtig ist. Manchmal gibt es sogar mehrere Wege, wobei die Faustregel sagt, dass der oberste Weg die meisten Belohnungen innehält. Dadurch werden die Level nicht nur zu einem Marsch, sondern unterhaltsamen Abenteuern. Ins Schwitzen dürfte man hier noch nicht kommen, doch die stetige Bewegung gepaart mit einigen Leveln, in denen das Laufen durch andere Aktivitäten ersetzt werden, überzeugen durchweg. Zugleich lässt sich das als Aufwärmen bezeichnet, denn immer wieder kommt es während dieser Level zu Kämpfen, dem Herzstück von „Ring Fit Adventure“.

Seichte Kämpfe

Eins vorweg: Komplizierte Rollenspielmechaniken gibt es nicht. Stattdessen sucht sich der Spieler seine Angriffe vor den Leveln aus, wobei der Angriffswert ebenso wichtig ist, wie der Zielbereich. In den Kämpfen können nämlich bis zu fünf Monster nebeneinanderstehen, aber nur einige Angriffe fügen allen Schaden zu. Die mächtigsten Angriffe bleiben aber die, bei denen nur ein Gegner anvisiert wird.

Ansonsten laufen die Kämpfe genau so ab, wie man es erwarten würde. Der Spieler wählt einen Angriff aus, führt ihn aus und wehrt anschließend ab. Das wiederholt sich dann so lange, bis alle Gegner besiegt wurden, extravagante Mechaniken werden also nicht geboten. Zudem gibt die Farbe der Feinde an, welche Angriffe besonders mächtig sind, sodass die Angriffe vorher entsprechend angepasst werden können. Es gibt auch Drinks, um bestimmte Angriffsfarben zu verstärken oder Herzen zu regenerieren, was durchaus notwendig ist. All das ist simpel gehalten, sodass auch diejenigen keine Probleme mit dem System haben werden, die noch nie ein Rollenspiel gestartet haben. Der eigentliche Spaß liegt sowieso in der Ausführung der Angriffe.

Intensiver geht es nicht

Jeder Angriff stellt eine Übung dar, wobei die Farbe nicht nur die Effektivität gegenüber bestimmten Feinden angibt, sondern auch die Kategorie. Während rote Angriffe die Armmuskulator beanspruchen, handelt es sich bei den Grünen um Yoga-Bewegungen. Dabei wird deutlich, wie ernst es die Macher meinen: Die Übungen müssen ziemlich exakt ausgeführt werden, was anhand von Ring-Con und Beingurt gemessen wird. Und auch das Gebot des Trainings wird eingehalten, nämlich Wiederholungen. Mitunter müssen also 25 Kniebeugen ausgeführt werden, von denen jede ein wenig Schaden zufügt. Und auch das Verteidigen ist aktiv, dabei wird nämlich der Controller gegen die Bauchmuskulator gedrückt.

Es ist bemerkenswert, wie sehr sich das Spiel dem Ziel hingibt, ein authentisches Trainingsprogramm zu bieten. Auch das Tempo ist hoch, denn die Wiederholungen sind zahlreich, und es gibt kaum Pausen, wenn man diese nicht selbst einlegt. Dadurch hebt sich das Spiel stark von „Wii Fit“ ab, das auf einzelne Übungsphasen setzte. Posen müssen gehalten werden und manchmal müssen die letzten Wiederholungen schneller ausgeführt werden. Und wer die Übungen exakt ausführt, sich also weiter beugt, langsamer bewegt und die Beine weiter anzieht, teilt zusätzlichen Schaden aus. Das motiviert extrem, schließlich kann man dadurch die Kämpfe verkürzen. Auch die Nutzung des Ring-Con ist bemerkenswert, denn selbst bei Übungen, in denen man ihn nicht zusammendrücken muss, sorgt er für die eigene Stabilität.

Sport für jedermann

Wer nun Angst davor hat, dass das Training überfordert, darf sich über zahlreiche Design-Entscheidungen freuen, die jeden bedienen. Man kann nämlich ein unfassbar hartes Training vollziehen, doch einige Fragen am Anfang bestimmen die Intensitätsstufe. Zudem wird man häufig gefragt, ob der Schwierigkeitsgrad erhöht oder verringert werden soll, sodass man genau das Erlebnis erhält, zu dem der eigene Körper fähig ist. Spielerisch wird das in den Schaden umgerechnet, denn je niedriger die Stufe ist, desto weniger Wiederholungen müssen ausgeführt werden, um denselben Schaden auszuteilen.

Auch die eigentlichen Kämpfe sind so gestaltet, dass niemand überfordert wird. Wer nicht intensiv agieren kann, muss zwar einen zusätzlichen Angriff starten, wird dafür aber auch jeden Kampf meistern. Und auch das Tempo ist nicht vorgegeben: Zwischen den Wiederholungen darf man jederzeit eine lange Pause einlegen, denn schnelle Reaktionen oder Timing werden in den Kämpfen niemals vorausgesetzt.

Die Kirsche auf den Kohlenhydraten

Abseits der Level muss ein wenig geplant werden. Kleidungsstücke aus dem Shop erhöhen Angriffs- und Verteidigungswert, während Getränke entweder gekauft oder anhand der Zutaten aus den Leveln selbst gemischt werden. Auch hier wird deutlich, dass nichts zu tiefgreifend ist, doch das möchte man auch gar nicht. Da man regelmäßig schwitzt und gerne außer Puste ist, freut man sich eher über die fehlende Komplexität, denn der vorhandene Spielspaß gepaart mit dem Training reicht völlig aus, um einen vollständig zu beanspruchen.

Zeitvertreib mit Schweiß

Immer wieder gibt es auf der Weltkarte Minispiele, die auch vom Hauptmenü aus ausgewählt werden können. Sie sind wunderbar kurzweilig, denn mal müssen Münzen durch kontrollierte Sprünge gesammelt, mal Kisten abgeschossen und mal Wände erklommen werden. Diese lassen sich am ehesten mit „Wii Fit“ vergleichen, wobei die Vielfalt nicht so groß ist wie im Titel mit dem Balance Board. Dennoch unterhalten sie gut, und da sich Ranglisten mit Freunden abgleichen lassen, wird man ordentlich motiviert, die eigene Bestleistung zu überbieten.

Zudem lassen sich diverse Kraft- und Yoga-Übungen auch außerhalb des Abenteuers angehen, falls man ausschließlich trainieren möchte. Der Spieler darf auch eigene Trainingspläne erstellen – all das ist soweit von Nintendo bekannt. Hier würde „Ring Fit Adventure“ definitiv von Updates profitieren, die den Umfang erweitern, denn die Optionen wirken neben dem Abenteuer eher enttäuschend. Besser ist da schon die Möglichkeit, auch ohne Konsole zu trainieren. Dann werden die Daten auf dem Joy-Con gespeichert, und in Belohnungen umgewandelt, wenn man zum Spiel zurückkehrt. Diese lassen sich auch verschenken, was sich als nette Geste entpuppt.

Aufgeräumte Wildnis

Auch optisch kann das Spiel überzeugen. Die Menüs sind sehr aufgeräumt und klar, während die Figur, die die Übungen vormacht, ebenfalls durch das simple Design überzeugen kann. Die Stars sind aber die Level, die durch wunderschöne Umgebungen punkten. Egal ob Wiesen, Brücken oder die vielen Tiere, all das sorgt für ein lebendiges Abenteuer, selbst wenn die Welten etwas leer ausgefallen sind. Technische Probleme gab es nie, da die Bewegungen stets erfasst wurden. Zudem kann man jederzeit neu kalibrieren, was sich als sehr nützlich erweist. Manchmal gibt es kleine Eingabeverzögerungen, daran kann man sich aber gewöhnen.

Der Soundtrack ist überraschend gut, auch wenn er nie mehr als nette Hintergrundmusik wird. Etwas merkwürdig ist die Sprachausgabe, denn bis auf Ring bleiben alle Charaktere stumm. Der Helfer ist dafür besonders präsent, und spornt durch Hinweise und motivierende Sprüche an.

Weiterführende Links: Forum-Thread

Fazit & Wertung

„Ring Fit Adventure“ ist eine echte Wucht! Die Kombination aus simplen Rollenspielmechaniken, Plattformern und intensivem Training motiviert enorm, weshalb es schwierig wird, freiwillig eine Pause einzulegen. Die Vielfalt der Übungen, die wunderschöne Welt und die spaßigen Level sorgen für die passende Atmosphäre, während man garantiert ins Schwitzen kommt. Doch das Highlight bleibt der Ring-Con, der sich als authentisches Trainingsgerät entpuppt, das man auch abseits des Spieles nutzen kann. Auch, wenn keine zusätzlichen Mini-Spiele nachgereicht werden, ist „Ring Fit Adventure“ das beste Workout der Videospielwelt.

Bisher gibt es fünf Kommentare

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  • Avatar von Shodan
    Shodan 03.11.2019, 10:32
    Zitat Zitat von Brixo125 Beitrag anzeigen
    @Shodan

    Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann soll man für den Abenteuer-Modus bei einer täglichen Spielzeit von 30 min ungefähr 3 Monate benötigen, umgerechnet also circa 45 Stunden.
    So habe ich es auch gehört, würde aber gerne wissen, wie viele Welten und Level es gibt. Mit Spielzeit muss ja nicht die Trainingszeit gemeint sein. Bisher geht es jedenfalls recht schnell voran!
  • Avatar von Brixo125
    Brixo125 02.11.2019, 23:09
    @Shodan

    Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann soll man für den Abenteuer-Modus bei einer täglichen Spielzeit von 30 min ungefähr 3 Monate benötigen, umgerechnet also circa 45 Stunden.
  • Avatar von Shodan
    Shodan 02.11.2019, 09:43
    Ihr gebt hier meine Meinung sehr gut wieder! Man kann wirklich schwer eine Pause machen. Dass es sehr armbetont ist, gefällt mir auch, das hat man im Alltag und auch in vielen Sportarten ja nicht. Bleibt zu hoffen, dass es ein Erfolg und durch DLCs erweitert wird.
    Kann eigentlich jemand was zum Umfang sagen? 2-4 Monate klingt eher ungenau.
  • Avatar von BIGBen
    BIGBen 01.11.2019, 17:52
    Ich kann auch nur zustimmen. Das Spiel ist wirklich sehr gelungen und ich freue mich schon drauf am Montag weiterzuspielen.
  • Avatar von Megu
    Megu 01.11.2019, 17:00
    Ich kann eurem Test nur zustimmen!
    Ich hab das Spiel seit dem ersten Tag und versuche jeden Tag ungefähr 10 Minuten auf die Ingame Uhr zu bekommen und es ist teilweise echt anstrengend, aber auch sehr motivierend. Ich hatte in den ersten Tagen auch wirklich Muskelkater im Bauch ^^